Die Umgehungsstraße samt neuer Neckarbrücke wird Ende September endlich in Bennningen (Kreis Ludwigsburg) eröffnet – bis dahin ging viel Zeit ins Land. Ein Blick zurück offenbart die Gründe.
Was lange währt, wird endlich gut. So abgedroschen der Spruch ist – im Falle der Benninger Umgehungsstraße passt er wie kein zweiter. Vier Jahrzehnte zogen ins Land von den ersten Ideen bis zur Eröffnung des Bauwerks samt Neckarbrücke, die Ende September stattfinden wird. Und auch die Bauzeit selbst lässt aufhorchen, denn seit dem Spatenstich sind siebeneinhalb Jahre ins Land gezogen. Das alles hat Gründe – ein Rückblick:
1980er Jahre In Benningen beschäftigt man sich mit Ortsumgehungen und führt Zählungen durch.
1990er Jahre Ein Verkehrsentwicklungsplan wird aufgestellt und mit der Bürgerschaft diskutiert. Es gibt einen nur für Benningen geltenden freiwilligen verkehrsfreien Feiertag: Am Buß- und Bettag 1992 werden die Bürger gebeten, das Auto zuhause zu lassen. „Man sah fast keine Fahrzeugbewegungen im Ort. Alle kamen zu Fuß zur Veranstaltung ins Bürgerhaus“, erinnert sich Peter Haaf, der damalige Benninger Bürgermeister. Weitere Untersuchungen und Erörterungen folgen, am 24. April 1998 nimmt das Ministeriums für Umwelt und Verkehr Baden-Württemberg schließlich mit, die Umgehung Benningen in den Bebauungsplanung aufzunehmen: „Diese Mitteilung ist die Geburtsurkunde der Umgehungsstraße und der neuen Neckarbrücke“, so Peter Haaf.
2000er-Jahre Haafs Nachfolger, der heutige Benninger Bürgermeister Klaus Warthon treibt das Projekt weiter. Der Bebauungsplan tritt 2002 in Kraft. „Da hatten wir dann gehofft und gewünscht, dass das Land die Umgehung angeht.“ Allerdings: Die Benninger hatten gleich zweimal Pech. Bei einem ersten Förderprogramm rutschte das Projekt durch, weil es ein bisschen zu günstig war, ein paar Jahre später gab es keine Förderung, weil es ein bisschen zu teuer war.
Frühe 2010er Jahre 2011, nach dem Regierungswechsel im Land, wird der Generalverkehrsplan von 750 Projekten auf 130 zusammengestrichen. Benningen hat Glück und bleibt drin – auch beim weiteren Aussieben auf zunächst 20 und dann nur noch vier Vorhaben. Es liegt an der Kürze der Strecke und am weit fortgeschrittenen Planungsstand, so Warthon.
Mai 2014 Der Verkehrsminister Winfried Hermann schaut in Benningen vorbei. „Er will sich einfach einen Überblick über die Situation vor Ort machen“, denkt sich der Bürgermeister und schnappt nach Luft, als er sieht, was Hermann ins Goldene Buch der Gemeinde schreibt: Der Baubeginn ist auf 2015 terminiert. „Ich dachte, mir fallen die Augen aus dem Kopf“, blickt Warthon an den glücklichen und überraschenden Moment zurück.
Juni 2015 Das Land hält Wort. Der erste Spatenstich wird gefeiert. Und es wird auch gleich das kleine Brückenstück an einem Feldweg gebaut, das dann ziemlich lange ziemlich allein in der Landschaft herumstand. Mehrere Faktoren bremsten den Weiterbau aus, unter anderem deutlich veränderte Rahmenbedingungen seit 2002, etwa im Naturschutz und im Brückenbau.
September 2018 Die Grundstücksverhandlungen sind abgeschlossen, der Weg für Brücke und Umgehungsstraße ist frei.
Juni 2020 Spektakulärer Meilenstein beim Bau: Per Schwimmkran ist das letzte noch fehlende Mittelstück der neuen Benninger Neckarbrücke eingesetzt worden.
September 2022 Ende des Monats wird die Benninger Ortsumgehung eingeweiht. Die Freude beim Bürgermeister Klaus Warthon ist groß. „Wir sind vor zig Jahren losgelaufen. Ein Marathon. Nun sind wir am Ziel.“ Viele andere Kommunen hätten auf ihrem Weg zu einer Umgehung unterwegs stehenbleiben müssen.
Neue Planung nötig
Die Kosten
Bei den ersten Überlegungen war man von einer Summe von rund 15 Millionen Mark ausgegangen, informiert Klaus Warthon. Abschließen wird das Land, das Bauherr ist, das Projekt nun mit rund 24 Millionen Euro. Die Gründe für die enormen Mehrkosten liegen auf der Hand: die Inflation und die Bauvorschriften. Die Brücke musste zum Beispiel komplett umgeplant werden, um den aktuellen Sicherheitsvorgaben zu entsprechen.
Einweihung
Die Umgehungsstraße wird am Freitag, 30. September, offiziell eingeweiht. Weil das mit einem Fest auf der Straße gefeiert wird, kann der Autoverkehr aber erst im Laufe des Wochenendes fließen.