Als erste Wehr im Kreis Böblingen hat die Gärtringer Feuerwehr einen elektrischen Mannschaftswagen im Einsatz. Die Erfahrungen sind gut und Experten der Feuerwehr gehen davon aus, dass Batterie und Elektromotoren noch andere Einsatzmöglichkeiten in der Rettungstechnik haben werden.
Die Wehr kommt wie der Blitz – das darf man wörtlich nehmen, zumindest in Gärtringen. Dort ist seit einiger Zeit ein elektrischer Mannschaftstransportwagen in Betrieb, mit dem die Feuerwehr gute Erfahrungen macht. „Er ist beinahe täglich im Einsatz“, berichtet der Gärtringer Feuerwehrkommandant Markus Priesching das erste elektrische Feuerwehrfahrzeug im Kreis Böblingen. Möglich gemacht hatte das der Gärtringer Gemeinderat genauso wie das Land Baden-Württemberg, das bei der Finanzierung des roten E-Transporters kräftig mitgeholfen hat. Er dient dem Transport bei Einsätzen genauso wie der Jugendfeuerwehr als Übungsfahrzeug oder als Transporter zu Schulungen.
Der Mannschaftstransportwagen ist auf der Basis eines Nissan e-NV200 aufgebaut, trägt sechs Mann Besatzung und hört auf den Namen „Florian Gärtringen“ 1/19-2. Doch nicht nur bei den reinen Mannschaftswagen sind die E-Autos eine gute Alternative, auch bei Fahrzeugen, die mehr Einsatzgerät transportieren müssen. In Österreich ist die Entwicklung längst weiter als in Deutschland. Die Firma Rosenbauer aus Leonding bei Linz bietet schon ein elektrisches Löschfahrzeug an, ein sogenanntes elektrisches Lösch- und Hilfeleistungsfahrzeug (eLHF), das zurzeit in Hamburg und in Berlin erprobt wird.
Es gibt auch schon elektrische Löschfahrzeuge
Auch hier mache die Feuerwehr durchweg gute Erfahrungen, berichtet der baden-württembergische Landesbranddirektor Thomas Egelhaaf. Die besondere Bauweise biete für den Einsatz vor Ort auch besondere Vorteile. Weil die Kardanwelle am Unterbau fehlt, die normalerweise die Räder antreibt, könne das Fahrzeug tiefer beladen werden. Weil der Motor viel kleiner ist, gibt es auch mehr Stauraum. Für längere Einsätze und längere Fahrten, hat das Fahrzeug einen kleinen Hilfsdiesel an Bord, der dem eLHF eine Reichweite von bis zu 600 Kilometern verleiht. Das Projekt eLHF wurde damals direkt durch Mittel der Europäischen Union unterstützt.
Kritiker werden eines Besseren belehrt
Vor wenigen Jahren, als der Elektroantrieb für Autos noch wie der Teufel an die Wand gemalt wurde, war auch die Feuerwehr im Fokus: Wie Elektroautos bei Eis und Schnee, wenn die Batterien einfrieren, noch Menschen retten können, wurde da gefragt. Die Praxis hat die Kritiker inzwischen eines besseren belehrt. Generell befürwortet die Feuerwehr sogar den Weg in die E-Mobilität. „Wir sind für technische Neuerungen immer offen“, sagt Egelhaaf. Allerdings geht er davon aus, dass nach dem gegenwärtigen technischen Stand nicht alle Fahrzeuge elektrifiziert werden können. Besonders bei Großeinsätzen, wo 24 Stunden lang die Pumpen laufen müssen, sieht er die Grenzen für die Elektrifizierung. Gesichert müsse auch sein, „dass die Technik zuverlässig und robust ist.“
Aber es geht nicht nur um Fahrzeuge, vor allem Handgeräte werden künftig mehr und mehr elektrifiziert: „Mit den Motorsägen machen wir oft Kleinstangriffe, da reicht eine elektrische Säge vollauf“, sagt ein Insider. Vor allem hydraulische Spreizer zur Rettung etwa aus Autowracks könnten gut elektrifiziert werden. Das hätte den großen Vorteil, dass die Wehr nicht erst hydraulische Leitungen zum Einsatzort legen muss und damit schneller helfen kann.
Nachdem durch den Gärtringer Mannschaftstransportwagen ein erster Schritt für die Feuerwehren der Region getan ist, könnte sich mit dem eHLF ein weiterer Schritt in Richtung umweltfreundlicher Lebensrettung abzeichnen.