Die tote Frau wurde in den Weinbergen Untertürkheims, oberhalb der Augsburger Straße entdeckt. Foto: Sebastian Steegmüller

Die Polizei hat am Sonntagabend die Leiche einer 19-Jährigen entdeckt. Nichts spricht für ein Gewaltverbrechen. Jedoch könnten Videoaufnahmen, die in der Nähe des Fundorts von einer Überwachungskamera gemacht wurden, neue Erkenntnisse liefern.

Im Fall der toten 19-Jährigen, die am Sonntagabend in den Weinbergen Untertürkheims entdeckt worden ist, könnten Aufnahmen einer Videoüberwachung die Ermittler möglicherweise ein gutes Stück weiterbringen. Sie wurden an diesem Donnerstag gesichert und werden nun ausgewertet. Die Kameras, die einige Meter unterhalb des Fundorts an einem Betriebsgebäude angebracht sind, könnten somit die letzten Stunden im Leben der jungen Frau gefilmt haben.

Nach bisherigen Erkenntnissen war sie gemeinsam mit ihrem gleichaltrigen Freund aus Aurich, der zweitgrößten Stadt Ostfrieslands, in Stuttgart zu Gast. An Karfreitag hatten sich die beiden 19-Jährigen mit einem fünf Jahre älteren Pärchen in Untertürkheim getroffen, um unter anderem unbekannte Substanzen – mutmaßlich Drogen – zu konsumieren. Das traurige Ende ist bekannt: Rund 48 Stunden später wurde die Leiche der jungen Frau aus Niedersachsen in den Weinbergen zwischen Augsburger Straße und dem Aussichtspunkt Mönchberg gefunden. Ihr lebloser Körper lag in einem Gebüsch.

Freund fährt wohl alleine nach Aurich zurück

Wie die Frau dort hingekommen ist und wo sich die Vierergruppe zuvor aufgehalten hat, ist noch unklar beziehungsweise wird von den Ermittlern nicht preisgegeben. Auch sonst wirft der Fall noch einige Fragen auf. Ihr Freund war noch am Osterwochenende in das rund 600 Kilometer entfernte Aurich – ohne seine Partnerin – zurückgekehrt. Er wandte sich am Sonntag mit „einem Hinweis“ an die dortige Polizei. Im Anschluss informierten die ostfriesischen Beamten ihre Stuttgarter Kollegen, die alle Hebel in Bewegung setzten, um die junge Frau zu finden. Neben einem Hubschrauber kam auch ein Spürhund zum Einsatz.

Was der 19-Jährige zu Protokoll gab, teilen Polizei und Staatsanwaltschaft aus ermittlungstaktischen Gründen nicht mit. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte sich der Gesundheitszustand seiner Freundin bereits am Freitagabend nach der Einnahme des Rauschmittels mehr und mehr verschlechtert – und dennoch soll das Trio keine Hilfe geholt haben. Mit Verweis auf laufende Ermittlungen werden keine Angaben zum weiteren Geschehen am Wochenende gemacht. Möglicherweise könnte die junge Frau aber noch leben, hätte man umgehend den Rettungsdienst alarmiert.

Dementsprechend wird gegen die drei Beteiligten wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung durch Unterlassen ermittelt. Weder der 19-Jährige noch das Pärchen, beide 24 Jahre alt, seien in Untersuchungshaft gekommen, sagt Polizeisprecherin Daniela Treude am Donnerstag. Entgegen anderslautender Medienberichte habe man sie auch nicht vorläufig festgenommen, sondern nur vernommen. Patrick Fähnle, Sprecher der Staatsanwaltschaft Stuttgart, betont, dass es „vom Ergebnis der weiteren Ermittlungen abhängen wird, ob und welche Tatbestände letztlich mit der für eine Anklageerhebung erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachweisbar sind“. Das Gesetz sehe nach Paragraf 222 des Strafgesetzbuches für den Tatbestand der fahrlässigen Tötung eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe vor. „Sollte nach Abschluss der Ermittlungen Anklage erhoben werden, entscheidet das zuständige Gericht darüber, ob und in welcher Höhe eine Strafe ausgesprochen wird“, so Fähnle.

Toxologische Untersuchung dauert noch an

Noch ist man von einer möglichen Anklage jedoch weit entfernt. Mittlerweile wurde aber bereits die Obduktion durchgeführt. „Nach derzeitigem Stand bestehen keine Anhaltspunkte für eine todesursächliche Gewalt“, so der Staatsanwalt, der damit den ersten Eindruck der Ermittler bestätigt. Weitere Auskünfte zum Ergebnis könne er noch nicht erteilen, weil weitere Untersuchungen anstehen würden. Von großem Interesse für die Ermittler wird sein, welche Substanzen die junge Frau eingenommen hat. Mit den Ergebnissen des toxikologischen Gutachtens sei in den nächsten Wochen zu rechnen.