Der Mittelfeldspieler geht nach Saudi-Arabien. Dafür kassiert der Pokalsieger unerwartet viel Geld. Wir beleuchten den Stand bei der Suche nach einem Nachfolger.
Der Trainer hat es sich so gewünscht. Ein Gegner, der Gegenwehr leistet. „Eine abgezockte Männermannschaft“, wie sie Sebastian Hoeneß nennt. Damit hat seine Mannschaft ja schon in der vergangenen Champions-League-Saison gegen Atalanta Bergamo (0:2) Erfahrungen gesammelt, die nachwirken. Es gab kein Durchkommen.
Auch der FC Bologna hat die Erwartungen beim Test rund um die Saisoneröffnungsfeier erfüllt. Taktisch ausgereift, clever im Zweikampf und effizient im Abschluss. Mit 0:1 unterlag der VfB Stuttgart und sieht die Begegnung als wichtigen Gradmesser vor dem kommenden Supercup gegen den FC Bayern an. „Man hat gesehen, dass es gegen einen solchen Gegner mehr braucht als zuletzt, um sich durchzusetzen“, sagt der Trainer, „das war gutes Bundesliganiveau.“
Dem VfB mangelte es an Kaltschnäuzigkeit und Präzision beim Abschluss unter Druck. Denn rein spielerisch ergaben sich genug Möglichkeiten, um zum Erfolg zu kommen. „Wir haben das Spiel weitgehend kontrolliert“, sagt Hoeneß. Für die überraschenden Momente sorgte in erster Linie Deniz Undav, doch einen Schuss mehr Kreativität hätte der deutsche Pokalsieger im Duell mit dem italienischen Pokalsieger durchaus gebrauchen können – um mehr Lücken im eng geknüpften Defensivnetz zu finden.
Enzo Millot ist ein Spieler, der solche Nadelöhre sieht und mit seinem feinen linken Fuß den Ball hindurchpassen oder selbst mit dem Spielgerät durchschlüpfen kann. Allerdings hat sich der Franzose endgültig nach Saudi-Arabien verabschiedet – emotional.
„Liebe VfB-Fans, wo soll ich nach vier Jahren mit euch anfangen? Ich möchte euch allen für eure tägliche Unterstützung danken! Vom Klassenerhalt in letzter Minute gegen Köln über das Play-off gegen Hamburg bis hin zum Vizemeister der Bundesliga, der Champions League und schließlich dem DFB-Pokalsieger 2025, was für eine Entwicklung ich mit euch erlebt habe! Danke an die Stadt Stuttgart, die mir immer am Herzen liegen wird, denn meine ersten beiden Kinder wurden hier geboren!“, schrieb der 23-Jährige auf Instagram. Beim VfB heißt es: Merci, Enzo!“
Die Liaison zwischen Millot und den Stuttgartern war also eine besondere. Und für den Mittelfeldspieler besonders erfolgreich, seit Hoeneß das Sagen hat. Mit seinen Pokaltoren gegen den 1. FC Nürnberg (Hoeneß’ erstes Pflichtspiel im April 2023) und im diesjährigen Finale gegen Arminia Bielefeld rahmt er das Wirken des Trainers bisher sogar ein. Zur Wahrheit der vergangenen Rückrunde gehört jedoch, dass der Techniker nicht immer seine Spitzenleistung gebracht hat. Zur nüchternen Betrachtung des Transfers zählt zudem, dass die Stuttgarter unerwartet viel Geld einstreichen, da sie von Al-Ahli SFC 30 Millionen Euro an Ablösesumme erhalten und der Juniorennationalspieler zu einem Club wechselt, zu dem kein sportliches Konkurrenzverhältnis besteht.
Die Einnahmen schaffen nun auf dem Personalsektor neue Möglichkeiten. Doch der VfB ist nicht bereit, jeden Euro gleich wieder in Beine zu investieren und jeden aufgerufenen Preis für einen potenziellen Millot-Nachfolger zu bezahlen. Weshalb der zuletzt gehandelte Fabio Vieira zwar ein Kandidat bleibt, aber etwas aus dem Fokus gerückt ist. Der Portugiese ist im Augenblick schlichtweg zu teuer, da der FC Arsenal eine Ablösesumme von eher 25 Millionen Euro verlangt und die Stuttgarter eher bei 15 Millionen Euro liegen würden.
Ohnehin stellt sich an der Mercedesstraße die Frage, wie die Kaderplanung strategisch vorangetrieben wird. Braucht die Mannschaft auf ein, zwei Positionen noch Soforthilfen, um sich weiterzuentwickeln – oder funktioniert es auf längere Sicht auch mit Talenten? Noah Darvich ist so ein Perspektivspieler, 18 Jahre jung und hochbegabt am Ball. Bei seinem ersten Auftritt gefiel der Offensivspieler gleich mit zwei Toren im Test gegen Racing Straßburg (7:1).
Doch Darvich benötigt sicher noch Zeit, um sich dauerhaft in die VfB-Elf zu spielen. „Wir haben aber weiter einen scharfen Blick auf den Transfermarkt“, sagt Fabian Wohlgemuth. Es soll noch Verstärkung kommen. Am liebsten wäre dem Sportvorstand wohl ein Spieler, der im offensiven Bereich flexibel einsetzbar ist. Spielstark genug, um über das Zentrum Lösungen zu finden und schnell genug, um auch auf die Flügel ausweichen zu können – einer wie Millot.