Emotional am Spielfeldrand: Kai Wandschneider, der Trainer der HSG Wetzlar Foto: Baumann

Bis zu seinem Wechsel zum TVB Stuttgart spielte Viggo Kristjansson in der Handball-Bundesliga keine besondere Rolle. Sein Ex-Trainer Kai Wandschneider von der HSG Wetzlar versucht vor dem Duell gegen den TVB, die Leistungsexplosion zu erklären.

Stuttgart - An diesem Sonntag (16 Uhr) tritt der Handball-Bundesligist TVB Stuttgart bei der HSG Wetzlar an. Für den isländischen Top-Torjäger Viggo Kristjansson (26) ist das die Rückkehr an die alte Wirkungsstätte. Wetzlars Trainer Kai Wandschneider (61) freut sich darauf.

Herr Wandschneider, am Sonntag kommt der TVB Stuttgart nach Wetzlar...

Und das freut mich sehr. Ich freue mich immer, wenn wir in diesen Zeiten spielen können.

Und einen alten Bekannten können Sie auch begrüßen. Der TVB kommt mit Viggo Kristjansson, dem Top-Torjäger der Bundesliga mit 76 Treffern in zehn Spielen.

Viggo war auch bei uns schon gut. Er ist schnell, er hat ein gutes Auges, er ist wurfstark. Mir ist schleierhaft, warum ihn der SC DHfK Leipzig im November 2019 zu uns ziehen ließ.

Dann mal der Reihe nach: In der Saison 2019/20 erzielte Kristjansson in Leipzig in 13 Spielen 18 Tore, bei der HSG Wetzlar in 16 Spielen 26 Tore. Das zeigt doch eindeutig, dass er erst beim TVB Stuttgart förmlich explodiert ist. Wir erklären Sie sich das?

Viggo ist in Stuttgart die klare Nummer eins. Durch die anfänglichen Verletzungsprobleme von Jerome Müller hatte er beim TVB auf seiner Position im rechten Rückraum keine Konkurrenz. Das tat ihm sicher gut. Aber noch einmal: Viggo hatte sich bei uns in Wetzlar top integriert, sowohl menschlich, als auch sportlich. Er war auf einem sehr guten Weg.

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Warum haben Sie ihn dann nach Stuttgart ziehen lassen?

Die Vereinsführung hatte sich schon frühzeitig für die Verpflichtung des kroatischen Linkshänders Ivan Srsen entschieden. Damit war die zweite Position neben dem montenegrinischen Nationalspieler Stefan Cavor im rechten Rückraum besetzt.

Wie ist Ihr Standpunkt zu der WM-Austragung im Januar?

Wenn ich sehe, dass Stephan Swat, der Trainer von Zweitligist EHV Aue, wegen Corona im Krankenhaus liegt. Oder dass es Nationalspieler Juri Knorr von GWD Minden nach der Infektion gar nicht gut ging – dann bestätigt das, dass ganz grundsätzlich die Gesundheit an erster Stelle stehen muss. Aber man sollte auch die einzelnen Interessenlagen berücksichtigen.

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Wie meinen Sie das konkret?

Alle Clubs wollen die Bundesligaspiele austragen, weil es sonst das Berufsbild Handballspieler irgendwann nicht mehr gibt. Kiel und Flensburg wollen auch Champions League spielen, weil sie nur durch diese Einnahmen ihre teuren Kader finanzieren können. Die EHF hat Interesse daran, die EM der Frauen auszutragen, weil es den Verband praktisch nicht mehr gibt, wenn nicht gespielt wird. Und dem Weltverband IHF und seinem Präsidenten Hassan Moustafa geht es bei der WM eben auch um die entscheidende Einnahmequelle. Mein darf also nicht scheinheilig argumentieren, sondern muss schon die verschiedenen Interessenlagen berücksichtigen. Allerdings haben Clubs und Verbände auch eine Fürsorgepflicht gegenüber den Spielern und diese wiederum gegenüber ihren Familien.

Glauben Sie, dass ein Nationalspieler auf die WM freiwillig verzichten würde?

Das muss jeder für sich entscheiden. Ich hoffe nur, dass der Spieler dann auch offen und transparent seine Gründe nennt.

Und sich nicht wegen einer Oberschenkelzerrung abmeldet?

So viel Charakter und Rückgrat traue ich jedem Handballer zu.

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