Seit acht Jahren ist Tatjana Fuchs Chefin im Wirtshaus zum Bock in Neuhausen. In dem Traditionslokal bietet sie schwäbische Küche und eine besondere Atmosphäre.
Rindsrouladen gibt es bei Tatjana Fuchs im Wirtshaus zum Bock in Neuhausen mit Spätzle und Kartoffelsalat. „Beides zusammen, das mögen die Schwaben halt“, sagt die Küchenchefin und lacht. Auch saure Nierle, saure Kutteln, Maultaschen und Fleischküchle hat die Köchin auf der Karte in dem urigen Lokal in der Kirchstraße.
Mit kunstvoll gestalteten Holzbalken und kleinen, abgetrennten Räumen erinnert der Bock an eine Weinstube. Im Sommer sitzen viele Gäste draußen hinter dem Haus. Dieser Bereich lässt sich im Winter auch überdachen. „Die ersten Gäste sitzen schon wieder im Freien“, sagt Fuchs. Mit Heizstrahlern ist es auch jetzt schon wieder warm genug. Für viele Vereine und Familien ist der Bock eine zweite Heimat.
Im Lokal in Neuhausen essen wie bei Mutter
Ganz einfach seien die Gäste in der katholisch geprägten Fildergemeinde nicht zu überzeugen. Doch mit ihrer schwäbischen Küche, die bei vielen Erinnerungen an das Essen der eigenen Mutter oder Großmutter weckt, hat die gebürtige Slowenin viele Stammgäste gewonnen. Nicht nur an der Fasnet herrscht in dem urigen Lokal Hochbetrieb. „Dieses rege Vereinsleben ist großartig“, findet Tatjana Fuchs. Wenn sich am Rosenmontag die Schlampenkapelle des Musikvereins in die Gasträume drängt, gibt es Freibier und Sprudel aufs Haus. Dass Tatjana Fuchs und ihr Team einen guten Draht zu den Narren und vielen anderen Vereinen haben, spürt man. Am Aschermittwoch hat das Kuttelessen Tradition.
Wie kam die 59-Jährige, die mit ihrer Familie im Esslinger Stadtteil Krummenacker lebt, in die Gastronomie? In ihrem Heimatland Slowenien habe sie im Service angefangen. Kochen sei aber immer ihre Leidenschaft gewesen. An der Landesberufsschule für das Hotel- und Gaststättengewerbe in Bad Überkingen macht sie eine Ausbildung zur Köchin und legte ihre Prüfungen ab. In den ersten Berufsjahren arbeitete sie in der Krone in Kemnat. Bei ihrem damaligen Chef Richard Schäfer habe sie viel über die schwäbische Küche gelernt, blickt Fuchs dankbar zurück.
In „Kielmeyers Besen“ hat sie Führungserfahrung gesammelt
Einige Jahre hat sie in Kielmeyers Besen am Esslinger Marktplatz in der Küche Führungserfahrung gesammelt. Das hat die erfahrene Köchin ganz neu herausgefordert. Menschen zu motivieren und die Abläufe zu organisieren, das liegt ihr. Als sich dann die Chance ergab, das Wirtshaus zum Bock in Neuhausen zu übernehmen, habe sie nicht lange überlegt. Einige Zeit arbeitete sie da als Angestellte, vor acht Jahren pachtete sie das Lokal in Eigenregie. 15 Angestellte gehören zu ihrem Team. Viele ihrer Kollegen klagen über den Fachkräftemangel. Deshalb ist Fuchs glücklich, dass ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so begeistert bei der Sache sind: „Auf alle kann ich mich einfach verlassen.“
Wichtig ist der Köchin die Qualität der Produkte, die sie verarbeitet. „Bei uns muss alles frisch sein.“ Deshalb setzt sie auf Produkte aus der Region. Fleisch bezieht sie von einer Metzgerei aus Köngen, das Gemüse kommt von einem Landwirt. Morgens und nachmittags steht sie in der Küche, bereitet Maultaschen und Fleischküchle vor. Für Gäste, die sich nicht entscheiden können, gibt es zum Beispiel den Bock-Teller. Eine Maultasche, ein Fleischküchle und ein Schnitzel werden mit Kartoffel-Gurken-Salat serviert. Drei Schweinefilets mit Pfeffersößle, hausgemachte Spätzle und Gemüse machen den Neuhäuser Teller zum Genuss.
„Immer mehr Gäste essen inzwischen vegetarisch. Darauf stellen wir uns auch in der schwäbischen Küche ein.“
Tatjana Fuchs, Gastwirtin
„Immer mehr Gäste essen vegetarisch, darauf stellen wir uns natürlich auch ein“, sagt die Küchenchefin. Neben dem Klassiker Käsespätzle mit Röstzwiebeln und Salat gibt es Tiroler Schlutzkrapfen – das sind Teigtaschen mit Ricotta-Spinatfüllung, geschwenkt in Salbeibutter und mit Grilltomate, fein bestreut mit Parmesanspänen. Weil ihr die Bratkartoffeln immer so knusprig und fein gewürzt gelingen, steht dieses einfache Essen mit einem Spiegelei und Salat auf der Karte. Auf Regionales setzt sie auch bei den Getränken. Baisinger Bier, Weine von den Esslinger Weingärtnern und vom Collegium Wirtemberg und Kessler-Sekt sind in der Gaststätte beliebt. Eine kleine Auswahl vom italienischen und französischen Wein hält sie bereit.
Neben der Karte lässt sich das Küchenteam wechselnde Gerichte einfallen. Ein Klassiker wie Sauerbraten kommt da ebenso gut an wie saisonale Gerichte. Spargel im Frühjahr, Pilze im Herbst und in der kalten Jahreszeit Gans. „Abwechslung mögen die Gäste“, sagt Tatjana Fuchs. Gibt es auch mal ein Gericht aus ihrer Heimat Slowenien? „Ich will mich auf die schwäbische Küche konzentrieren.“ Daheim macht sie sich aber schon mal Zwetschgenknödel oder Topfenpalatschinken – also mit Quark gefüllte Pfannkuchen – die in Slowenien beliebt sind.
Ein Haus mit Geschichte
Traditionslokal
Der Musiker Karl Josef Schmid wollte 1864 in seinem Haus in der Kirchstraße 16 eine Gaststätte betreiben, wie die Gemeinschaft für Heimatgeschichte auf ihrer Homepage schreibt. Aber erst 1870 erhielt er die Erlaubnis – er gab dem Lokal den Namen Bock. 1901 erwarb der Metzger Christian Stoll das Anwesen und erweiterte es durch eine Metzgerei. Sein Sohn Albert Stoll baute das Geschäft aus.
Öffnungszeiten
Dienstags bis samstags hat das Wirtshaus zum Bock von 17.30 bis 22 Uhr geöffnet; sonn- und feiertags von 11.30 bis 21 Uhr. Montags ist Ruhetag. Reservierung wird empfohlen, da die Plätze im Lokal oft ausgebucht sind. Das geht im Bock nur telefonisch: 0 71 58 / 9 84 08 36. Weitere Informationen: www.gaststüble-zum-bock.de