Bunt und lecker: Beim Osterfrühstück dürfen Eier nicht fehlen. Foto: dpa - dpa

An Ostern wird mächtig rumgeeiert. In Haus und Garten stolpert man allerorts über Eier. Um die bunten Leckereien ranken sich viele Mythen. Im Faktencheck räumt die Eßlinger Zeitung damit auf.

Esslingen An Ostern wird mächtig rumgeeiert. In Haus und Garten stolpert man allerorten über die bunten Leckereien. Doch legen braune Hühner wirklich braune Eier? Stammt ein kräftig gelber Dotter von einer glücklichen Henne? Und treiben Eier den Cholesterinspiegel in die Höhe? Ums Ei ranken sich viele Mythen. Im Faktencheck räumt die Eßlinger Zeitung damit auf.

1. Woher kommt das Ei?
40,6 Millionen Legehennen wurden laut Statistischem Bundesamt im vergangenen Jahr in der Bundesrepublik gehalten. Knapp 12 Milliarden Eier haben sie gelegt. 235 Stück isst nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung jeder Bundesbürger im Schnitt pro Jahr. Die Nummer auf dem Ei, der sogenannte Erzeugercode, gibt Auskunft über dessen Herkunft. Die erste Zahl bezeichnet die Haltungsform: Steht dort 0, stammt das Ei aus ökologischer Erzeugung. 1 bedeutet Freiland-, 2 Boden- und 3 Käfighaltung. Das Länderkürzel im Anschluss gibt das Herkunftsland an, „DE“ beispielsweise steht für Deutschland. Die nächsten beiden Zahlen kennzeichnen das Bundesland, 08 etwa Baden-Württemberg. Die dritte bis sechste Stelle informiert über den Betrieb, die siebte Stelle über den Stall.

2. Legen braune Hühner braune Eier?
Braune Hühner legen braune Eier und weiße Hühner weiße Eier. Klingt einleuchtend, stimmt aber nicht. Denn dass sich die Eierfarbe nach dem Gefieder der Hühner richtet, ist ein Irrglaube. Stattdessen hängt sie von ihrer Rasse ab. Einen Hinweis geben die Ohrscheiben: Sind sie weiß, legen die Hennen meist weiße Eier, sind sie dagegen rot, in der Regel braune.

3. Was steckt drin im Ei?
Kalorien, Cholesterin, Dioxin: Eier genießen nicht den besten Ruf. Aber ist das Frühstücksei wirklich so ungesund? Ein Ei der Gewichtsklasse M hat durchschnittlich 95 Kalorien. Wegen des Cholesterins im Eigelb empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, höchstens drei Eier pro Woche zu essen. Daneben enthalten Eier viele Vitamine. Vitamin A zum Beispiel ist wichtig für Haut, Augen und Immunsystem. Vitamin B12 ist an der Blut- und Zellbildung beteiligt. Vitamin D brauchen Knochen und Zähne, und Vitamin K unterstützt die Blutgerinnung. Eiweiß hilft dem Körper, Proteine aufzubauen. Außerdem liefern Eier Natrium, Calcium, Phosphor und Eisen.

4. Je gelber der Dotter, desto glücklicher das Huhn?
Kräftig orangener Dotter stammt von glücklichen Hühnern und ist gesünder als zart gelber. Klingt überzeugend, ist aber falsch. Denn die Farbe des Eigelbs hängt vom Futter ab. Der Dotter von Bio-Eiern ist oft hell, weil Bio-Futter keine künstlichen Farbstoffe enthalten darf. Aber auch Bio-Hühner können sattgelbe Eier legen, wenn sie Karotten, Paprika und Mais essen. Auf den Geschmack hat die Farbe keine Auswirkung.

