Die Infotafeln der KZ-Gedenkstätte werden immer wieder zur Zielscheibe. Jetzt scheint der Vandalismus völlig außer Kontrolle. Innerhalb von zwei Wochen wird eine Infotafel zweimal zerstört – der Staatsschutz ermittelt.
Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen ist die Informationstafel der KZ-Gedenkstätte Vaihingen Ziel mutwilliger Zerstörung geworden. Bereits Mitte Februar hatten Unbekannte die Tafel demoliert, jetzt wurde sie erneut in Einzelteilen aufgefunden. Der Verein KZ-Gedenkstätte Vaihingen befürchtet ein politisches Motiv, auch der Staatsschutz ermittelt.
Vergangenen Donnerstag entdeckten Mitarbeiter des Bauhofs die Überreste der Tafel und sammelten die Trümmer ein, berichtet Sabine Harms vom Gedenkstättenverein. „Wir sind entsetzt und sprachlos“, sagt sie. Der Vorfall weckt Erinnerungen an Mitte Februar, als die Infotafel bereits einmal in Stücke geschlagen wurde und unweit des Vaihinger Bahnhofs auf einem Acker lag.
Verdacht auf politisch motivierte Tat
In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Schmierereien an der Tafel, doch eine derart massive Zerstörung – und das gleich zweimal in kurzer Zeit – sei beispiellos, so Harms weiter. „Es ist schwer zu beurteilen, aber wir befürchten, dass hinter den Taten eine politische Gesinnung steckt.“ Das Polizeirevier Ludwigsburg bestätigt, dass der Staatsschutz die Ermittlungen aufgenommen hat. Es bestehe der Verdacht auf eine politisch motivierte Straftat.
Seit 1990 setzt sich der Verein KZ-Gedenkstätte Vaihingen für das Erinnern an die Verbrechen der NS-Zeit ein. Auf dem Gelände des ehemaligen Lagers wurde 2005 eine Gedenkstätte errichtet, die jährlich von rund 2000 Einzelbesuchern sowie mehr als 60 Gruppen – überwiegend Schulklassen – besucht wird. Die nun zerstörte Infotafel befand sich an einem Radweg, genau an jener Stelle, an der während des Dritten Reiches Häftlinge aus den Zügen stiegen und ins Lager gebracht wurden.