Die DLRG war mit einem Großaufgebot im Einsatz. Taucher konnten den 33-Jährigen aber nur noch tot bergen. Foto: Sandrock Quelle: Unbekannt

Von Philip Sandrock

Tragisches Ende eines Badeausflugs am Neckar: Gestern Nachmittag ertrank auf Höhe des Ruderclubs ein 33-jähriger Tunesier beim Schwimmen im Fluss. DLRG und Feuerwehr waren mit einem Großaufgebot im Einsatz. Die Rettungstaucher konnten den Mann nur noch tot bergen.

Es sollte ein entspannter Sommernachmittag werden. Eine Gruppe Flüchtlinge wollte sich bei dem schönen Wetter im Neckar abkühlen. Doch der Badeausflug endete für einen 33-Jährigen tragisch. In der Nähe des Ruderclubs in der Wörthstraße sprang er nach Zeugenangaben in den Neckar und schwamm los. Einem Polizeisprecher zufolge soll der 33-Jährige ein guter Schwimmer gewesen sein. Auch ist das Baden an dieser Stelle erlaubt. Die Freunde des Mannes hätten noch beobachten können, wie der Mann vom Bootssteg in Richtung des anderen Ufers schwamm, so die Polizei. Danach verloren ihn seine Begleiter aus den Augen.

Als er eine Weile später nicht mehr zu seiner Gruppe zurückkam, wurden seine Bekannten aufmerksam und begannen eigenständig mit der Suche - vergeblich. Erst rund 40 Minuten nach seinem Sprung ins Wasser wurden deshalb die Rettungskräfte alarmiert, die mit einem Großaufgebot ausrückten. Die Nürtinger Feuerwehr und der Wasserrettungsdienst der DLRG waren mit jeweils rund 20 Rettern vor Ort. Vier Boote und zwei Taucher machten sich auf die Suche nach dem Vermissten. Außerdem wurde die Tauchabteilung der Stuttgarter Berufsfeuerwehr alarmiert.

Doch der Einsatz endete schon, bevor die Taucher aus der Landeshauptstadt überhaupt vor Ort waren: Die DLRG-Taucher brauchten nur wenige Minuten, bis sie den Vermissten entdeckt und damit die traurige Gewissheit hatten, dass jede Hilfe zu spät kam. Die Notärztin konnte nur noch den Tod des 33-Jährigen feststellen, der in einer Flüchtlingsunterkunft in Weilheim wohnte. Nach Angaben eines Sprechers der Polizei Reutlingen war er nur mit einer kurzen Hose bekleidet, die er sich offenbar von Bekannten geliehen hatte. Die Kriminalpolizei hat am Nachmittag weiter nach der Ursache für das Unglück gesucht. „Es gibt keinen Hinweis auf Fremdverschulden“, so ein Polizeisprecher auf Anfrage. Ob der Mann gesundheitliche Probleme hatte, stand ebenfalls noch nicht fest.

Das Ufer vor dem Ruderclub-Bootshaus ist eine beliebte Badestelle“, sagte DLRG-Einsatzleiter Stefan Häfele. Das Wasser sei auch nicht besonders gefährlich gewesen an diesem Tag. Der Neckar sei ruhig und es habe kaum Strömung gegeben. Es sei nach wie vor sehr beliebt im Neckar zu baden, so Häfele. Im Gegensatz zu dem ruhigen Teil zwischen Bootshaus und Melchior-Areal seien manche Stellen am Neckarufer aber besonders tückisch. Vor allem zwischen Steinachmündung und Wehr sei es gefährlich - hier können, wie an jeder Flussmündung, gefährliche Strömungen und Unterspülungen Badegäste überraschen. An solchen Stellen sollte man mit äußerster Vorsicht baden.

Häfele rät außerdem dazu, sich vor dem Baden kundig zu machen „Man sollte sich darüber informieren, ob das Baden erlaubt ist oder ob es gefährliche Strömungen oder andere Gefahren gibt.“ Außerdem sollte man sich nur als erfahrener Schwimmer in den Fluss wagen - auch wenn die Strömung gering ist.

Die Frage, warum die Gruppe so lange selbst suchte, statt die Rettungskräfte zu alarmieren, kann auch Häfele nicht beantworten. „In einem solchen Fall gilt: So schnell wie möglich die Retter alarmieren“, sagt der Einsatzleiter. Möglicherweise habe es an der Sprachbarriere gelegen - die Männer können nur arabisch. Etwa zehn bis 15 Minuten dauere es, bis die DLRG-Retter vor Ort seien. Bei einem Vermissten in einem Gewässer zähle jede Minute. „Schon drei Minuten ohne Luft können tödlich enden“, weiß Stefan Häfele. Es habe aber auch schon Fälle gegeben, da habe man Menschen nach 30 Minuten lebend aus dem Wasser gerettet. Dieses Glück hatten die ehrenamtlichen Helfer der DLRG und der Feuerwehr in Nürtingen leider nicht.

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