Michel Stotz (rechts) und Tim Keupp können Hannes Grundler nicht am Wurf hindern. Foto: Rudel - Rudel

Es war ein spannendes Spiel, in den die Entscheidung erst kurz vor Schluss fiel. So hat das Filderteam nach dem Hinspielerfolg auch die Begegnung in eigener Halle gegen den Namensfetter gewonnen.

NeuhausenFür die Beteiligten war es körperlich und mental anstrengend, für die Zuschauer beste Unterhaltung: Das Derby zwischen dem TSV Neuhausen/Filder und dem TV Neuhausen/Erms hatte alles, was Drittliga-Handball ausmachen kann: Dynamik, Athletik, Technik, Taktik und nicht zuletzt Spannung auf dem Spielfeld, Stimmung auf den vollbesetzten Rängen – und Emotionen auf und neben dem Feld. Dass die Gefühlslage hinterher unterschiedlich war, versteht sich von selbst – wobei sich in der Einschätzung alle einige waren, dass die Neuhausener von den Fildern den 32:30 (16:14)-Sieg genau in dieser knappen Höhe verdient hatten. Sie waren von zwei starken das etwas bessere Team.

Das Nervenkostüm von Ralf Bader, dem Trainer der Filder-Neuhausener, war nach den aufreibenden 60 Minuten „ziemlich runtergeritten“, wie er selbst sagte: „Es war ein Auf und Ab der Gefühle und des Spielstandes.“ Er hatte das Spiel gegen seinen Ex-Club so eng erwartet und auf den Sieg gehofft. Sehr zufrieden war er am Ende vor allem damit, wie die Mannschaft in der Schlussphase die Ruhe bewahrt und den knappen Vorsprung verteidigt hatte. Das war schon sehr souverän. Veränderte Vorzeichen

Diese Souveränität war ebenso nicht unbedingt zu erwarten wie der beherzte Auftritt der Gäste von der Erms. Der Zweitliga-Absteiger hat schon während der gesamten Saison Probleme und zwei Trainerwechsel hinter sich. Die Filder-Handballer durchlebten vor dem 28:24-Sieg in der Woche zuvor in Horkheim eine Durststrecke von fünf sieglosen Spielen. Psychologisch interessant waren auch die veränderten Voraussetzungen gegenüber dem Hinspiel Anfang Oktober. Damals waren die Filder-Neuhausener als Aufsteiger klarer Außenseiter und gewannen nach deutlichem Rückstand überraschend mit 26:24. Diesmal waren die Erms-Neuhausener Außenseiter – zumindest, was die Tabellensituation betraf. „Wenn man den Kader betrachtet, bestimmt nicht“, meinte Bader.

Während TSV-Kapitän Hannes Grundler von einem „verdienten Sieg“ auch aufgrund „der besseren Bank“ sprach, haderte Neuhausen/Erms-Spielertrainer Daniel Reusch: „Es war klar, dass das Spiel über den Kampf entschieden wird, am Ende haben Kleinigkeiten entschieden.“ Und die waren? „Neuhausen/Filder hat seine Angriffe besser auf den Punkt gespielt“, analysierte der Kreisläufer im Moment der Enttäuschung.

Das Erms-Team führte nur ganz am Anfang mit 1:0 und mit 26:25 in der 50. Minute. Ansonsten lagen die Vorteile bei den Neuhausenern von den Fildern, die eine starke Mannschaftsleistung zeigten, aus der Rückraumspieler Timo Flechsenhar noch etwas herausragte. Von Anfang an legten beide Teams eine enorme Intensität an den Tag. Neuhausen/Filder führte in der 13. Minute scheinbar komfortabel mit 10:5, obwohl Gäste-Torhüter Simon Tölke noch einige Würfe parierte. Doch das Erms-Team zeigte Willen und Moral und glich durch Ferdinand Michalik in der 24. Minute zum 11:11 aus. Dass sich Michalik, die zweite Hälfte des Trainer-Duos, selbst einwechselte, gab dem Team deutlich mehr Struktur.

Das Spiel blieb spannend und auf hohem Niveau, in den letzten zehn Minuten stand es auf Messers Schneide. Die 900 Zuschauer in der vollen Halle gingen lautstark mit. Erst durch Flechsenhars Treffer zum 31:28 knapp eineinhalb Minuten vor dem Ende war das Spiel entschieden. Nach ein paar Minuten wich in Baders Gesicht dann auch die Anspannung einem breiten Lächeln: „So stellt man sich ein Derby vor.“ Vor allem, wenn man es gewonnen hat.