5. Wie frisch ist das Ei?
Wie frisch das Ei ist, lässt sich nur schwer erkennen. Die Angabe des Legedatums ist nämlich nicht gesetzlich vorgeschrieben. Aber vom Mindesthaltbarkeitsdatum lässt es sich 28 Tage zum Legedatum zurückrechnen. Auch der Frischetest hilft: Dazu das Ei in ein Glas Wasser legen – wenn es flach am Boden bleibt, ist es noch frisch. Richtet es sich auf, ist es bereits älter. Schwimmt es oben, sollte es besser nicht mehr gegessen werden. Dahinter steckt Physik: Mit zunehmendem Alter verdunstet durch die Poren in der Schale Flüssigkeit aus dem Ei. In den Hohlraum dringt Luft ein und verleiht dem Ei im Wasser Auftrieb. Legefrische Eier erreichen erst nach drei Tagen ihr volles Aroma. Dann eignen sie sich am besten für Speisen mit rohen Eiern wie Tiramisu oder Mayonnaise. Zum Kochen sind sie dann noch zu jung, denn sie lassen sich schlecht pellen. Nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums sollten Eier nur noch zum Kochen oder Backen verwendet werden. Dabei müssen sie auf mindestens 70 Grad Celsius erhitzt werden, um Keime abzutöten.

6. Wie lang muss das Ei kochen?
Der eine mag das Eigelb weich, die andere lieber hart. Hier eine Übersicht: Bei drei Minuten Kochzeit ist das Eiweiß nur an der Schale fest und zum Eigelb hin noch glibberig, der Dotter selbst ist komplett flüssig. Nach fünf Minuten ist das Eiklar fest und das Eigelb weich, nach neun Minuten sind beide fest. Kocht das Ei länger als zehn Minuten, bildet sich um den Dotter herum ein blaugrüner Rand. Der ist zwar nicht gefährlich, sieht aber nicht gerade lecker aus. Er entsteht in einer chemischen Reaktion, bei der sich Schwefel aus dem Eiweiß und Eisen aus dem Eigelb zu Eisensulfid verbinden. Auf dem Mount Everest kann der Bergsteiger sein Ei laut ScienceBlogs übrigens so lange kochen, wie er will: Das Eiweiß bleibt glibberig. Denn bei dem geringen Luftdruck über 8000 Höhenmetern sinkt der Siedepunkt des Wassers auf 70 Grad Celcius. Das eine der beiden Proteine im Eiweiß gerinnt aber erst bei 84,5 Grad.

7. Platzt ein angepiekstes Ei nicht?
Oft hört man, dass angestochene Eier nicht platzen, weil der Druck, der sich durch die Hitze im Ei aufbaut, durch das Loch entweicht. Aber angepiekste Eier platzen statistisch gesehen fast genauso häufig wie die anderen. Außerdem ist das kleine Loch ein Einfallstor für Bakterien.

8. Lässt sich ein abgeschrecktes Ei leichter pellen?
Wird ein gekochtes Ei mit kaltem Wasser abgeschreckt, lässt es sich besser pellen. Das besagt die Haushaltsregel – doch zu Unrecht. Denn ob sich das Ei pellen lässt, hängt von seinem Alter ab. Denn bei einem frischen Ei klebt die Haut noch fest am Eiweiß. Nach einigen Tagen löst sie sich, und das Ei lässt sich gut pellen. Wird das Ei erst einige Tage nach dem Kochen gegessen, sollte es nicht abgeschreckt werden. Durch das Kochen wird nämlich die Schutzschicht des Eis zerstört. Beim Abschrecken gelangen Bakterien auf die Schale, die durch die Poren ins Innere eindringen können.

9. Wie wird das Ei gelagert?
Eier bleiben länger frisch, wenn sie mit dem spitzen Ende nach unten lagern. Dann ist der Dotter in der Mitte und die Luftkammer oben. Umgekehrt aufgestellt, steigt die Luftblase an das andere Ende. Dabei kann sich die Haut ablösen, und Keime haben leichter Zugang. Grundsätzlich sollten Eier im Kühlschrank aufbewahrt werden – am besten in einer Eierbox, denn so sind sie vor Fremdgerüchen geschützt, die durch die Poren der Schale in das Innere des Eis eindringen können. Im Kühlschrank halten hart gekochte Eier mit intakter Schale bis zu vier Wochen.

10. Was war zuerst da – das Huhn oder das Ei?
Vor etwa 400 Millionen Jahren stiegen die ersten Tiere aus dem Wasser an Land und legten dort ihre Eier ab. Die ersten Hühner entwickelten sich erst vor circa 65 Millionen Jahren. Damit ist klar: Eier gab es schon an Land, bevor das erste Huhn das Licht der Welt erblickte.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: