Das Estival wird auch in diesem Jahr zwei Tage länger dauern als sein Vorgängerfest. Und der Weihnachtsmarkt beginnt gleich mehrere Tage früher als üblich. Foto: Horst Rudel

Um den Marktbeschickern mehr Verkaufstage zu ermöglichen, startet der Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt in diesem Jahr voraussichtlich ungewöhnlich früh. So früh, dass er am Totensonntag eine Pause einlegen muss. Auch das Estival soll erneut verlängert werden.

Eigentlich wäre der Mittelalter- und Weihnachtsmarkt in diesem Jahr so kurz gewesen wie selten. Doch angesichts der pandemiebedingten Einbußen in den vergangenen Jahren will die Stadt den Marktbeschickern die Chance auf mehr Einnahmen einräumen. Deshalb soll der Markt diesmal so früh beginnen wie nie – muss dafür aber am Totensonntag eine Pause einlegen. Auch den Estival-Wirten kommt man entgegen: Das Sommerfest darf erneut zwei Tage länger dauern als sein Vorgänger, das Zwiebelfest.

Laut Marktordnung der Stadt Esslingen beginnt der Weihnachtsmarkt stets am Dienstag vor dem ersten Advent und endet kurz vor Weihnachten. Kalendarisch bedingt schwankt die Dauer des Marktes so zwischen 24 und 31 Tagen. Nachdem die Beschicker im vergangenen Jahr von der längstmöglichen Dauer profitieren konnten, dürften die Buden in diesem Jahr eigentlich nur 24 Tage lang geöffnet sein. Doch wegen der Coronapandemie und der laut Stadtverwaltung äußerst unglücklichen kurzfristigen Absage des Weihnachtsmarkts 2021 wünschten sich die Marktbeschicker dieses Jahr eine Ausnahmeregelung, um mehr Einnahmen generieren zu können.

Ausgleich für kurzfristige Marktabsage im Jahr 2021

Im Prinzip kann die Stadt diesem Wunsch einiges abgewinnen. So könne auf diese Weise ein kleiner Ausgleich für die unglücklichen Umstände 2021 geschaffen werden, glaubt man im Rathaus. Zudem wirkten sich die zusätzlichen Verkaufstage auch umsatzfördernd für den Handel und die Gastronomie in der Innenstadt aus, die ebenfalls besonders von der Pandemie betroffen gewesen seien. Die Krux ist allerdings, dass bei einem früheren Starttermin der Totensonntag in die Zeit des Weihnachtsmarktes fällt. An diesem sogenannten stillen Feiertag ist der Betrieb eines solchen Marktes durch das Feiertagsgesetz untersagt. Daher muss der Weihnachtsmarkt an diesem Tag pausieren.

Allerdings hätten andere Städte im Land wie etwa Ludwigsburg, Heilbronn, Reutlingen, Baden-Baden und Freiburg einen früheren Start ihrer Weihnachtsmärkte in diesem Jahr inklusive Schließtag am Totensonntag bereits beschlossen, berichtet die Stadtverwaltung. Der Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt stehe mit den Märkten in diesen Städten im Wettbewerb – sowohl was die Besucher als auch was die Beschicker angehe. Seit der Pandemie habe sich der Wettbewerb um qualitativ hochwertige Handelswaren- und Kunsthandwerkerstände erheblich verschärft, zumal viele Betriebe hätten aufgeben müssen. Daher sei ein früherer Starttermin auch ein Beitrag zur Sicherung der Attraktivität und der Zukunftsfähigkeit des Esslinger Weihnachtsmarktes.

Kirchen sind nicht begeistert von Vorverlegung des Weihnachtsmarkts

Im Gespräch mit den Kirchengemeinden habe sich zwar gezeigt, dass diese klare Vorbehalte gegen eine Vorverlegung des Weihnachtsmarkts haben, so die Stadt. Dennoch würden sie einen Gemeinderatsbeschluss dazu akzeptieren. Immerhin wolle man den Weihnachtsmarkt erst am Tag nach dem Buß- und Bettag starten und damit zumindest diesen wichtigen Tag im Kirchenjahr vom Weihnachtsmarktbetrieb ausklammern.

Auch den Wirten des Estivals will man mehr Spielraum geben, um wirtschaftlich schwächere Tage kompensieren zu können. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Stadt dem Sommerfest 13 Betriebstage zugestanden statt der elf Tage, die das Zwiebelfest als Vorgängerveranstaltung gedauert hatte. Wenn der Gemeinderat am Montag zustimmt, findet das Estival in diesem Jahr vom 4. bis zum 16. August statt und der Mittelalter- und Weihnachtsmarkt vom 23. November bis zum 21. Dezember.