Klebetattoos sind beliebt beim Nachwuchs, aber teilweise nicht frei von Schadstoffen. Öko-Test hat 15 Produkte unter die Lupe genommen.
Ob Feuerwehrmann Sam oder das Logo des Lieblingsvereins: Mit Klebetattoos können Kinder ihre Helden auf der Haut tragen. Und wenn ein Kind so ein buntes Klebetattoo auf dem Arm hat, wollen plötzlich alle eins. Kaum eine Familie kann sich dem Trend entziehen.
Die Kindertattoos werden mit einem nassen Waschlappen auf die Haut gedrückt, nach wenigen Sekunden lässt sich die Folie abziehen und sie haften auf dem Handrücken oder dem Arm. Und nach ein paar Tagen mit Händewaschen, Schwitzen, Duschen und Baden verschwinden sie von selbst wieder. Das klingt nach einem harmlosen Spaß für Kinder und dementsprechend beliebt sind die Klebetattoos auch als Give-Away bei Kindergeburtstagen oder Sommerfesten.
Die Liste der gefundenen Problemstoffe ist lang
Doch bei genauem Hinsehen ist der Spaßfaktor deutlich getrübt: Nach einer Untersuchung der Zeitschrift „Öko-Test“ enthalten die meisten Klebetattoos nämlich eine Fülle von Problemstoffen, die teilweise hormonell wirksam und mitunter sogar krebserregend sind. „Die Liste der gefundenen Problemstoffe im Test ist lang“, sagt Öko-Test-Redakteurin Marieke Mariani. „Die Hersteller müssen dringend die Zusammensetzung der Tattoos ändern – insbesondere weil es sich um Produkte für Kinder handelt.“
Die Tester nahmen Kindertattoos von 15 Herstellern unter die Lupe, die in Spielzeugläden, Schreibwaren-, Kostüm- und Partybedarfsgeschäften sowie in Drogerien und im Internet eingekauft wurden. Verschiedene Labore untersuchten die Produkte unter anderem auf Schwermetalle, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) sowie Lösemittel wie Benzol, Styrol, Toluol und Xylol.
Das erschreckende Ergebnis: Die Produkte von 13 der 15 getesteten Hersteller fielen glatt durch und wurden mit der Testnote „ungenügend“ bewertet, nur zwei bekamen die Note „sehr gut“ und gelten demzufolge als empfehlenswert. Die Kritik der Tester entzündete sich an lückenhafte Inhaltsangaben der Hersteller und einer Fülle an Problemstoffen. In einem Produkt steckte sogar krebserregendes Benzol, nämlich in den auf der Handelsplattform Shein gekauften „Kinder Cartoon Tattoo Aufklebern, Armbanduhr, 10 Bögen“ des Herstellers Infinite Style. Die Substanz ist krebserregend und in Kosmetikprodukten generell verboten. Der Gehalt überschritt zudem den Grenzwert der europäischen Chemikalienverordnung (Reach) für Spielzeug.
Nur zwei Marken kommen im Test gut weg, aber . . .
Außerdem fanden die Tester in diesem Produkt auch Naphtalin – einen Stoff der von der EU und dem Bundesamt für Risikobewertung (BfR) als „vermutlich krebserregend“ gelistet ist. Dieser wurde auch bei den Tattoos von zwei weiteren Marken nachgewiesen, die die Tester auf den Handelsplattformen Temu und Amazon erworben hatten. Amazon, Shein und Temu nahmen die betroffenen Produkte daraufhin auf ihren Plattformen aus dem Verkauf. „Es ist verboten, Bedarfsgegenstände derart herzustellen oder zu behandeln, dass sie geeignet sind, die Gesundheit durch ihre stoffliche Zusammensetzung zu gefährden. In kosmetischen Mitteln darf Naphtalin nicht enthalten sein“, so ein BfR-Sprecher. Mitunter komme es aber zu Verunreinigungen, etwa durch die Verwendung von Rußen, die zum Schwarzfärben eingesetzt werden.
Nur zwei Marken, Lutz Mauder und Namaki, waren frei von Problemstoffen und schnitten im Test „sehr gut“ ab. Allerdings hat Lutz Mauder den Verbraucherschützern eine Umstellung seines Produktes angekündigt – ausgerechnet auf die Zusammensetzung vieler Testverlierer.