Foto: John Walton/PA Wire/dpa - John Walton/PA Wire/dpa

ANZEIGEWegen des schlechten Abschneidens des deutschen Nationalteams wird in den letzten Monaten auch vermehrt über die Nachwuchsförderung in Deutschland gesprochen. Der von Löw postulierte Neuanfang hat bereits begonnen. Im Spiel gegen die Niederlande standen unzählige Spieler auf dem Platz, die auch noch für die U21 spielen könnten. Als diese einen Tag später in England antrat, um sich mit deren U21 zu messen, war es nur klar, dass die Nachwuchsprogramme der Nationen auf dem Prüfstand standen und verglichen wurden. Dabei wurde deutlich, dass es noch immer große Unterschiede gibt.

Die jungen englischen Talente kommen in der Premier League nur sehr selten zum Zug. Die besten Talente müssen sich bei den größten Vereinen der Liga gegen internationale Topstars durchsetzen und kommen deswegen nicht auf sehr viel Einsatzzeit. Meisten werden die Talente in den Jugendteams der Mannschaften eingesetzt und spielen somit nur gegen Gegner gleichen Alters. Hier kommen die Spieler zwar regelmäßig zum Einsatz, allerdings nicht gegen Gegner, die auf höchsten europäischem Niveau. In Deutschland ist dies anders. Es wird meist schon früh auf Talente in den Profimannschaften gesetzt. So kommen in der Bundesliga jeden Spieltag unzählige Spieler zum Einsatz, die auch noch in den Nachwuchsmannschaften spielen könnten.

Ein gutes Beispiel für die aktuelle Situation in England und Deutschland ist der Deutsch-Marokkaner Abdelhamid Sabiri. Er steht bei Huddersfield Town in England unter Vertrag, kommt dort aber nur selten zum Zug und hat im Vergleich zu seinen Kollegen in der U21 diese Saison relativ wenig gespielt. Ihm gegenüber steht das Beispiel Jadon Sancho. Das 19-jährige englische Offensivtalent wechselte im Sommer 2017 mit gerade einmal 17 Jahren von der Insel nach Dortmund. Er schaffte es nicht, sich in seinen jungen Jahren gegen die hochklassige Konkurrenz bei Manchester City durchzusetzen, und wechselte daraufhin für etwa acht Millionen Euro zu Borussia Dortmund. Der sehr hohe Preis für einen 17-Jährigen war aber durchaus gerechtfertigt. Bei Dortmund kam er schon in der Rückrunde seiner ersten Saison regelmäßig zum Einsatz. In seiner zweiten Saison ist er nun zu einem Star der Liga gereift und ist jetzt schon ein fester Bestandteil des Teams. In Wettbewerb übergreifend 35 Einsätzen kommt er auf 9 Tore und 17 Vorlagen.

Das Beispiel Sancho zeigt deutlich, dass Deutschland der richtige Ort für Nachwuchsspieler ist, um sich zu entwickeln. Seine Einsatzzeit ist höher als die der englischen Talente Phil Foden, Callum Hudson-Odoi und Kyle Walker-Peters zusammen. Sanchos Kollegen sehen gerade, wie hilfreich eine Zeit in der Bundesliga für die Entwicklung sein kann. Sancho, der sich bei ManCity nicht durchsetzten konnte, ist gerade eines der gefragtesten Talente in Europa und kann sich, wenn die Zeit für einen Wechsel gekommen ist, einen der Topclubs aussuchen. Sein Marktwert liegt aktuell bei 80 Millionen Euro. Andere Spieler werden seinem Beispiel folgen und dabei hoffen, sich für größere Aufgaben zu empfehlen. Aktuell wird über einen Wechsel von Callum Hudson-Odoi nach München spekuliert. Diese Verbindung ist wahrscheinlich nur wegen des großen Erfolges von Sancho zustande gekommen.

Natürlich haben beide Nationen ihre Vor- und Nachteile in der Jugendarbeit. Da die meisten Teams der Bundesliga aber mit deutlich geringerem Budget arbeiten, kommen in Deutschland die Jungspieler viel mehr zum Einsatz. Hier können sie auf sich aufmerksam machen und ihrer Karriere einen deutlichen Schub verleihen. So ist davon auszugehen, dass immer mehr Talente von der Insel dem Beispiel Sancho folgen und ihm Teenageralter nach Deutschland wechseln, um sich auf höchsten Niveau zu beweisen.

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