Misha Kaufmann kann mit dem ThSV Eisenach in Stuttgart locker aufspielen. Foto: IMAGO/Bild13/IMAGO/Christian Fischer

Trainer Misha Kaufmann und zwei Spieler des Handball-Bundesligisten ThSV Eisenach spielen am Sonntag bei ihrem künftigen Verein. Wie schätzt der Chefcoach die pikante Partie beim TVB Stuttgart ein?

Der TVB Stuttgart braucht nach fünf Niederlagen in Serie dringend Punkte im Kampf gegen den Abstieg aus der Handball-Bundesliga. Am Sonntag (15 Uhr/Porsche-Arena) kommt der ThSV Eisenach mit dem künftigen TVB-Trainer Misha Kaufmann.

Herr Kaufmann, wie stellt sich die aktuelle Lage dar in Eisenach?

Die Lage ist gut. Wir haben mit 21 Zählern ein ausgeglichenes Punktekonto, die Tordifferenz ist okay, wir stehen auf Platz zehn. Wir sind sehr, sehr zufrieden mit unserer Situation.

Und sind aller Abstiegssorgen ledig.

Es müsste schon sehr, sehr, sehr, sehr dumm laufen, wenn wir noch einmal in Bedrängnis kommen würden.

Sie könnten die Punkte am Sonntag also problemlos dem TVB Stuttgart überlassen.

Wir können frei und locker aufspielen, beim TVB herrscht Druck auf dem Kessel. Aber nicht nur ich, ich glaube, jeder will Spiele gewinnen. Und das ist im Sinne des Sports auch gut so.

Aber ein spezielles Spiel ist es für Sie sowie Simone Mengon und Ivan Snajder, die Sie in der neuen Saison mit zum TVB nehmen, schon?

Was soll ich sagen? Sage ich nein, sind die einen beleidigt, sage ich ja, die anderen (lacht). Natürlich bin ich auch nur ein Mensch und interessiere mich dafür, wo ich in der nächsten Saison arbeite. Aber das ändert überhaupt nichts daran, mit welchem klaren Ziel ich am Sonntag nach Stuttgart fahre. Ich will dort gewinnen, wie in jedem anderen Spiel auch.

Was macht Sie sicher, in der kommenden Saison einen Erstligisten zu trainieren?

Puh, was macht mich sicher? Im Kader des TVB stecken viel Qualität und Erfahrung, ich bin überzeugt, dass Jürgen Schweikardt und Jens Bürkle das hinbekommen. Aber ich beschäftige mich nicht mit solchen Dingen.

Sie haben ein weitaus unerfahreneres Team als der TVB. Wie schaffen Sie es, den ThSV auch im zweiten Jahr hintereinander in der besten Liga der Welt zu halten?

Es stimmt, dass wir wenig Erfahrung im Team haben und es trotzdem eigentlich ganz gut hinbekommen. Vor der Saison hatten uns fast alle Experten wieder ein ganz, ganz schwieriges Jahr prognostiziert. Wir haben aber erneut Schritte nach vorne gemacht und uns weiterentwickelt. Wir spielen sehr clever, sehr abgezockt. Ich denke, das alles hängt damit zusammen, dass wir die Priorisierung auf die richtigen Sachen lenken, auf das, was wir beeinflussen können.

Wann ziehen Sie nach Stuttgart um, und kommt Ihre in der Schweiz lebende Familie mit?

Wann der Umzug ansteht, weiß ich wirklich noch nicht. Gut möglich, dass die Familie mitkommt, da gehen wir auf die Kinder ein (Anm. d. Red.: Töchter im Alter von 12 und 17).

Zur Person

Karriere
Misha Kaufmann wurde am 18. April 1984 in der Schweiz geboren. In seiner aktiven Laufbahn spielte der Rückraumspieler für die Clubs TV Solothurn, SG Köndringen/Teningen, HC GS Stäfa, BSV Bern und HSC Suhr Aarau. Nach vier Kreuzbandrissen begann er seine Trainerlaufbahn beim HSC Suhr Aarau (2016 bis 2021). Am 18. Oktober 2021 übernahm er das Traineramt beim damaligen Zweitliga-Tabellenvorletzten ThSV Eisenach, den er 2023 in die Bundesliga führte. Ab 1. Juli 2025 wird er Chefcoach beim TVB Stuttgart.

Persönliches
Kaufmann ist verheiratet mit Dragica. Das Paar hat zwei Töchter (Kristina/17 und Anastasia/12). Derzeit lebt die Familie noch in Aarau. (jüf)