Alena Oßmann und ihre Mutter Christiane warten am Flughafen von Santa Cruz darauf, dass es für sie weitergeht. Foto:  

Alena Oßmann und ihre Eltern saßen in Bolivien fest und wussten nicht, wie sie nach Hause kommen sollten. Über tagelange Ungewissheit und eine Odysee zurück nach Deutschland.

Esslingen - Die Esslingerin Alena Oßmann, 24, und ihre Eltern haben es fast hinter sich. Nach Tagen der Ungewissheit warten die drei am Lissabonner Airport auf den Weiterflug. Sie saßen in Santa Cruz in Bolivien fest, wussten nicht, wie sie heimkommen sollten. „Der absolute Horrortrip“, sagt die Studentin.

Als die Familie am 7. März nach Bolivien aufgebrochen war, war die Freude groß. Alena Oßmann hatte dort 2014 ihren Bundesfreiwilligendienst geleistet. Nun wollte sie das südamerikanische Land mit ihren Eltern bereisen, ihre Gastfamilie besuchen und in den schönen Erinnerungen ihrer Bufdi-Zeit schwelgen. Eine Woche klappte das auch ganz gut. Von Santa Cruz, wo sie gelandet waren, ging es nach Samaipata. Dann in die Hauptstadt Sucre und nach Uyuni, um den berühmten Salzsee zu besichtigen. Auf dem Weg nach Uyuni kam dann eine Meldung nach der anderen.

Der letzte Bus

„Plötzlich hat das Auswärtige Amt wegen des Coronavirus eine generelle Reisewarnung herausgegeben“, sagt Alena Oßmann. Außerdem seien in ganz Bolivien Straßen gesperrt und Städte abgeriegelt worden. „Wir dachten uns: Spannend, wie soll das weitergehen?“ Hinzu kam, dass Uyuni eine kleine Stadt ist, die Reisemöglichkeiten also dementsprechend limitiert sind. „Da ging gar nichts“, sagt die Architekturstudentin. „Wir wussten nur, wir müssen weg.“ Es war ein schneller Impuls, der den Dreien aus ihrer misslichen Lage half. Sie suchten das nächste Reisebüro auf und fragten nach Busverbindungen in die Großstadt Santa Cruz. Sie hätten sehr viel Glück, sagte die Frau im Reisebüro. „Die letzte Verbindung geht in einer halben Stunde.“

„Meine Mutter und ich beeilten uns. Wir gingen ins Hotel zurück und packten unsere Sachen. Mein Vater regelte in der Zwischenzeit den Papierkram mit der Reiseagentur“, erinnert sich die 24-Jährige. Mit dem Bus gelangten die Esslinger zurück zu ihrem Ausgangspunkt Santa Cruz. Das war am Montag vergangene Woche. Von da an saßen sie in der bolivianischen Großstadt fest.

„Der deutsche Botschafter rief uns an und erklärte, dass ab Donnerstag alle Grenzen schließen.“ Wie sollten sie das Land verlassen? „Wir hatten Angst“, erzählt Alena Oßmann. „Wir konnten nichts dagegen tun. Es ist die Ungewissheit, die Angst macht.“

Die Esslinger Familie ist keineswegs ein Einzelfall. Am Montag hatte Bundesaußenminister Heiko Maas in einer Videokonferenz mitgeteilt, dass zum Zeitpunkt der weltweiten Grenzschließungen etwa 200 000 Deutsche im Ausland Urlaub gemacht haben. 130 000 von ihnen wurden bereits zurückgeholt, 70 000 sitzen jedoch immer noch fest, teilt das Auswärtigem Amt mit.

In Quarantäne

Dass nicht alle auf einmal heimgeflogen werden können, das sei klar, sagt Alena Oßmann. Viel mehr kritisiert sie die Kommunikation der deutschen Botschaft und des Auswärtigen Amtes. Die Familie habe kaum Informationen bekommen. „Wir wurden richtig im Regen stehen gelassen“, kritisiert die Studentin. In dem Sozialen Netzwerk Instagram beschrieb sie ihren Frust: „In Deutschland wird berichtet, dass alle Urlauber zeitnah zurückgeholt werden. Nun ja. Wir gehören offenbar nicht zu allen.“ Die Familie saß im Hotel in Quarantäne, die Schließung der bolivianischen Landesgrenzen stand bevor und niemand konnte ihnen die Frage beantworten, wie sie aus dieser Situation herauskommen.

Am Freitagabend kam dann eine Nachricht via Instagram: „Wir hatten super viel Glück und einen der allerletzten Flüge bekommen“, schreibt Alena Oßmann. Von Santa Cruz aus ging es für die Esslinger nach Chile, dann Sao Paolo in Brasilien und über den Atlantik nach Lissabon. Europäischer Boden unter den Füßen. Bald zuhause. Die drei Esslinger sind mit einem Schrecken davongekommen. Doch der Frust über den langersehnten Urlaub und vor allem über die Untätigkeit der Behörden – der bleibt.

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