Ein großer Erfolg für den Nabu Ostfildern-Nellingen. Das Turmfalkenpärchen, das im März seine Eier im Turm der Kirche St. Blasius gelegt hatte, hat fünf Küken ausgebrütet.
Ostfildern - Das Familienglück ist perfekt für Herrn und Frau Turmfalke. Aus allen fünf Eiern, die sie seit Anfang März im Turm der Kirche Sankt Blasius im Ostfilderner Stadtteil Nellingen bebrütet hatten, sind gesunde Küken geschlüpft. Gerade über zwei Wochen sind die grauen, flauschigen Tierchen alt. Es ist die erste Brut in der evangelischen Kirche, doch in Nellingen bieten schon mehrere alte Gemäuer – darunter die Zehntscheuer und die katholische Kirche – den Turmfalken Unterschlupf.
Ursprünglich hatte der Naturschutzbund (Nabu) Ostfildern-Nellingen im Rahmen des 2007 gestarteten Nabu-Projektes „Lebensraum Kirchturm“ im Kirchturm nach Fledermäusen gesucht. Ohne Erfolg. „Wir wissen, dass es im Klosterhof Fledermäuse gibt, aber wo, das haben wir noch nicht herausgefunden“, sagt Ilona Scharf, die Teil des Fledermaus-Teams ist. Dann kam die Idee, Turmfalken anzusiedeln. „Turmfalken sind Nischenbrüter, gerade in Kirchtürmen fühlen sie sich wohl“, erklärt Jürgen Gräber, ebenfalls vom Nabu. An dem regelmäßigen Glockenläuten störten sie sich nicht. „Sie haben sich den Nistplatz ja selbst ausgesucht“, sagt Scharf.
Falken haben sich durchgesetzt
Natürliche Brutmöglichkeiten für die Vögel fielen immer häufiger weg, oft werde ihnen durch Taubenschutz die Nistmöglichkeit genommen. Darum sei es umso wichtiger, dass Kirchengemeinden bereit sind, den Raubvögeln Unterschlupf zu gewähren. Und die tierischen Untermieter haben auch Vorteile. „Seit die Falken eingezogen sind, ist es mit den Tauben deutlich besser geworden“, bemerkt Mesnerin Annette Liedle. Nachdem der Kirchengemeinderat sein Einverständnis signalisiert hatte, hatte sie den kleinen Einschlupf ausgeguckt, durch den die Falkeneltern in ihr Nest gelangen.
Der Brutplatz war begehrt, auch Dohlen hatten es zunächst darauf abgesehen, aber die Turmfalken haben sich durchgesetzt. „Der Kampf zwischen Falken und Dohlen um den Brutplatz wird wohl jedes Jahr aufs Neue stattfinden“, vermutet Gräber. Aber für die ebenfalls schützenswerten Dohlen gebe es auf der anderen Seite des Kirchturms eine eigene Nistmöglichkeit. Viel Aufwand sei es nicht gewesen, die Nische im Kirchturm für die Falken herzurichten. Ein kleines Holztürchen garantiert der gefiederten Familie ihre Privatsphäre, Rindenmulch und Kies polstern den Boden aus. „Mit wenig Aufwand ist uns ein toller Erfolg gelungen“, sagt Scharf. Eigentlich sollte die Kirche im Rahmen der 800-Jahr-Feier des Kirchturms eine Plakette mit der Aufschrift „Lebensraum Kirchturm“ überreicht bekommen, doch da machte die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung. Der Nabu möchte die Auszeichnung nun im kommenden Jahr nachholen.
Zittern nach Falken-Unfall
Den Falken geht es hier gut, sagen die beiden ehrenamtlichen Naturschützer. „Es ist schön zu sehen, dass die Jungen so gut versorgt werden“, sagt Scharf. Regelmäßig bringt der Vater Beutetiere zum Brutplatz, die dort von der Mutter zerteilt und verfüttert werden. Durch die Nähe zu den Feldern und durch das trockene Wetter können sich die Vögel an Mäusen sattfressen. Noch rund zwei Wochen werden die Küken im Nest bleiben, danach gibt es die ersten Flugversuche. „Acht bis zehn Tage werden sie dann noch von den Eltern versorgt“, weiß Gräber.
Über Pfingsten mussten die Turmfalken-Betreuer um „ihre“ Tiere bangen. Ein verunfallter Falke war gefunden worden. „Wir haben befürchtet, dass es sich um eines unserer Tiere handelt“, sagt Scharf. Inzwischen gab es aber Entwarnung. Es handelt sich bei dem verletzten Tier um eines der Jungtiere aus der benachbarten Zehntscheuer. Das Tier wird von der Tierrettung betreut.
Mit der Webcam im Nest
Turmfalken sind standorttreu. Nach dieser erfolgreichen Brut besteht also eine gute Chance, dass das Pärchen auch im kommenden Jahr wieder im Kirchturm brütet. Und dann wollen der Nabu und die Kirchengemeinde die Öffentlichkeit teilhaben lassen am Brutgeschehen. „Unser Ziel ist es, den Brutplatz mit einer Webcam auszustatten“, sagt Scharf. „Es ist spannend, dabei zuzusehen, wie die Jungen wachsen und sich entwickeln.“ Nachdem die Nabu-Gruppe Esslingen ihre Falken-Cam vor einigen Jahren eingestellt hat, gäbe es damit vielleicht bald wieder eine Möglichkeit, Falken im Kreis Esslingen beim Brüten zu beobachten. Der Kirchengemeinderat habe dafür schon das Okay gegeben. Während der Wintermonate will das Nabu-Team die Webcam installieren. Dafür hoffen die Naturschützer aber noch auf Spenden von interessierten Bürgern. Dann kann im kommenden Jahr mit etwas Glück jeder dabei zugucken, wie die beiden Turmfalken ihre nächste Brut aufziehen.
Wer etwas für die Turmfalken-Webcam spenden möchte, kann auf das Spendenkonto des Nabu Ostfildern-Nellingen bei der Volksbank Esslingen eG überweisen. Die IBAN ist DE 79 6119 0110 0010 0880 08. Als Verwendungszweck sollte „Turmfalke“ angegeben werden.