Tatort Plochingen: 13. Februar 2020 Foto: SDMG

Die Polizei hat am Dienstag bestätigt, dass sie einen Zusammenhang zwischen den blutigen Auseinandersetzungen in Nürtingen und Plochingen vermutet. Die Beteiligten schweigen.

Plochingen/Nürtingen - Die Polizei hat am Dienstag bestätigt, dass sie einen Tatzusammenhang zwischen den blutigen Auseinandersetzungen am Samstag, 8. Februar, in der Nürtinger und am Donnerstag, 13. Februar, in der Plochinger Innenstadt annimmt. „Wir vermuten, dass die Tatverdächtigen teilweise identisch sind“, so Pressesprecher Michael Schaal auf Nachfrage der Eßlinger Zeitung. Von einem „Bandenkrieg“ im Sinne von Gruppierungen mit einer festen Organisationsstruktur „sprechen wir aber noch nicht“. Aber man habe Tatverdächtige im Fall Plochingen festgenommen, die mutmaßlich auch in Nürtingen mit dabei gewesen seien. So liege die Vermutung nahe, dass hier noch offene Rechnungen beglichen werden sollten. „Doch das müssen wir erst nachweisen – und die Beteiligten schweigen.“

Die beiden Auseinandersetzungen, bei denen ein oder mehrere Messer, zumindest in Plochingen aber auch eine Schusswaffe im Spiel waren, haben bundesweit für Aufsehen gesorgt – zumal in Plochingen ein Großeinsatz von SEK und weiteren schwer bewaffneten Einsatzkräften samt Polizeihubschrauber die Innenstadt in Ausnahmezustand versetzt hatten. Die Verdächtigen, die die Polizei bislang inhaftiert hat – in Nürtingen ist es ein 18-Jähriger, in Plochingen sind es vier Männer zwischen 20 und 29 Jahren – darunter ein 21-Jähriger, der bei dem Vorfall verletzt wurde – schweigen. Schaal: „Wir ermitteln akribisch, aber es ist sehr schwierig. Wir haben unsere Ermittlungskommission von 16 auf 20 Beamte aufgestockt.“ Die Gruppe war nach der Auseinandersetzung in Nürtingen eingesetzt worden und ermittelt in beiden Fällen. Mehr Details wollte Schaal deshalb auch nicht preisgeben. Zum Wohnort des festgenommenen 18-Jährigen, der an der Nürtinger Messerstecherei beteiligt gewesen sein soll, wollte er nichts sagen. Die Tatverdächtigen aus Plochingen sollen aber jedenfalls teilweise auch in Plochingen wohnhaft sein.

Bei der Auseinandersetzung in der Nürtinger Innenstadt am 8. Februar hat ein 19-Jähriger schwere Stich- und Schnittverletzungen davongetragen und musste notoperiert werden, ein 22-Jähriger wurde leicht verletzt. In Plochingen wurden am darauf folgenden Donnerstag ein 29-jähriger Mann und ein 21-Jähriger, der an dem Angriff auf den 29-Jährigen beteiligt gewesen sein soll, durch Messerstiche verletzt. Der Jüngere erlitt zudem eine Schussverletzung. Damit bestätigte Pressesprecher Schaal, dass zumindest in Plochingen auch eine Schusswaffe mit im Spiel war. Alle Tatbeteiligten der Auseinandersetzungen – also Täter wie Opfer – sind polizeibekannt. In welchem Zusammenhang der versiegelte Barbershop in der Bahnhofstraße mit den Auseinandersetzungen steht, konnte Schaal nicht sagen. Die Übergriffe selbst „haben sich auf der Straße abgespielt“. In Plochingen seien der Polizei zwei Auseinandersetzungen gemeldet worden: Die eine in der Bahnhofstraße, die andere in der Esslinger Straße. Dass in Plochingen am Wochenende auch noch ein Geldautomat gesprengt wurde, hat Schaal zufolge nichts mit den Übergriffen zu tun: „Bei dem Geldautomaten waren überregional agierende Täter im Einsatz, bei den beiden Auseinandersetzungen Täter aus der Region.“ Plochingen sei kein Kriminalitätsschwerpunkt. Der Polizei sei auch keine Kneipe oder andere Lokalität bekannt, in der sich Menschen mit entsprechendem Hintergrund träfen.

In der privat organisierten, aber öffentlichen Plochinger Facebook-Gruppe haben die geballten Vorfälle für etliche Kommentare gesorgt. Einige fragten sich, ob ihre Stadt zum Hort des Verbrechens geworden sei, andere mahnten, die Kirche im Dorf zu lassen. Ein Nutzer beklagte, dass die Polizei nicht mehr wir früher präsent sei und Streife laufe. „Wir haben nach wie vor noch einen der größten Polizeiposten im Land“, will Bürgermeister Frank Buß das zurechtgerückt wissen. Die Zusammenarbeit mit den Einsatzkräften vor Ort und von außerhalb sei sehr gut, die Polizei habe bei ihrem Großeinsatz „mit großer Umsicht agiert“. Der Bürgermeister bedauert zwar, dass aus der einstigen Einkaufsstraße Bahnhofstraße eine Meile von Wettbüros und Friseurläden geworden sei, doch das stehe in keinem Zusammenhang mit den blutigen Auseinandersetzungen. Dass so ein Großeinsatz wie an jenem Donnerstag für großen Aufruhr sorge, sei menschlich nachvollziehbar. „Aber man sollte keine Ängste schüren, die in keinster Weise berechtigt sind.“

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