Die 15-jährige Turnerin gehört sportlich zu den Erwachsenen, freut sich auf den internationalen Wettkampf in Montréal und hält dem TSV Berkheim die Treue.
Anni Bantel ist auf dem Sprung. Über den großen Teich. Und in einen neuen Abschnitt ihrer bereits sehr erfolgreichen Turnkarriere. Die Deizisauerin wird im Herbst 16 Jahre alt und gehört damit in ihrer Sportart bereits zu den Erwachsenen. Und obwohl da die Konkurrenz deutlich größer ist als im Jugendbereich, startet sie gleich durch. Anfang kommender Woche sitzt sie im Flugzeug nach Kanada, wo sie gemeinsam mit den Chemnitzerinnen Karina Schönmaier und Lea Maria Quass sowie Charleen Pach aus Köln an den International Gymnix teilnehmen wird. Dazu hatte sie sich Mitte Februar bei einem Lehrgang des Deutschen Turner-Bundes in Berlin qualifiziert. 1200 Athletinnen aus zwölf Ländern sind am Start – darunter Anni Bantel.
Es ist der erste Wettkampf der Turnerin des TSV Berkheim außerhalb von Europa – und einer, zu dem sie nicht wie gewohnt von Mitgliedern ihrer Familie begleitet wird. „Aber wir stehen natürlich in Kontakt. Sie unterstützen mich total, auch aus der Ferne, und werden sich den Wettkampf im Livestream anschauen. Ich bin ja mit einem tollen Team unterwegs und gut betreut“, sagt sie und hat sich darauf eingestellt.
„Es ist schon ein großer Schritt“
Überhaupt möchte sich die vierfache deutsche Jugendmeisterin am Stufenbarren keinen allzu großen Kopf machen. Aber ein bisschen komisch fühlt es sich schon an, nun zu den „Großen“ zu gehören. „Klar, auf jeden Fall. Es ist schon ein großer Schritt, jetzt offiziell bei den Erwachsenen zu starten, ich bin ja erst 15 geworden. Man steht mehr im Fokus als bei den Juniorinnen, die Erwartungen und das Niveau sind noch mal viel, viel höher“, sagt sie. Und: „Ich versuche, das als Ansporn zu sehen und mich nicht stressen zu lassen. Dieses Jahr heißt es erst mal Erfahrung sammeln.“
So soll es auch in Montréal sein. Sie will den Wettkampf genießen und auch die Gemeinschaft etwa mit Europameisterin Schönmaier. „Das ist schon sehr cool, mit ihnen jetzt im Team zu sein“, sagt sie, „ich freue mich riesig auf diesen Wettkampf. Ich denke, die Aufregung wird erst vor Ort kommen, aber das gehört dazu, die braucht man auch.“ Sie will die Gelegenheit gleich mal nutzen, um ihre anspruchsvoller gewordenen Übungen zu präsentieren.
Berkheims Trainer Gerhard Weber traut Bantel den nächsten Schritt zu. „Ich bin davon überzeugt, dass sie sich weiterentwickelt, aber das muss sie auch“, sagt er und freut sich über die Nominierung für Montréal: „Das zeigt, dass Bundestrainer Gerben Wiersma sie und auch Charleen Pach für die Zukunft im Blick hat.“ Gleichzeitig hofft Weber, dass die Athletin weiterhin möglichst behutsam aufgebaut wird: „Sie hat noch viele Jahre im Turnen vor sich.“
Bantel gehört sportlich nun zu den Erwachsenen. Aber es ist ganz gut für sie, dass sich dadurch nicht alles in ihrem Leben ändert. Sie hat nach wie vor einen engen Draht zu ihrer Familie („die ist mir mega wichtig, um meinen Akku wieder aufzuladen“), sie trainiert weiter am Bundesstützpunkt in Mannheim und konzentriert sich auch auf die Schule – was angesichts der vielen Wettkämpfe einiges an Disziplin und Nachholarbeit erfordert. Und sie tritt weiter für das Berkheimer Team an. Trotz Anfragen anderer Clubs war nach dem Abstieg aus der Bundesliga im vergangenen November ein Wechsel kein Thema für sie, wie sie beteuert. „Für mich war relativ schnell klar, dass ich beim Team in Berkheim bleiben möchte, um den direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga miteinander anzugehen“, betont sie, „wir halten als Team und Verein zusammen – gerade in schwierigeren Phasen.“ Die Zweitliga-Saison startet am 16. Mai in Konstanz, der letzte Wettkampftag ist – gemeinsam mit der Bundesliga – am 14. November wieder in Esslingen. Danach soll gefeiert werden.
Bereits ein Vereinsurgestein
In Berkheim wissen sie Bantels Treue zu schätzen. „Das freut mich natürlich“, sagt Trainer Weber, „sie ist zwar noch nicht alt, aber schon ein Urgestein bei uns.“ Seit zehn Jahren turnt Bantel für den Verein. Wie sie in Kanada auftritt, werden sie dort natürlich aufmerksam beobachten. „Ich wünsche ihr, dass sie das mit Spaß angeht“, sagt Weber. Anni Bantel wird es beherzigen. Auf dem Flug nach Montréal hat sie Zeit, sich über ihren Karrieresprung Gedanken zu machen.