Stuttgarts Simon Terodde (links) wird von Aues Louis Samson im Strafraum gefoult. Den Elfmeter verwandelte Terodde anschließend zum 1:0. Foto: dpa - dpa

Von Hannes Kern

Stuttgart – Was wäre der VfB Stuttgart ohne Simon Terodde? Der Torjäger vom Dienst erzielte beim 3:0-Sieg des Fußball-Zweitligisten über den FC Erzgebirge Aue seine Saisontore Nummer 22 und 23 und wird mit großer Wahrscheinlichkeit zum zweiten Mal hintereinander Torschützenkönig der 2. Bundesliga werden. Der Stürmer hat einen wesentlichen Anteil daran, dass die Stuttgarter drauf und dran sind, den direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga zu schaffen. „Wir können die Tabelle lesen. Die Konstellation ist sehr gut für uns“, sagte der 29-Jährige und ergänzte: „Wir haben am Sonntag ein geiles Spiel in Hannover. Da wollen wir den Aufstieg perfekt machen.“

Diese Aussage mutet angesichts der ansonsten sehr zurückhaltenden Sprachregelung der VfB-Verantwortlichen in Bezug auf die Aufstiegschancen der Schwaben nahezu forsch an. Dass es kein Spaziergang wird, weiß auch der Torjäger. „Das wird ein schwieriges Auswärtsspiel. Hannover ist sehr heimstark. Aber wir sind selbstbewusst genug, um dort auch zu gewinnen“, schickte Terodde mit breiter Brust hinterher. Wenn nicht er, wer sollte sonst vor Selbstbewusstsein strotzen?

Nicht auszudenken, wenn der VfB den 1,91 Meter großen Terodde nicht hätte. Man könnte bestimmt ausrechnen, wo die Stuttgarter ohne die Treffer des gebürtigen Bocholters in der Tabelle stünden. Die Schwaben hätten wohl mit dem Aufstieg nicht viel zu tun. Es wäre natürlich zu einfach, alles auf den Mittelstürmer zuzuspitzen, doch unbestritten ist er Gold wert für den VfB.

„Wir haben offensiv eine Topleistung gezeigt, aber auf der anderen Seite in einigen Momenten keinen Zugriff gehabt. Das 2:0 von Terodde hat uns sehr geholfen, das in unsere Richtung zu drehen“, sagte VfB-Trainer Hannes Wolf nach dem Sieg über Erzgebirge Aue. Sportvorstand Jan Schindelmeiser ergänzte: „Terodde hat immensen Anteil am Erfolg und hat auch die Tore zum richtigen Zeitpunkt gemacht.“

Dabei wäre es etwas zu kurz gegriffen, Terodde nur an seinen Toren zu messen. Der Angreifer ist in der Lage, den Ball zu halten, geht in der gegnerischen Hälfte weite Wege und brilliert durch häufige Balleroberungen, wie vor seinem eigenen Treffer zum 2:0. „Er ist die ganze Saison schon ein Vorbild für alle“, sagte Wolf.

Die Fans sind euphorisiert

Es sieht also gut aus für den VfB zwei Spieltage vor dem Saisonende. Am Sonntag in Hannover oder spätestens eine Woche darauf gegen die Würzburger Kickers zu Hause kann der Aufstieg Wirklichkeit werden. Drei Punkte würden reichen, denn die Schwaben haben das beste Torverhältnis aller Aufstiegskandidaten. Die Fans sind euphorisiert und feierten den Sieg über Aue schon fast wie den Sprung ins deutsche Fußball-Oberhaus.

Trainer und Sportvorstand gaben sich dagegen alle Mühe, vor den Gefahren in den beiden verbleibenden Partien zu warnen. „Es ist noch nicht vorbei. Die beiden Ergebnisse aus der Hinrunde werden nicht reichen“, mahnte Wolf. Gegen Hannover gab es eine 1:2-Niederlage, in Würzburg gar eine 0:3-Schlappe. Diese Trainingswoche vor dem Gipfeltreffen in Hannover – laut Wolf das „vermutlich schwerste Auswärtsspiel der Liga“ – soll sich deswegen auch nicht von anderen Vorbereitungen unterscheiden. Die Abläufe werden die gleichen sein.

Im Gegensatz zu den Fans versucht Wolf, den Saisonendspurt mit der ihm eigenen Akribie und Ernsthaftigkeit anzugehen. Und diese Ernsthaftigkeit fordert er auch von der Mannschaft. Die hat seit den Niederlagen in der Vorrunde gegen Hannover und Würzburg dazugelernt und kann vor allem mit Drucksituationen umgehen. Was das Team auszeichnet, ist der unbedingte Wille, den letzten Schritt in Richtung Bundesliga zu tun. Und auch diesbezüglich ist Terodde ein leuchtendes Beispiel.

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