Erling Haaland ist der jüngste Vierfachtorschütze in der Geschichte der Bundesliga. In unserer Bildergalerie sehen sie weitere Torjäger-Bestmarken. Foto: dpa/Gregorio Borgia

Der BVB-Star Erling Haaland hat beim 5:2-Sieg in Berlin erstmals vier Tore erzielt und damit auch das Debüt des 16-jährigen Youssoufa Moukoko zum Randthema gemacht. Wie lange darf sich die Bundesliga noch an dem Vollblutmittelstürmer aus Norwegen erfreuen?

Berlin/Stuttgart - Der junge Mann, den sie das Wunderkind nennen und auf dessen Bundesliga-Debüt sie schon seit Monaten hingefiebert hatten, lieferte zum Einstand eher unspektakuläre Werte: Sechs Ballkontakte, zwei gespielte Pässe, 1190 zurückgelegte Meter. Das war bei seinem achtminütigen Kurzeinsatz die Bilanz von Youssoufa Moukoko, die keine Rede wert gewesen wäre, gäbe es nicht auch noch diese anderen Zahlen – sein Alter von 16 Jahren und einem Tag.

Womöglich war es mit Blick auf die Bodenhaftung des seit Samstag jüngsten Spielers der Bundesliga-Historie ja gar nicht so schlecht, dass die Hauptgeschichte des 5:2-Siegs von Borussia Dortmund bei Hertha BSC nicht Moukoko schrieb. Sondern wieder einmal jener junge Mann, der schon ein bisschen länger dabei ist, die Fußballwelt aus den Angeln zu heben: Erling Haaland, dem in Berlin 27 Ballkontakte und sechs Torschüsse genügten, um vier Treffer zu erzielen, darunter einen Hattrick innerhalb von 15 Minuten.

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Die unglaubliche Erling-Haaland-Show geht also weiter – nur die Synonyme und Superlative könnten irgendwann ausgehen. Als „Tormaschine“, „blonder Riese“ oder „Killer mit dem Milchgesicht“ gilt der erst 20 Jahre alte Norweger schon länger; von der einfachen „Naturgewalt“ hat ihn die italienische Zeitung „Tuttosport“ vergangene Woche zum „Tsunami aus Fleisch und Blut“ befördert. Anlass war die jährliche Kür des „Golden Boy“, bei der Journalisten aus ganz Europa den aufregendsten Jungstar im internationalen Fußball wählen. Wer sonst als Erling Haaland hätte gewinnen sollen?

BVB-Coach Lucien Favre verliert beim Torezählen den Überblick

„Für ihn gibt es nach oben kein Limit“, davon ist sein norwegischer Landsmann, der frühere Bundesligaprofi Jan Aage Fjörtoft, schon eine Weile überzeugt. Seit dem 20-Millionen-Euro-Wechsel von RB Salzburg zum BVB Anfang dieses Jahres hat Haaland in 22 Bundesligaspielen 23 Tore geschossen – Rekord für einen Bundesliga-Neuling. Eine neue Bestmarke war auch sein Viererpack in Berlin, mit dem er den früheren Frankfurter Luka Jovic als jüngsten Vierfachtorschützen der Liga-Geschichte ablöste. „Es ist ein perfektes Jahr für mich“, sagte Haaland, nachdem er dem ungläubig staunenden BVB-Coach Lucien Favre bei seiner Auswechslung vorgerechnet hatte, dass er tatsächlich vier- und nicht nur dreimal erfolgreich gewesen war.

Man kann schon mal durcheinanderkommen bei diesem Vollblutmittelstürmer, vor dem auch viele weitere Bundesliga-Rekorde nicht mehr sicher scheinen. Weder die 40 Tore in nur einer Saison, mit denen Bayern-Legende Gerd Müller seit 1972 an der Spitze der ewigen Torjägerliste rangiert. Noch die bis heute unerreichten sechs Tore, die Dieter Müller in einem Spiel schoss, dem 7:2-Sieg des 1. FC Köln gegen Werder Bremen im August 1977. Er habe noch viel Luft nach oben, das betont Haaland gerne selbst, vor allem das Kopfballspiel gilt trotz seiner Größe als ausbaufähig.

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Schon jetzt aber verfügt der Mittelstürmer über eine so faszinierende wie seltene Kombination aus körperlicher Robustheit, ausgefeilter Technik, enormer Geschwindigkeit und unbändigem Siegeswillen. „Wenn er jetzt noch weitere Erfahrung sammelt, wird er noch viel besser“, sagt Jan Aage Fjörtoft.

Fragt sich nur, wie lange Haaland noch in der Bundesliga zu bewundern sein wird. Ganz Europa beneidet den BVB um den Norweger, zu dessen sorgfältiger Karriereplanung es gehörte, den zweiten großen Schritt nach seinem Wechsel nach Salzburg bei Borussia Dortmund zu machen, der seit einigen Jahren wohl attraktivsten Anlaufstelle für Talente aus ganz Europa. Vor allem Real Madrid soll angeblich bereit sein, zur Not auch deutlich mehr als die 80 Millionen Euro zu bezahlen, auf die Haalands Marktwert derzeit noch taxiert wird, Tendenz rasant steigend.

„Das Ausland hat keine Preiorität“, sagt Haalands Vater

Wohl auch deshalb sah sich sein Vater Alf-Inge Haaland, selbst einst norwegischer Nationalspieler und früherer Profi in der englischen Premier League, schon vor der Gala in Berlin dazu veranlasst, die BVB-Fans zu beruhigen: „Ich denke, er möchte mit Dortmund einige Pokale gewinnen. Das ist sein Ziel“, sagte der 48-Jährige im Interview mit Sport 1: „Erling kann in Deutschland noch sehr viel erreichen und sich toll weiterentwickeln. Das Ausland hat keine Priorität für uns.“ Gleichzeitig weiß aber auch Haaland senior: „Man weiß nie, was passiert.“

Beruhigend für die Borussia also, dass ein möglicher Nachfolger schon bereit zu stehen scheint. „Er ist viel weiter, als ich es mit 16 Jahren war“, sagt Erling Haaland über Youssoufa Moukoko, den anderen neuen Rekordspieler der Bundesliga: „Er ist das größte Talent der Welt und hat eine tolle Karriere vor sich.“