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Man drückt den Power-Button des Computers und alles scheint normal. Doch plötzlich klackert, klickt oder schleift es irgendwo. Schnell ist klar: Irgendetwas stimmt mit der Festplatte nicht. Noch zügiger erfolgt die Selbstdiagnose, wenn weitere Probleme auftreten - z.B. Dateien nicht geöffnet werden können oder der Computer erst gar nicht mehr hochfährt.

Oberste Devise: Ruhe bewahren

Fragt man professionelle Datenretter wie Lars Müller von Recoverylab, sollten Betroffene zuerst einmal Ruhe bewahren und keine falschen Entscheidungen treffen. Insbesondere bei komischen Geräuschen liegt die Vermutung nahe, dass es sich um einen mechanischen Defekt an der Festplatte handelt. Die Ursache für einen solchen Schaden ist für den Laien jedoch nicht direkt erkenntlich. So könnten beispielsweise Überspannung, elektrostatische Entladung, Materialverschleiß oder eine Erschütterung des internen bzw. externen Datenträgers Schuld an den komischen Geräuschen sein.

Statt in Panik zu geraten und aus Angst vor Datenverlust wie wild zu versuchen, erneut auf die Festplatte zuzugreifen, sollte man das Gerät hart ausschalten und vom Stromnetz nehmen. Müller erklärt: “Erneute Schreib- und Lesezugriffe können mehr Schaden anrichten als Nutzen. Auch die Verwendung herkömmlicher Recovery-Tools aus dem Internet ist deshalb nicht zu empfehlen.”

Keine Angst vor Datenverlust

Wer die Tipps befolgt, braucht sich in den meisten Fällen keine Sorgen um seine Dateien zu machen. “Fast immer können wir scheinbar verloren gegangene Daten retten”, sagt der Datenretter, der auch eine Datenträger-Abgabestelle in Stuttgart unterhält. Müller und sein Team verwenden dabei spezielle, teils individuell programmierte Software, die sensible Festplattenbereiche überspringen kann und damit Bauteile schont. Gratis-Tools aus dem Netz könne so etwas nicht.

Falls notwendig, werden zuvor defekte Bauteile ersetzt und die defekte Festplatte so wieder instand gesetzt. “Eine weitere Nutzung des Datenträgers nach der Datenrettung empfehlen wir nicht. Erneuter Datenverlust wäre so fast vorprogrammiert”, sagt Müller.

Festplatte selber reparieren?

Wer fotografische Erinnerungen, Lieblingsmusik in Form von MP3s oder gar wichtige Dokumente in Eigenregie wiederherstellen will, macht die Sache häufig nur schlimmer. “Wir haben hier in den vergangenen Jahren alles mögliche erlebt”, erklärt Müller. “Teilweise haben Leute Festplatten mit einem herkömmlichen Schraubenzieher geöffnet und dabei sensible Bauteile beschädigt”.

In einem professionellen Datenrettungslabor herrschen hingegen andere Bedingungen als zu Hause. Zum einen nutzen Datenretter spezielles Werkzeug, zum anderen werden Datenträger ausschließlich in einem sogenannten Reinraum geöffnet. Dort wird gewährleistet, das nicht mal winzigste Staubpartikel weiteren Schaden am Schreib- / Lesekopf und der Magnetscheibe einer HDD anrichten können.

Info: Festplatte nicht gleich Festplatte

Klackernde, klickende oder anderweitige komische Geräusche kommen in der Regel bei HDD Festplatten mit beweglichen Bauteilen vor. Die Abkürzung HDD steht für Hard-Disk-Drive. Eine SSD Festplatte (SSD = Solid-State-Drive) verfügt über keine beweglichen Bauteile, sondern besteht aus mehreren Flash-Speichern. Dabei handelt es sich um digitale Speicherbausteine, die auch in USB-Sticks zum Einsatz kommen. Klickende und klackernde Geräusche sind hier unüblich.

Kommt es bei SSDs zu Datenverlust, sind meist logische Fehler wie das vorzeitige Trennen des Laufwerks, eine Virusinfektion des Computers oder aber das versehentliche, manchmal auch absichtliche, Löschen von Daten Schuld.

Datenverlust vorbeugen

Damit der Schaden im Worst Case so gering wie möglich ausfällt, empfiehlt der Datenrettungsspezialist, wichtige Dateien in regelmäßigen Abständen auf einer zweiten, externen Festplatte zu sichern. Ein Backup auf einer Partition der Festplatte ist hingegen wenig sinnvoll. “Bei portablen Geräten wie Laptops oder externen SSDs / HDDs sind darüber hinaus Temperaturschwankungen zu vermeiden”, erklärt uns Lars Müller. Außerdem solle man den Rechner gelegentlich herunterfahren, um der Festplatte ein wenig “Ruhe” zu gönnen. Müller: “Interne oder externen HDDs / SSDs für den privaten Gebrauch sind keine Dauerläufer.”

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