Der Weihnachtsmann in rot-weißer Verkleidung. Foto: Xelissa - stock.adobe.com/Adobe Stock

Nie war es komplizierter, ein Mann zu sein, als dieser Tage. Doch was erwartet die Gesellschaft von ihm? Die Antwort: Sei untoxisch wie der Weihnachtsmann!

Stuttgart - Von wegen alter, weißer Mann: Der Weihnachtsmann ist ein Traummann mit Zukunftspotenzial. Wir sagen, warum das so ist.

Ein Herz für Geschenke

Es soll ja noch gläubige Christen geben, die sich an diesem Weihnachtsmann als Symbolfigur des kommerziellen Weihnachtsfestes reiben. Tatsächlich ist das weithin sichtbare Outfit mit rotem Mantel und weißem Pelzbesatz eine zuckrige Erfindung des Limonadenherstellers Coca-Cola. Eine Werbefigur, mehr nicht. Nix schenken ist aber auch keine Lösung, vor allem nicht für gute Väter, Ehemänner und Liebhaber. Großzügigkeit toppt Konsumkritik! Also: Geschenke packen und Säcke über die Schulter.

Symbolträchtiger Sack

Bei all dem Spiel mit den Geschlechterklischees steht am Ende doch die Forderung im Raum, dass ein Mann manchmal seinen Mann stehen sollte, um die Schöpfung zu bewahren. Das gilt auch für den Typen in Rot. Sein Doppelrohrauspuff ist der Geschenke-Sack. Oder wie es ein geschätzter Kollege der „Süddeutschen Zeitung“ in einer Stilkritik so treffend formuliert hat: „Der überdimensionale Sack muss sich als Fruchtbarkeitssymbol hinter keiner steinzeitlichen Venusdarstellung verstecken.“

Alte Stiefel

Wir gehen davon aus, dass der politisch korrekte Weihnachtsmann idealerweise wie fast jeder sensible Mann im Sommer vegane Flipflops trägt und im Winter grobe Boots. Ob diese aus nachhaltigem Material und unter fairen Bedingungen hergestellt worden sind, weiß keiner. Die Schuhe sehen allerdings auf allen Abbildungen Jahrtausende Jahre alt aus, also schäbig und zerlatscht, was heute cool ist. Secondhand ist der Megatrend der Zukunft – und Männer in teuren Maßschuhen sind nicht mehr vermittelbar.

Fetisch Bommelmütze

Im Internet gibt’s ja alles und noch viel mehr. Frauen zum Beispiel, die sich auf einschlägigen Webseiten zur Santaphilie bekennen, zur Besessenheit mit dem Weihnachtsmann. Dabei ist auffallend oft die Rede von roten Mützen mit weißen Bommeln. Selbst strippende Männerensembles ziehen alles aus, nur die Mützen nicht. Muss man nicht verstehen. Doch vielleicht sollte man als mittelalter Mann weniger über Haartransplantationen nachdenken als über den Kauf einer Reizwäsche mit Bommel.

Seriöser Gesichtspullover

Fette Hipsterbärte sind schon länger aus der Mode, auch weil sie Studien zufolge mehr Bakterien beherbergen als Hundefell und – sofern das Barthaar dunkel ist – eine Verwechslungsgefahr mit religiösen Fanatikern besteht. Wer dennoch bei potenziellen Sexualpartnern oder Polizeistreifen mit Bart punkten will, sollte sich einen Gesichtspullover wie Santa Claus zulegen. Das Weiß strahlt sauber – und wirkt seriös. Zum Beweis: Hollywoodbeau George Clooney trägt nun auch einen silbernen Vollbart spazieren.

Plüschige Säume

Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass Männerkleidung schlicht und praktisch sein muss. Blödsinn. Die angesagtesten Designer setzen immer mehr feminine Akzente in der Männermode. Sie spiegeln damit einen Wandel des Männerbilds wider, der spätestens seit #metoo in allen Bereichen des Lebens Einzug hält. Folglich sind jene Männer die Zierde ihres Geschlecht, die auch mal zur Schluppenbluse greifen oder – wie der Weihnachtmann – mit weißen Plüschsäumen am Ärmel kein Problem haben.

Ganz in Rot

Die erotische Anziehungskraft des Weihnachtsmanns erschließt sich sofort: Rot ist die am stärksten sexuell aufgeladene Farbe. Anders als viele andere Männer in ihren stein- bis mausgrauen Businessanzügen signalisiert der Weihnachtsmann mit dem ochsenblutroten Kurzmantel und den Hosen Virilität und Herzenswärme. Eigenschaften, die viele Frauen an ihren Lebensabschnittspartnern vermissen. Und falls der Mann auch was Rotes im Kleiderschrank hängen hat, kann seine Frau mal die Klamotten tauschen.