Lena Degenhardt überzeugt – ihre Tore sind aber zu wenig. Foto: Archivfoto: Rudel - Archivfoto: Rudel

Trainer Ralf Rascher ist „traurig und enttäuscht“.

HalleGenau 479 Kilometer mit dem Bus, Rückkehr um vier Uhr in der Früh – und das nach einer 30:33 (18:14)-Niederlage beim bisherigen Schlusslicht SV Union Halle-Neustadt. Die Stimmung bei den Bundesliga-Handballerinnen des TV Nellingen war am Tiefpunkt, als sie am Sonntagmorgen wieder in der Heimat angekommen waren. In der Tabelle stehen sie nun auch ganz unten. Letzter. Am Tiefpunkt.

Sportliche Auswirkungen hat das nicht, nachdem der Verein angekündigt hatte, das Team am Ende der Saison aus der Bundesliga zurückzuziehen. Von den Spielerinnen wird in der kommenden Saison möglicherweise keine einzige den Gang mit in die 3. Liga gehen – als jüngster Wechsel steht der von Torhüterin Celina Meißner zum Zweitligisten VfL Waiblingen fest. Aber sie hatten sich fest vorgenommen, sportlich den Klassenverbleib zu schaffen und sich entsprechend mit erhobenem Haupt zu verabschieden. Genauso wie Trainer Ralf Rascher, der als Feuerwehrmann eingesprungen war. „Ich denke, man hört mir an, dass ich traurig und enttäuscht bin“, sagte er wenige Stunden nach der Rückkehr aus Sachsen-Anhalt. Da stand ihm noch das Video-Studium bevor, bei dem er sich vor allem auf die letzten zehn Minuten des Spiels konzentrieren wollte.

Zuvor schon erklärte Rascher: „Bei aller Enttäuschung kann ich den Spielerinnen keinen Vorwurf machen. Ob am Ende die fünf Prozent Wille gefehlt haben, die Halle hatte, kann ich nicht sagen.“ Die Hallenserinnen erkannten, nachdem sie zeitweise fast aussichtslos zurückgelegen waren, in der Schlussphase ihre Chance, nahmen ihr Herz in die Hand und ließen sich vom euphorischen Publikum antreiben. Durch einen 6:0-Lauf drehten sie das Spiel. Der Klassenverbleib ist, nach dem der letzte Platz fest gebucht schien, plötzlich wieder greifbar.

Dabei war es nicht so, dass Rascher nicht vor Halle-Neustadt gewarnt hatte. Das Team hatte in den vergangenen Wochen einen deutlichen Aufwärtstrend gezeigt und auch gepunktet. Entsprechend hatte der Trainer die Nellingerinnen vorbereitet. Auch auf die 3-2-1-Abwehr. 45 Minuten lang agierten die Hornets gegen diese Formation, wie es sich der Coach vorgestellt hatte. Vor allem die starke Lena Degenhardt kam im Rückraum immer wieder zum Wurf, Halle-Neustadt kassierte viele Zeitstrafen. Mit 14:7 führten die Nellingerinnen, zur Pause mit 18:14.

Insgesamt kam aus dem Nellinger Rückraum aber zu wenig, die mit Schulterproblemen kämpfende Roxana Ioneac war vor allem von der Siebenmeterlinie erfolgreich. Auf der anderen Seite begann Mariana Ferreira Lopes bereits vor der Pause aufzudrehen, in der Schlussphase „bekamen wir sie nicht in den Griff“, wie Rascher sagte. Gleichzeitig häuften sich bei den Nellingerinnen die technischen Fehler. Deshalb wird Rascher die letzten zehn Minuten der Begegnung in der kommenden Woche gemeinsam mit den Spielerinnen analysieren. Denn an ihrem Ziel, sich mit dem sportlichen Klassenverbleib aus der Bundesliga zu verabschieden, wollen die Hornets festhalten. „Wir bereiten uns jetzt auf das Derby am Sonntag in Göppingen vor“, erklärte Rascher. sip

TV Nellingen: Wachter, Meißner; Ioneac (12/10), Degenhardt (7/1), Padutsch (5), Jäger (3), Stuttfeld (2), Gera (1), Issifou, Ridder, Marcikova, Tissekker, Schoeneberg.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: