Von außen wie ein Vulkan: Im Engelbergtunnel hat ein Auto gebrannt. Foto: KS-Images/Andreas Rometsch

Ein brennendes Auto im Engelbergtunnel hat am Mittwochnachmittag bis zum Abend ein Verkehrschaos in und um Leonberg ausgelöst. Ein Großaufgebot an Einsatzkräften war gefordert.

Fast sah es aus wie ein Vulkanausbruch: Der Hügel über dem Nordportal des Engelbergtunnels spuckte am Mittwochnachmittag schwarzen Rauch aus. Nur Lava gab es zum Glück keine – dafür ein riesiges Verkehrschaos in und um Leonberg. Wie es eben stets der Fall ist, wenn die beiden Tunnelröhren über mehrere Stunden komplett gesperrt sind. Der Grund dafür: In Baden-Württembergs längstem und verkehrsreichstem Autobahntunnel brannte ein Renault Twingo lichterloh.

Twingo-Fahrer rettet sich in die Oströhre

Die gute Nachricht: Es gab keine Verletzten. Der 28-jährige Fahrer, der gegen 16.30 Uhr in der Weströhre in Fahrtrichtung Stuttgart/Singen unterwegs war, konnte sein Auto rechtzeitig abstellen und sich über einen Querschlag in die Oströhre retten. Durch das Feuer wurde die Brandmeldeanlage im Tunnel ausgelöst, was die automatisierte Sperrung beider Tunnelröhren zur Folge hatte. „Die sich noch im Tunnel befindlichen Fahrzeugführer wurden aufgefordert, ihre Fahrzeuge zu verlassen und sich in die vorgesehenen Schutzräume zu begeben“, vermeldete die Polizei im Nachgang. Von dort habe die Feuerwehr sie gesichert aus dem Tunnel gebracht. Auch hierbei wurde niemand verletzt.

Die Rettungskräfte rückten mit einem Großaufgebot an, allein die Feuerwehr war mit 49 Fahrzeugen und 250 Personen vor Ort – inklusive dem Böblinger Kreisbrandmeister Martin Amler. Laut Polizei waren die Löscharbeiten gegen 17.45 Uhr abgeschlossen. Das Wrack des Renault wurde anschließend geborgen. Im Anschluss wurde der Tunnel auf mögliche Schäden überprüft. Währenddessen brachte die Feuerwehr die Personen, die ihre Fahrzeuge in den Röhren zurücklassen mussten, zurück zu ihren Autos. Gegen 20.30 Uhr war der Tunnel entraucht und wurde schließlich wieder für den Verkehr freigegeben.

„Das Rettungskonzept des Engelbergtunnels hat sich voll bewährt“, schrieb das Landratsamt Böblingen noch am Mittwochabend in einer Pressemitteilung. Allerdings mussten die Retter auch noch weitere Aspekte mit einkalkulieren. „An einem Sommertag mit Temperaturen bis zu 35 Grad kommt der Betreuung der Menschen im Stau eine hohe Bedeutung zu, um hitzebedingte Komplikationen zu vermeiden“, heißt es in der Erklärung des Landratsamtes.

Die Feuerwehr bildete hierzu zwei Einsatzabschnitte: einen für die Tätigkeiten im Tunnel selbst, einen weiteren für die Personen, die im Stau feststeckten.

Stau und Chaos: In und um Leonberg ging am Mittwoch nicht mehr viel. Foto: KS-Images

Betroffen im Tunnel waren 53 Personen. „Ein Schwerpunkt der Arbeit bestand darin, den Verkehr weiter am Laufen zu halten“, schreibt die Behörde. Durch das weitsichtige Handeln der Polizei bei der Einrichtung der Umleitung sei dies so schnell wie möglich gelungen. Grundsätzlich lief die Koordination über den sogenannten Einsatzleitwagen 2 (ELW 2). Führungskräfte aller Rettungsorganisationen koordinierten von dort die nötigen Aufträge.

Einsatzkräfte loben die Zusammenarbeit vor Ort

Kreisbrandmeister Martin Amler sagt: „Für mich war die Zusammenarbeit wirklich positiv.“ Die Hauptlast – Einsatzplanung und vieles weitere – liegt derweil bei der Freiwilligen Feuerwehr Leonberg. Auch weitere Retter lobten den Ablauf des Einsatzes. Peter Cartes, Leitender Notarzt vor Ort, gab zu Protokoll: „Ich habe eine sehr schöne Zusammenarbeit gesehen zwischen Feuerwehr, THW, Rettungsdienst und Ortsvereinen DRK. Die Stimmung an der Einsatzstelle war ruhig und entspannt.“ Allerdings gab es auch knifflige Situationen. „Eine besondere Herausforderung war ein betroffener Reisebus mit körperlich und geistig behinderten Menschen aus den Niederlanden“, so Cartes.

„Dieser Einsatz hat gezeigt, dass die Zusammenarbeit sowohl in der Einsatzleitung als auch in den Einsatzabschnitten vor Ort über zwei Landkreise hinweg wirklich sehr gut funktioniert und sich bewährt hat“, ergänzte Martin Schipplick, der die Medizinische Gesamteinsatzleitung als Leitender Notarzt innehatte. Tobias Lopez, der organisatorische Leiter Rettungsdienst, fügte abschließend hinzu: „Ich war begeistert davon, wie viele Kräfte aus dem Ehrenamt zu dieser Tageszeit mobilisiert werden konnten und sich perfekt ins Einsatzgeschehen eingefügt haben.“

Masse an Helfern

Feuerwehr
Die Feuerwehr war mit 49 Fahrzeugen und etwa 250 Einsatzkräften vor Ort, die aus der gesamten Umgebung zusammengezogen wurden: aus Leonberg, Rutesheim, Renningen, Magstadt, Weil der Stadt, Herrenberg, Aidlingen, Gärtringen, Sindelfingen, Weissach, Böblingen, Gäufelden, Gerlingen, Ditzingen, Ludwigsburg, Korntal Münchingen, Markgröningen, Schwieberdingen, Möglingen, Hemmingen und Vaihingen/Enz. Auch Kreisbrandmeister Martin Amler machte sich ein Bild von der Lage. Außerdem zugegen war die Führungsgruppe des Landkreises Böblingen, sowie das Öffentlichkeitsarbeitsteam des Landkreises.

Polizei, THW, DRK
Neben diversen Kräften der Polizei war auch das Technische Hilfswerk (THW) mit 31 Personen aus den Ortsverbänden Leonberg und Böblingen im Einsatz, zudem noch das Deutsche Rote Kreuz mit 26 Fahrzeugen und 65 Helfenden aus den Ortsvereinen Leonberg, Weissach, Rutesheim, Weil der Stadt, Ditzingen, Markgröningen, Vaihingen/Enz, Kirchheim, Münchingen, Korntal, Steinheim und Sachsenheim.