Silvio Heinevetter zeigt gute Paraden und immer wieder auch Emotionen. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Nach zwei Jahren beim TVB Stuttgart wechselt Torwart Silvio Heinevetter am Saisonende zum ThSV Eisenach. Am Samstag treffen die beiden Clubs aufeinander. Wie schätzt der 39-Jährige die Lage ein? Was nimmt er im Sommer aus seiner Zeit in Stuttgart mit?

Was er im Sommer aus seiner Zeit in Stuttgart mitnimmt? Silvio Heinevetter muss nicht lange überlegen: „Das Wichtigste, was ich mitnehme, ist mein Sohn.“ Im Februar brachte seine Ehefrau Antonio in Bad Cannstatt den kleinen Oscar zur Welt. Der gebürtige Stuttgarter wird in Thüringen aufwachsen. Dorthin wechselt Heinevetter im Sommer und wird dann für den ThSV Eisenach zwischen den Pfosten stehen. An diesem Samstag (19 Uhr/Werner-Aßmann-Halle) tritt er mit dem TVB Stuttgart in der Handball-Bundesliga bei seinem künftigen Club an.

„Dass das ein besonderes Spiel für Silvio ist, liegt ja in der Natur der Sache“, sagt TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt. Heinevetter selbst will sich zu diesem Duell nicht äußern. Warum? „Weil ich es für mich so entschieden habe. Man muss mich auch nicht verstehen“, sagt der 39-Jährige. Die ganz große sportliche Brisanz ist aus dem Duell zwischen dem Tabellen-16. Eisenach (18:38 Punkte) und dem Tabellen-14. TVB (20:36 Punkte) draußen.

BHC und HBW kaum zu retten

Das liegt daran, dass die beiden Abstiegsplätze so gut wie vergeben sind: Dem Vorletzten Bergischer HC wird nach zuletzt elf Niederlagen in Serie (13:43 Punkte) keine Aufholjagd mehr zugetraut, und Schlusslicht HBW Balingen-Weilstetten (11:45 Punkte) hat sechs Spieltage vor Schluss sogar einen noch größeren Rückstand aufzuweisen. „Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, aber es sieht sehr gut aus, dass TVB und ThSV auch in der kommenden Saison in der Bundesliga spielen“, sagt Heinevetter.

Sein Vertrag in Eisenach würde auch für die zweite Liga gelten. Entscheidend für seinen Wechsel war nicht zwingend die Ligazugehörigkeit, sondern das Gesamtpaket. Der TVB hatte ihm nur einen Einjahresvertrag angeboten. Der ThSV, dessen ausgeprägte Fan-Kultur auch den glühenden Anhänger des FC Union Berlin begeistert, köderte ihn mit einem längerfristigen Engagement. Zwei Jahre soll er noch im Tor stehen, danach eine noch nicht exakt definierte Funktion im Verein übernehmen. Hinzu kommt die Nähe zu seinen Eltern in seinem Heimatort Bad Langensalza (30 Kilometer), und zur Familie seiner Frau Antonia nach Kassel sind es auch nur rund 80 Kilometer.

Zunächst aber liegt sein voller Fokus auf dem Rest der Saison. In die war der Ex-Nationalkeeper (206 Länderspiele) mit sehr guten Leistungen gestartet, im Laufe der Runde zog Miljan Vujovic dann an ihm vorbei, insgesamt liegen sie in der Statistik fast gleichauf. Der 23-jährige slowenische Nationalkeeper kommt auf 155 Paraden und eine Quote von 26,59 Prozent gehaltener Bälle, Heinevetter auf 142 Paraden (25,57 Prozent).

Liga-Ranking 13 und 17

Im Liga-Ranking liegen sie damit auf den Plätzen 13 und 17. In der kommenden Saison setzt der TVB auf eine junge Torwartgarde. Für Heinevetter kommt der Serbe Luka Krivokapic (22) vom spanischen Club Puerto Sagunto, Luca Tschentscher (20/Zweifachspielrecht für SG Pforzheim/Eutingen) ergänzt das Duo.

Das ist Zukunftsmusik. Im Rückblick möchte beim TVB keiner die Zusammenarbeit mit Heinevetter missen. „Von Anfang an war alles sehr angenehm mit ihm. Er ist im Verein und im Umfeld sehr beliebt. Vom Tag der Bekanntgabe seiner Verpflichtung an tat er mit seiner Bekanntheit unserer Marke sehr gut“, betont Schweikardt. Auch Heinevetter fühlt sich nach wie vor sehr wohl in Stuttgart. „Ich schätze meine Mannschaft und die Kabine sehr. Das sind extrem gute Jungs, die ich vermissen werde“, sagt der Keeper.

„Man sollte realistisch bleiben“

Für ein sportliches Resümee ist es noch zu früh. Der Routinier hält sich bedeckt: „Man sollte schon realistisch bleiben. Mehr sage ich nicht, dazu bin ich inzwischen erfahren und clever genug.“ Eines fügte er dann doch noch hinzu: „Man darf nicht vergessen, dass wir schwere Ausfälle zu verkraften haben.“ Die langfristigen Verletzungen der Schlüsselspieler Jonas Truchanovicius, Max Häfner und Lukas Laube treffen den TVB in der Tat hart.

Ohne das Trio geht es auch nach Eisenach, zu diesem für Heinevetter besonderen Spiel. „Durch das fanatische Heimpublikum sind wir eher nicht der Favorit“, richtet sich Schweikardt auf ein ganz schweres Spiel ein, „wir wollen uns aber endgültig nach unten absichern und unser Ziel, nach oben zu kommen, weiter verfolgen.“

Für das nächste Heimspiel am 28. April (15 Uhr/Porsche-Arena) gegen den HSV Hamburg sind bereits 5300 Tickets verkauft. Auch diese Partie ist für Heinevetter etwas Besonderes: Er trifft im Duell der Torwart-Oldies auf Johannes Bitter (41).

Restprogramm TVB

Bundesliga
ThSV Eisenach – TVB (Samstag, 20. April, 19 Uhr), TVB – HSV Hamburg (Sonntag, 28. April, 15 Uhr), SG Flensburg-Handewitt – TVB (Samstag, 4. Mai, 19 Uhr), TVB – HBW Balingen-Weilstetten (Freitag, 17. Mai, 20 Uhr), HC Erlangen – TVB (Mittwoch, 29. Mai, 19 Uhr), TVB – TBV Lemgo Lippe (Sonntag, 2. Juni, 16.30 Uhr). (jüf)