Ein trostloser Anblick am Haupteingang der Stadt. Vermutlich wird der alte ZOB noch ein weiteres Jahr so aussehen. Foto: Bulgrin - Bulgrin

Der alte Busbahnhof in Esslingen wird wohl für ein weiteres Jahr ein Dasein als Brachland fristen. Das stößt bei vielen Bürgerinnen und Bürgern auf großes Unverständnis.

Esslingen - Viele Menschen in der Stadt sprechen von einem Schandfleck und meinen den alten Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB). Drei Jahre und drei Monate sind vergangen, seit der neue ZOB direkt neben dem Bahnhof den alten abgelöst hat. Seither blicken Einwohner und Besucher der Stadt zwischen dem Parkhaus und dem Einkaufszentrum Das ES auf Brachland. Und alle Zeichen deuten darauf hin, dass dieser Zustand noch ein Jahr dauern könnte. Eine Zwischennutzung, bis die Dietz AG tatsächlich mit ihrem Neubau auf dem exponierten Grundstück anfängt, schließt die Stadt aus.

Windschiefe Bauzäune, eine kahle und triste Fläche dort, wo einst die Stadtbusse gehalten haben, und immer wieder auch Müll, der sich auf dem Grundstück ansammelt. So werden Gäste am Bahnhof empfangen und so müssen es die Bewohnerinnen und Bewohner seit mehr als drei Jahren ertragen. Wie lange noch, das hängt damit zusammen, wie schnell es der Dietz AG in Bensheim gelingt, die Genehmigung für ihren Bau direkt vor dem Bahnhof-Parkhaus zu erlangen. Bekanntlich will das Unternehmen, dem auch das Parkhaus gehört, auf dem Grundstück einen Neubau mit 140 sogenannten Mikroappartments, zwölf Wohnungen, Büros, Gastronomie und einer Mobilitätsstation vor allem für Fahrräder errichten sowie den bereits bestehenden Einkaufsmarkt im Erdgeschoss des Parkhauses in den Neubauteil hinein erweitern. Von ursprünglichen Plänen, an der Berliner Straße ein Hotel zu bauen, hat sich der Investor längst verabschiedet (die EZ berichtete). Dafür nun die besagten Mikroappartments, also kleine Wohnungen zwischen 20 und 25 Quadratmeter, mit denen vor allem Alleinstehende und Geschäftsleute angesprochen werden sollen.

Esslingens Erster Bürgermeister und Baubürgermeister Wilfried Wallbrecht rechnet damit, dass die Genehmigung für den fünfgeschossigen Neubau bis Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres vorliegt. Dann könnte das Vorhaben als Ergebnis eines Realisierungswettbewerbs aus dem Jahr 2016 konkret werden.

Also noch ein weiteres Jahr Brachland am Stadteingang? Danach sieht es aus, denn laut Wallbrecht ist die Stadt nicht geneigt, für eine wie auch immer geartete Zwischenlösung Geld auszugeben. Gleichwohl räumt der Bürgermeister aus heutiger Sicht ein: „Wenn wir gewusst hätten, dass der Zustand so lange andauert, dann hätten wir sicherlich etwas getan.“ An Ideen, wie man den alten ZOB nutzen könnte, hat es in den vergangenen Jahren nicht gefehlt. Der Esslinger CDU-Bundestagsabgeordnete Markus Grübel wollte ihn für Fernbusse nutzen, die CDU im Gemeinderat brachte das Grundstück als Standort für eine neue Stadtbücherei ins Spiel, kurzzeitig hatte der Stadtjugendring den Platz mit einem Kulturprogramm bespielt und immer wieder tauchte die Forderung auf, das Areal doch wenigstens als Parkplatz freizugeben – vor allem für Busse während des Mittelalter- und Weihnachtsmarktes.

Geschehen ist nichts. „Die Oberfläche ist nicht mehr verkehrssicher und müsste repariert werden, damit da überhaupt Busse parken können“, versichert Wilfried Wallbrecht. Offenkundig aber war die Verkehrssicherheit im April vergangenen Jahres noch vorhanden, als der alte ZOB mehrere Tage lang zu alter Form auflief. Weil am neuen Busbahnhof wegen Baumängeln Reparaturarbeiten anfielen, wurde der Busverkehr größtenteils über den alten ZOB abgewickelt. Auch als Parkplatz für normale Autos ist die Brache aus Sicht des Bürgermeisters nicht geeignet, weil die Zu- und Abfahrt Probleme bereiten würde. „Es gibt keine Überlegungen, den Platz für eine Übergangszeit zu nutzen“, macht Wallbrecht deutlich. Das rechne sich nicht.

Einmal abgesehen davon, dass der Bürgerausschuss Innenstadt dem Gesamtvorhaben ablehnend gegenüber steht und vor dem Parkhaus lieber eine Grünfläche gesehen hätte, hat deren Vorsitzende Barbara Frey wenig Verständnis für die heutige Situation. Sie ist sehr wohl der Meinung, dass man sich im Rathaus über eine Zwischennutzung Gedanken machen soll. Der alte ZOB als Ort der Kultur während der Sommermonate: Das könnte für Barbara Frey ein Ansatz sein.

Es kommentiert: Christian Dörmann

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