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Nach der Insolvenz des Stuttgarter Flugdiensts ist ungewiss, wie es für die zehn Mitarbeiter weitergeht.

Kreis EsslingenDie Chartergesellschaft Stuttgarter Flugdienst GmbH (SFD) hat einen Insolvenzantrag gestellt. Damit ist die Zukunft des Unternehmens, das der leidenschaftliche Flieger und Ingenieur Gunther Eheim 1988 gegründet hatte, ungewiss. Das Amtsgericht Esslingen hat am 13. Mai das vorläufige Verfahren angeordnet. Verwalter der Insolvenz ist Sanierungsexperte Steffen Beck von der PLUTA Rechtsanwalts GmbH. Wegen „Liquiditätsschwierigkeiten“ sieht der erfahrene Jurist keine Alternative zu dem Antrag. Beck ist jedoch zuversichtlich, dass sich für das Unternehmen, das derzeit noch zehn Mitarbeiter hat, eine Lösung finden lässt. Die Suche nach Investoren hat begonnen.

Die Insolvenz des SFD kommt für viele überraschend. Das Unternehmen gehört zur Eheim-Unternehmensgruppe, die ihren Sitz in Deizisau hat. Die 1949 von Gunther Eheim gegründete Gruppe hat Tochtergesellschaften in den Sparten Aquaristik, Aviation und Objektbau. In der Ausgabe vom 3. Mai hatte die Eßlinger Zeitung das Familienunternehmen vorgestellt, das jetzt von Geschäftsführer Ibrahim Mefire Kouotou geleitet wird. Eheim stelle die Gesundheit der Firma vor Wachstum um jeden Preis, sagte der Firmenchef da im Gespräch.

Erfolgreiche Aquaristik

Und er berichtete vom Erfolgskurs der Aquaristik. In Deizisau stellen rund 180 Mitarbeiter Ausstattung fürs Aquarium her. Weltweit beschäftigt das Unternehmen in der Aquaristik 500 Mitarbeiter und macht 50 Millionen Umsatz. Firmenchef Kouotou war gestern nicht für eine Stellungnahme gegenüber der Eßlinger Zeitung zu erreichen.

Nun führen Turbulenzen in der Flugsparte zur Insolvenz. Als Geschäftsführer der SFD wird aktuell auf der Homepage Georg Steinbacher gelistet. Neben dem SFD hat Eheim eine weitere Tochter in der umkämpften Luftfahrtbranche, die Flugzeugwerft Contact Air in Saarbrücken.

Bereits 1974 hatte der im Februar 2013 gestorbene Firmengründer Gunther Eheim die Fluggesellschaft Contact Air gegründet. Im November 2011 beendete die Lufthansa den Vertrag mit der Airline zum Herbst 2012. Zunächst übernahm OLT Express Germany die Fluggesellschaft. Die Übernahme wurde am 1. September 2012 abgeschlossen, die Contact-Air-Flugzeuge wurden bis 2013 unter der Marke OLT Express Germany betrieben – dann scheiterte auch diese Firma. Geschäftsflüge wickelte der Stuttgarter Flugdienst jedoch bereits seit 1988 erfolgreich ab, und dieser Zweig blieb erhalten.

Das Unternehmen ermöglicht Business- und Private-Charter-Flüge mit zwei Flugzeugen, die sich im Fremdeigentum befinden. Darüber hinaus bietet die Gesellschaft Dienstleistungen wie Flugzeugmanagement, Wartung sowie Flugpersonal für die Flugzeuge der Kunden an. „SFD gilt als einer der ältesten Flugdienstleister Deutschlands und verfügte vormals über bis zu zwölf Flugzeuge“, sagt Insolvenzverwalter Beck. Das Geschäft ging aber in den vergangenen Jahren immer weiter zurück. Die Gehälter der verbliebenen zehn Mitarbeiter seien für drei Monate über das Insolvenzgeld gesichert. Die Insolvenzverwalter haben sich bereits einen ersten Überblick über die finanzielle Situation der Gesellschaft verschafft. „Wir werden in Kürze den Investorenprozess starten. Der Betrieb verfügt über ein vielversprechendes Geschäftsmodell in einem anspruchsvollen Markt. Wir sind zuversichtlich, eine Lösung für das Unternehmen zu finden“, so Beck.

Die Insolvenz der langjährig etablierten Firma bedauert Johannes Schumm, der Sprecher der Stuttgarter Flughafengesellschaft. Trotzdem sieht er da keinen allgemeinen Trend. „Der Markt für Privat- und Geschäftsflieger ist bei uns am Flughafen stabil, wir haben einige Unternehmen, die parallel erfolgreich arbeiten.“

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