Ralf Trettner verabschiedet sich mit Trommelschlägen. Foto: Werner Kuhnle

Ralf Trettner verlässt die Politbühne seiner Kommune und gibt mit 52 Jahren den Staffelstab an Sabrina Lee ab. Zur Verabschiedung waren zahlreiche Gäste erschienen.

Es war wohl zu erwarten: Beim Rückblick auf 24 Jahre erfolgreiche Amtszeit musste die feierliche Verabschiedung des Pleidelsheimer Bürgermeisters Ralf Trettner einem wahren Rede-Marathon standhalten.

Für den Geehrten möglicherweise eine seelische Tortur, stehe er doch gar nicht gern im Mittelpunkt, wie mehrfach von den Rednern des Abends zu hören war. Doch zum Schluss stand ein strahlender Gemeindechef vor seinem Publikum, dem er gerührt und beseelt dankte und das ihn zum letzten Mal mit Standing Ovations ehrte. Für die musikalische Auflockerung sorgte die Jugendmusikschule Freiberg-Pleidelsheim, die mit stimmungsvollen wie schmissigen Einlagen temperamentvolle Akzente setzte. Zum Rhythmus etwa von „Tanze Samba mit mir“, lief auch Ralf Trettner mit schlagendem Tambourin hinter der Trommelgruppe in den Saal ein.

Verabschiedung nach drei vollen Amtszeiten

Zwischen Anfang und Ende der Veranstaltung zeichneten vier Redner und eine Rednerin ausführlich das bunte Mosaik eines echt schwäbischen Schultes, der menschliches Original, ambitionierter Gemeindevater und straff führender Chef zugleich war. Verblüffend die Deckungsgleichheit, die in Bezug auf Trettners Charakterisierung, die allen sechs Laudatoren zu eigen war. Da machte zunächst Timo Günther, Trettners Stellvertreter, die Verwunderung vieler Gemeindemitglieder deutlich: „Warum denn des? Der isch doch gar net so alt?“ Tatsache ist, der scheidende Bürgermeister nimmt mit 52 Jahren seinen Hut, hat aber drei volle, teils bewegende Amtszeiten hinter sich gebracht. Mit 28 Jahren wurde er im Jahr 2001 gewählt: erst beim zweiten Anlauf. Wenige Jahre zuvor scheiterte er an einem Gegenkandidaten.

Landrat Dietmar Allgaier, Bürgermeister Ralf Trettner und sein Stellvertreter Timo Günther (von links). Foto: Werner Kuhnle

Durchhaltevermögen und Biss

Auch dieser Sachverhalt kennzeichne seine Person, wie in Folge mehrfach zu hören war. Denn Ralf Trettner –Sportler durch und durch – weiß sich bei Gegenwind durchzubeißen. Der erfolgreiche Mittelstreckenläufer, Rennradler und Tischtennisbegeisterte zeige in entscheidenden Momenten Durchhaltevermögen und Biss. Eigenschaften, die ihm nützten, als er die finanziell in Schieflage geratene Gemeinde übernahm. Günther, wie kurz darauf auch Landrat Dietmar Allgaier, rühmten gleichermaßen die unkonventionelle Persönlichkeit Trettners, die stets mit gutem Beispiel vorangegangen sei, wie auch seinen überdurchschnittlichen Einsatz.

Ein Herz für das Ehrenamt

Sein Herz habe besonders auch für das Ehrenamt geschlagen. „Trettner hat stets für seine Gemeinde gekämpft und obendrein für eine gelungene Integration geflüchteter Menschen im Ort gesorgt“. Günther attestierte seinem scheidenden Chef „eine pragmatische, unkomplizierte, ja fast schon hemdsärmelige Führungsnatur, die sich nicht davor scheut, selbst anzupacken“. Lebhaftes Gelächter erschallte in der Sporthalle, als er Trettner vorhielt, mit Lob eher sparsam umzugehen. „Doch wenn er Anerkennung äußerst, ist es absolut ehrlich!“

Mit betont launigen Worten ehrte Landrat Dietmar Allgaier den „im Landkreis stark verwurzelten“ Schultes, der sein Amt nie als Job, sondern als Lebensaufgabe angesehen habe als „Pleidelsheimer Konstante“: Drei Feuerwehrkommandanten, sieben Pfarrer und fünf Hauptamtsleiter habe er überdauert. „Mit seinem Stil hat er dem Ort ein Gesicht gegeben. Trettner ist ein Bürgermeister mit Profil“.