Am Jahrestag des russischen Angriffs ließ Oberbürgermeister Christoph Traub im vergangenen Jahr Amtskollegen aus Poltawa live in die Filharmonie zuschalten. Foto: Caroline Holowiecki

Trotz Minus 20 Grad greift Russland systematisch die Energieinfrastruktur der Ukraine an. Wie geht es den Menschen in Poltawa – der Partnerstadt dreier Filderkommunen?

Drei russische Drohen haben Ende Januar in der Region Charkiw einen Personenzug mit 291 Menschen an Bord getroffen. Besonders ein Waggon war von dem Angriff betroffen. 18 Menschen saßen darin, vier wurden getötet, nach vier weiteren wird noch gesucht, hat Christoph Traub, Filderstadts Oberbürgermeister aus Poltawa – der gemeinsamen ukrainischen Partnerstadt der FilderkommunenFilderstadt, Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt – erfahren. Nach dem Beschuss hat der Zug, der von Barvinkove über Lwiw nach Chop unterwegs war, in Poltawa Halt gemacht. „Die Passagiere wurden dort mit Essen und medizinischer Hilfe versorgt“, sagt Traub. Danach haben die zehn nicht beschädigten Waggons ihre Fahrt fortgesetzt.

Die Situation in Poltawa sei – wie in der ganzen Ukraine – angespannt, macht der Oberbürgermeister deutlich. Die Versorgung mit Strom sei schwierig; den gebe es maximal vier Stunden pro Tag. Zu den anderen Zeiten funktioniert in vielen Wohnungen auch die Heizung nicht. Und das bei Temperaturen von Minus 20 Grad. Ärzte empfangen ihre Patienten in kalten Praxen. Es gebe auch Probleme mit der Internetversorgung. Im Stadtgebiet wurden sogenannte „Punkte der Unzerbrechlichkeit“ organisiert, wo die Menschen heiße Getränke bekommen, und ihre Handys aufladen können.

Filderstadt hat zwei ausgediente Feuerwehrautos nach Poltawa gesandt. Foto: Natalie Kanter

Dies sei der bislang schwierigste Kriegswinter für die Ukraine, betont der Oberbürgermeister. Russland greife systematisch die Energieinfrastruktur der Ukraine an und zerstört Kraftwerke. Städte und Gemeinden seien auf Unterstützung und Hilfe angewiesen. Angriffe auf Kyjiw, Winnyzja, Dnipro, Odessa, Saporischschja, Poltawa, Sumy, Krywyj Rih, Charkiw und andere Regionen der Ukraine haben zu Opfern unter der Zivilbevölkerung und zu Schäden an der Energieinfrastruktur geführt. Selbst unter normalen Bedingungen sei es für das Energiesystem wegen der extrem niedrigen Temperaturen, die seit langem in der Ukraine herrschen, schwierig zu funktionieren. Die Bevölkerung in der ukrainischen Partnerstadt verliere trotz allem nicht den Mut, weiß Traub. „Sie helfen nicht nur einander, sondern auch den Soldaten an der Front. Der Oberbürgermeister sagt: „Wir hören von dort: Bald kommt der Frühling und dann wird es leichter.“

Nach rund 2 260 Kilometern Reise sind in Poltawa mittlerweile auch die beiden ausgedienten Filderstädter Feuerwehrfahrzeuge „Flo.Fi 3/14-1“ und „Flo.Fi 2/14-1“ angekommen, die dorthin gesandt wurden. Oleksandr Bondar, Leiter der Spezialeinheit für Notfallrettung des Staatlichen Dienstes der Ukraine für Notfälle hat sich mit einem Brief für die „geleistete humanitäre Hilfe“ bei Oberbürgermeister Christoph Traub bedankt. Diese Unterstützung sei ein wichtiger Ausdruck der Solidarität und Freundschaft, schreibt er. Und: „Wir schätzen auch die Geschlossenheit und die gemeinsamen Bemühungen der Partnerstädte Ostfildern und Leinfelden-Echterdingen, die zur Realisierung dieser Initiative beigetragen haben“, schreibt er.

Seit fast vier Jahren erschüttert der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine die Welt. Am 24. Februar, wird es um 19 Uhr im Kultur- und Kongress-Zentrums Filharmonie wieder ein Gedenkveranstaltung anlässlich des Jahrestages des Kriegsbeginns gegen die Ukraine geben. Im vergangenem Jahr hatte Christoph Traub dabei Amtskollegen aus Poltawa live zugeschaltet.