ARD und ZDF strahlen das TV-Duell Scholz gegen Merz am Sonntag um 20.15 Uhr zeitgleich aus. Foto: dpa/Soeren Stache

Am Sonntag treffen sich Olaf Scholz und Friedrich Merz zum TV-Duell. Das Format mit Vertretern der beiden Volksparteien bildet die Parteienlandschaft nur unzureichend ab, meint Hauptstadtkorrespondent Tobias Heimbach.

Es mag Menschen geben, die sich erst in diesen Tagen mit der Bundestagswahl am 23. Februar beschäftigen und ihre Meinung bilden. Die Diskussionen im Fernsehen zwischen den Spitzenkandidaten können dabei manchem eine Hilfe sein. Im besten Fall bekommt man als Zuschauer einen Eindruck: Wofür stehen die Parteien? Und im Falle der Kandidaten: Traue ich dem – oder der – dieses Amt zu? Doch die TV-Duelle vor dieser Bundestagswahl haben gleich mehrere Webfehler. Sie wirken wie ein Ritual aus einer anderen Zeit, das der aktuellen politischen Realität in diesem Land nicht gerecht wird.

Zwei Kandidaten, kein Studiopublikum

Am Donnerstagabend hatte das ZDF zu einem „Schlagabtausch“ geladen – und zwar mit Vertretern der „kleinen Parteien“. Das hieß konkret: Politiker von AfD, Grünen, BSW, FDP, Linke und CSU rangen miteinander um Redezeit. Um sinnvoll zu diskutieren, war die Runde zu überladen.

Immerhin in dieser Hinsicht verspricht das TV-Duell am Sonntag bei ARD und ZDF zwischen dem Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und dem Kandidaten mit den besten Aussichten auf das Kanzleramt, Friedrich Merz (CDU), interessanter zu werden. Zwei Kandidaten, kein Studiopublikum, das dürfte den Ton hoffentlich sachlicher werden lassen. Doch dass hier nur die zwei Kandidaten antreten, ist schwer zu erklären – und nicht angemessen.

Scholz mag Amtsinhaber sein, ist aber im politischen Lager links der Mitte nicht einmal der klare Favorit. Die Grünen liegen in Umfragen gleichauf oder knapp hinter den Sozialdemokraten. Dennoch ist deren Kanzlerkandidat Robert Habeck in die Exklusiv-Runde nicht eingeladen. Ebenso wenig ist AfD-Kandidatin Alice Weidel dabei. Sie hat zwar keine Aussicht auf das Kanzleramt, weil keine Partei mit der in Teilen rechtsextremen AfD koalieren will. Dennoch liegt die AfD mit klarem Abstand auf dem zweiten Platz der Umfragen – und damit vor Scholz.

Die Privaten laden alle vier Kandidaten ein

Immerhin: Am 16. Februar haben ntv und RTL zu ihrer Wahlsendung alle vier Kandidaten eingeladen. Auch das ist eine volle Runde. Aber zumindest bildet sie ab, wer gerade in den Umfragen oben mitmischt. Und ist trotzdem nicht so überlaufen wie der „Schlagabtausch“ vom Donnerstag. Ob es deshalb auch erkenntnisreicher wird? Davon kann sich jeder selbst ein Bild machen – oder es bleiben lassen.