Bäckermeister Markus Stuber und seine Frau Imke Evers haben in vierter Generation die Bäckerei geführt – nun sind die Türen für immer zu. Foto: Michael Käfer ( Archiv), Eva Schäfer

Nach 122 Jahren geht eine Ära in Fellbach zu Ende. Die Bäckerei Stuber hat endgültig die Türen geschlossen. Bäckermeister Markus Stuber blickt zurück, wir zeigen die schönsten Bilder.

Bäckermeister Markus Stuber und seine Frau Imke Evers stehen am Montag in dem leergeräumten Verkaufsraum. Alles ist weg, kein Bauernbrot liegt im Regal, kein Hefezopf, keine Laugenbrötchen, keine Weihnachtsplätzchen, der Duft der frischen Backwaren ist verzogen. Seit Samstag hat die Traditionsbäckerei am Cannstatter Platz für immer geschlossen. Nach 122 Jahren ging damit eine Ära im Handwerk in Fellbach zu Ende. Dass das für viele Kunden ein großer Einschnitt war, habe er besonders Ende der vergangenen Woche gespürt, sagt Bäckermeister und Konditor Markus Stuber. „Die Kunden brachten Blumensträuße zum Abschied vorbei“, sagt er, „es gab ein unglaubliches Feedback.“

Manche hätten sogar Tränen in den Augen gehabt. Ein Stammkunde sei am Samstag vorbeigekommen und habe keine Worte mehr über die Lippen gebracht. „Manche Kinder, die früher ihre Brezeln hier geholt haben, sind heute Oma“, sagt Markus Stuber und verdeutlicht damit, wie lange der Betrieb eine Institution am Cannstatter Platz war.

Der Vater von Markus Stuber hat den Betrieb 40 Jahre geführt

Schweren Herzens haben Markus Stuber und seine Frau Imke Evers sich zu dem Schritt entschieden, die Bäckerei nach so vielen Jahren aufzugeben. Markus Stuber führte den Betrieb in vierter Generation. Auf einem historischen Schwarzweißbild steht sein Vater Karl Manfred mit dem Gründer Karl Stuber und dessen Sohn, der ebenso Karl Stuber hieß, vor einem riesigen Ofen in der weißen Bäckerkluft mit hochgekrempelten Ärmeln.

„40 Jahre, von 1958 bis 1998, hat mein Vater Karl Manfred den Betrieb mit meiner Mutter Renate in Fellbach geführt, das war die längste Zeit“, sagt Markus Stuber. Von ihm hat er die Bäckerei 1998 übernommen. Sein Vater ist 2010 verstorben, seine Mutter Renate lebt noch, berichtet Markus Stuber. Ein anderes Foto zeigt das Gebäude aus den Anfangszeiten um 1905 vor dem Umbau – ein Fachwerkhaus mit Klappläden, an dem ein Schild mit der Aufschrift „Karl Stuber Konditorei und Bäckerei“ angebracht ist.

Ein Bild von den Anfängen: Der Vater von Markus Stuber, Karl Manfred Stuber (links) mit dem Gründer Karl Stuber (Mitte) und dessen Sohn Karl Stuber Foto: Archiv FZ

Viel hat sich seitdem natürlich getan. Und Markus Stuber hatte mit seinem Team viel auf die Beine gestellt. So war die Bäckerei stark vertreten bei der internationalen Ostereierbörse, als diese damals von Messe-Macher Roland Fischinger in der Schwabenlandhalle organisiert worden war. Beim Fellbacher Herbst hatte die Bäckerei über viele Jahre einen Verkauf mit Café vor ihrem Geschäft.

Die Rezepte von den Gutsle stammen noch vom Gründer

Auch beim Weihnachtsgutsle-Test unserer Zeitung vor Jahren war der Bäckermeister in der Jury vertreten. Apropos Gutsle: Die Rezepte der beliebten Weihnachtsbäckerei haben lange Tradition. „Alle Weihnachtsrezepte stammen noch vom Gründer“, sagt Stuber. Diese seien in den Büchern in altdeutscher Schrift verfasst. Das betreffe etwa Rezepte für Butter S, Zimtsterne, Bärentatzen, Springerle, Stollen und Schnitzbrot. Jeder habe allerdings über die Jahre noch eine Feinheit dazugegeben, denn manche Rohstoffe wie Zitronat hätte man damals nicht zur Verfügung gehabt.

Eine historische Aufnahme der Bäckerei um 1905 in der Fellbacher Mozartstraße Foto: Archiv FZ

Fast 30 Jahre – im nächsten Jahr wären es 28 Jahre gewesen – führte Markus Stuber den Betrieb. Von 2006 bis 2013 gab es zudem eine Filiale in der August-Brändle-Straße in den ehemaligen Räumen der Bäckerei Pfander. Doch habe man sich dann wieder entschlossen, sich auf ein Hauptgeschäft zu konzentrieren, sagt der Bäckermeister.

Über viele Jahre sei der Betrieb sehr gut gelaufen. Auch das Liefergeschäft sei sehr erfolgreich gewesen. Doch Corona habe einen harten Schnitt gebracht. „Rund 30 Prozent unserer Kunden haben wir in der Coronazeit verloren“, sagt Stuber. Er vermutet, dass sich die Laufwege der Kunden verändert hätten, manche seien wohl gar nicht mehr in der Stadt unterwegs gewesen und im Homeoffice geblieben.

Auch manche Gastronomie, die man beliefert hatte, habe man verloren. Trotz der Coronakrise habe man alle Mitarbeiter behalten und gehofft, dass sich das Blatt wieder wende. Doch auf die Coronakrise folgten weitere Hürden: steigende Rohstoffpreise, Gasknappheit und manches mehr, was die Betriebskosten in die Höhe drückte. Er wolle nicht jammern, das betont Markus Stuber immer wieder, aber für ein kleines Unternehmen wie eine Handwerksbäckerei brauche es Zeiten, in denen es wieder auf die Beine kommen könne, und nicht eine Belastung auf die nächste folge.

Markus Stuber und seine Frau Imke lassen sich noch offen, wie es für sie weitergeht. Und die Räume? Da sei geplant, dass dort wieder gebacken werde, sagt Stuber.

Doch jetzt, wenn er in dem leeren, ausgeräumten Ladengeschäft steht, das er mit seinem Team mit so viel Leben gefüllt hat, liegt es ihm am Herzen, sich nochmals bei den Kunden zu bedanken: „Wir haben so viel Wertschätzung und Anerkennung in Fellbach bekommen, wie man es sich als Geschäftsbetrieb nur wünschen kann.“