In der kommenden Sitzungsrunde soll der Gemeinderat über den neuen Pächter für das Hotel Park Consul entscheiden. Foto: Roberto Bulgrin

Die städtische Eventgesellschaft Esslingen live leidet stark unter der Coronapandemie. 2021 lag der Verlust Prognosen zufolge bei 4,7 Millionen Euro. Ein Lichtblick: Das Hotel Park Consul wird wieder verpachtet.

Esslingen - Bis vor nicht allzu langer Zeit sah es so aus, als würden die Zeiten wieder rosiger für die städtische Veranstaltungsgesellschaft Esslingen live. Nach der pandemiebedingten Zwangspause Anfang 2021 waren die Säle im Herbst und Winter wieder gut gebucht. Doch Ende November kam der jähe Umschwung: Es hagelte Absagen und Umbuchungen. Zwar hatte man angesichts von Corona für 2021 schon mit weniger Umsatz geplant als sonst – aber selbst die niedriger gesteckten Ziele werden jetzt nicht mehr erreicht. Unterdessen zeichnet sich aber eine Lösung für das Hotel Park Consul ab.

Die Buchungslage für den Winter war gut

Derzeit fährt man bei Esslingen live auf Sicht. Zu ungewiss ist, was noch kommt – das hat das vergangene Jahr nur zu deutlich gezeigt. Noch Anfang November hatte sich Johannes Schneiderhan, Geschäftsführer der Veranstaltungsgesellschaft, zufrieden gezeigt. Die Buchungslage für den Winter sei sehr gut, befand er damals. Doch innerhalb kürzester Zeit wandelte sich das Bild: Angesichts steigender Infektionszahlen sowie der Coronamaßnahmen von Bund und Land wurden Ende November zahlreiche Veranstaltungen abgesagt oder ins nächste Jahr verschoben. Das und die zuvor weitreichenden Veranstaltungsverbote bis in den Mai hinein sowie der Leerstand des Hotels Park Consul haben zur Folge, dass die Umsätze weit geringer sind als angenommen. Statt der geplanten rund 1,5 Millionen Euro Umsatzerlöse rechnet man jetzt nur noch mit rund 420 000 Euro für 2021. Allerdings sind gleichzeitig auch weniger Betriebskosten angefallen. Insgesamt steigt der Jahresverlust von den veranschlagten rund 4,5 Millionen Euro auf voraussichtlich 4,7 Millionen Euro.

Griff in die Rücklagen

Als städtische Tochter erhält Esslingen live stets einen Verlustausgleich von der Stadt. Für 2021 ist dieser jedoch auf rund 3,5 Millionen Euro begrenzt. Was darüber hinaus geht, will die Gesellschaft aus ihrer Kapitalrücklage entnehmen. An sich sei es nichts Ungewöhnliches, dass man in die Rücklagen greife, sagt Johannes Schneiderhan. „Aber wir haben jetzt durchaus eine Sondersituation“, räumt der Geschäftsführer von Esslingen live ein. Denn pandemiebedingt müsse man neben den Ausgaben für Reparaturen zusätzlich mit wegbrechenden Umsätzen umgehen.

800 000 Euro fehlen aus Pachteinnahmen des Hotels

Darüber hinaus hat der Leerstand des Hotels Park Consul die Bilanz belastet. Allein die sogenannten Leerstandskosten schlugen mit 25 000 Euro im Monat zu Buche. Zudem wurde keine Pacht eingenommen – diese war inklusive Betriebskosten im Wirtschaftsplan für 2021 mit knapp 800 000 Euro veranschlagt gewesen.

Tiefgarage muss saniert werden

Daher habe ein Großteil der Instandhaltungsrücklage, die in den vergangenen Jahren aufgebaut wurde, für den Betrieb und den Pachtausgleich des leer stehenden Hotels eingesetzt werden müssen, heißt es im aktuellen Wirtschaftsplan. Deshalb sind in diesem für 2022 Kreditaufnahmen in Höhe von 900 000 Euro vorgesehen, um notwendige Instandhaltungen tätigen zu können. Unter anderem müssen die Tiefgarage sowie Brandschutz- und Sicherheitseinrichtungen im Neckar Forum saniert werden.

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Zumindest im Hinblick auf das Hotel dürfte sich die Lage in diesem Jahr ändern: In der kommenden Sitzungsrunde wolle man dem Gemeinderat einen Vergabevorschlag für einen neuen Pächter machen, sagt Johannes Schneiderhan. Wie viele Bewerber man dabei zur Auswahl stelle, sei noch unklar. Nur so viel: „Wir haben eine wirklich gute Bewerberlage“, betont der Geschäftsführer. Wann das Hotel dann wieder öffne, sei vom künftigen Pächter abhängig und was dieser im Vorfeld noch richten wolle. Aber eine Betriebsaufnahme im Sommer sei aus seiner Sicht durchaus realistisch.

Dynamische Lage auf Veranstaltungsmarkt

Was die Lage auf dem Veranstaltungsmarkt angeht, ist hingegen kaum etwas absehbar. „Die Lage ist aktuell wieder sehr dynamisch, es ist wieder einmal nicht klar, wie es weitergeht“, sagt Schneiderhan. Und selbst wenn bestimmte Veranstaltungen prinzipiell erlaubt wären, stelle sich die Frage, ob die Organisatoren sie momentan überhaupt durchführen wollten. Der Geschäftsführer von Esslingen live bleibt dennoch gelassen: Der Januar sei ohnehin kein starker Veranstaltungsmonat und einige Kultur-Events seien noch nicht abgesagt worden. Auch für die Zukunft ist er zuversichtlich: „Wir werden wieder in den Normalbetrieb zurückkehren, sobald das möglich ist“, versichert er.

Events in vier verschiedenen Lokalitäten

Gesellschaft
Esslingen live ist eine städtische Tochtergesellschaft, die verschiedene Veranstaltungsräume vermietet und den Organisatoren bei Bedarf auch beratend zur Seite steht. Vor Corona betreute die Gesellschaft jährlich rund 800 Events mit insgesamt etwa 140 000 Gästen.

Räume
Die Veranstaltungsgesellschaft Esslingen live vermietet Räume in vier verschiedenen Lokalitäten. Das Neckar Forum wird gern für größere Veranstaltungen wie Tagungen oder Kulturveranstaltungen angemietet. Im Alten Rathaus finden viele kommunalpolitische Sitzungen, aber auch Feiern und Zeremonien statt. Die Osterfeldhalle in Berkheim sowie der Dicke Turm auf der Esslinger Burg sind auch für private Feste beliebt.