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Der VfB Stuttgart hat sich gegen den FC St. Pauli zu einem 2:1 gemüht und ist mit Spitzenreiter Hamburger SV gleichgezogen. Das Siegtor gelang einem Spieler, der schon viele unglückliche Situationen im VfB-Trikot hatte - und seinen Trainer zum Singen brachte.

Stuttgart (dpa/lsw) Stuttgarts Trainer Tim Walter verließ die Katakomben der Mercedes-Benz Arena nach dem hart erkämpften 2:1 gegen den FC St. Pauli singend. Mit erhobenen Armen und einem «Schala La La La La La» lief der 43-Jährige am Samstag an den Journalisten vorbei und grinste, mit sieben Punkten hat der VfB so viele wie Spitzenreiter Hamburger SV. Dabei hatte am 3. Spieltag der 2. Fußball-Bundesliga lange wenig darauf hingedeutet, dass Walter am Ende mit so guter Laune nach Hause fahren konnte - denn sein Team hatte vor allem in der ersten Halbzeit offensiv enttäuscht, gegen die noch sieglosen Hamburger kaum Torgefahr heraufbeschworen und durch den starken Mats Möller Daehli ein Gegentor kassiert (18. Minute).

Noch in der Halbzeitpause war die Laune des Coaches daher angesäuert gewesen - sowohl der mit Oberschenkelproblemen ausgewechselte Kapitän und Torschütze zum 1:1, Marc Oliver Kempf, als auch Routinier Gonzalo Castro berichteten von einer lauten Ansprache. «Das war auch für uns ein kleiner Rüttler», sagte Kempf zu der Ansage. «Hauptkritikpunkt war, dass wir zu langsam gespielt hatten und einen Tick zu wenig Bewegung hatten, wie so oft», berichtete er.

In der mit 53 315 Zuschauern nicht ausverkauften Mercedes-Benz Arena konnte Walter auf nahezu alle Spieler zugreifen, der wechselwillige Grieche Anastasios Donis und Acht-Millionen-Euro-Neuzugang Silas Wamangituka schafften es gar nicht in den Kader. Dennoch war die Mannschaft mit einem etwa vier mal so großen Marktwert wie dem der Gäste aus Hamburg nicht in der Lage, ihre Qualität auch auszuspielen. «Wir müssen mehr Tempo rein bringen ins Spiel, das hatten wir in der ersten Halbzeit nicht. Da haben wir dem Gegner auch gewisse Dinge überlassen», sagte Walter, der von der Seitenlinie oft versuchte mit Zeichen und Signalen einzugreifen.

Der VfB hatte über weite Strecken der Partie zwar deutlich mehr als 60 Prozent Ballbesitz, nach einer guten Anfangsphase aber über lange Zeit kaum noch zwingende Torchancen. Auch der Ausgleich durch Kapitän Kempf nach einer flach ausgeführten Ecke sorgte nicht für mehr Struktur und Selbstverständnis im Spiel nach vorne.

Kam die Mannschaft doch mal in die gefährliche Zone, wurden die Gelegenheiten vergeben - so wie vom eingewechselten Nicólas González, der in der 70. Minute wenige Meter vor dem Tor ein Luftloch schlug. Der Argentinier, der mit der U23 seines Heimatlandes zuletzt die Panamerika-Spiele gewonnen und deswegen die bisherigen Saisonspiele allesamt verpasst hatte, hatte schon viele ähnlich unglückliche Situationen in seiner Zeit beim VfB. Am Ende war er dennoch der Matchwinner.

Kurz vor Schluss drückte er eine Flanke von Borna Sosa über die Linie zum Siegtreffer und sorgte für großen Jubel bei den Fans und Trainer Walter. «Von mir aus kann er noch mehr verpulvern. Wenn er dann in der 90. da steht und den macht - ja und? Ich bin sehr zufrieden mit ihm», lobte Walter und ging wenig später singend aus dem Stadion.

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