Fabian Bader (links) und Bruder Tobias beim Bummel durch Gwangju. Foto: privat - privat

Die Brüder Tobias und Fabian Bader gingen bei den Schwimm-Weltmeisterschaften der „Masters“ im südkoreanischen Gwangju an den Start. Erfolgreich und mit vielen Eindrücken kehrten sie aus Asien zurück.

EsslingenWir waren nie bei den Olympischen Spielen, aber was wir in Gwangju erleben durften waren Spiele der Olympiade im Miniformat“, sagt Tobias Bader und seine Augen blitzen bei aller Müdigkeit vor Freude. Eine Woche lang schwammen er und sein Bruder Fabian im Süden Südkoreas auf einer emotional aufgetürmten Welle, die man auch als Crash-Kurs in Sachen Spiele der Neuzeit titulieren könnte. Allerdings nicht als viel beschworenes Treffen der Jugend der Welt, sondern als ein Treffen von älteren Jugendlichen und jung gebliebenen Älteren. Denn die beiden Esslinger waren bei den Schwimm-Weltmeisterschaften der Masters am Start – eine grandiose Eröffnungsfeier und eine ebensolche Abschlusszeremonie eingeschlossen.

„Was die Südkoreaner für uns Athleten auf die Beine gestellt haben, war der pure Wahnsinn“, bestätigt Fabian Bader. „Land und Leute sind wundervoll. Es ist einfach eine ganz andere Welt. Die Menschen hier sind alle sehr zuvorkommend und freundlich und stets hilfsbereit. Allein das war schon die Reise wert.“ Und weiter: „Wir wohnten in jenem Athletendorf, das eigens für die Schwimm-Weltmeisterschaften wenige Wochen zuvor gebaut worden war. Wir hatten unter anderem einen riesigen Speisesaal, Aufenthaltsräume und Playrooms mit Billard-Tischen, Tischtennisplatten und vieles mehr.“ Das „viele mehr“ war ein umfangreiches Rahmenprogramm mit täglicher Live-Musik – die Baders fühlten sich fast wie in einem Club-Urlaub mit Animation. Weil das Resort jetzt zu normalen Wohnungen ausgebaut respektive fertiggestellt wird, kamen die Brüder in den Genuss einer großzügigen 3-Zimmer-Wohnung mit zwei Bädern und Roomservice, wobei das zweite Bad und die anderen Zimmer noch nicht eingerichtet waren. „Alles war niegelnagelneu. Teilweise waren die Matratzen in den anderen Schlafzimmern noch eingepackt“, staunte Fabian nicht schlecht.

Auch die Schwimmhallen und sonstigen Sportstätten der Nambu-Universität von Gwangju standen den weltbesten Altersklassenschwimmern im Alter von 25 bis 99 nahezu unverändert zur Verfügung wie zuvor den Superstars um Phelps-Nachfolger Caeleb Dressel, Brust-Biest Adam Peaty oder Rückenweltrekordlerin Regan Smith. „Die Organisation war bestens und die Trainings- und Aufwärmbedingungen einfach nur top. Wie Florian Wellbrock saßen auch wir vor unseren Starts in den sogenannten Callrooms, genauso, wie man es aus dem Fernsehen kennt“, sagt Tobias. „Nur wurden wir namentlich nicht einzeln in die Halle hereingerufen, sondern nur der gesamte Lauf an sich“, fügt er lachend hinzu. Der Stimmung bei den gut besuchten Wettkämpfen – am Wochenende kamen Südkoreaner mit ihren ganzen Familien in die Halle – tat dies keinen Abbruch.

Für den im September 25 Jahre alt werdenden Studenten der Betriebswirtschaft verliefen die Wettkämpfe in der Millionenmetropole Gwangju, der sechstgrößten Stadt Südkoreas, wie erhofft und sehr erfolgreich. Über 200 Meter Lagen (2:32,49 Minuten, Platz 14) und 100 Meter Rücken (1:10,29 Minuten, Platz 12) schaffte er problemlos das ausgelobte Ziel, eine Altersklassen-Platzierung unter den Top 15. Über die abschließenden 50 Meter Rücken gelang ihm sogar ein kleiner Coup. Seine Zeit von 31,86 Sekunden spülte ihn in die Top Ten auf Platz acht. „Das harte, eineinhalb Jahre lange Training hat sich bezahlt gemacht“, freut sich Tobias, der sich wie sein Bruder die Trainingspläne von einem sehr renommierten deutschen Trainer hat schreiben lassen. „Mit jedem Tag habe ich mich besser gefühlt. Wer weiß, was herausgekommen wäre, wenn wir etwas früher angereist wären und damit mehr Zeit zur Akklimatisation gehabt hätten?“

Denn die war im Nachhinein betrachtet etwas zu kurz. Die meteorologischen Verhältnisse in der Hauptstadt der Provinz Jeollanam-do, die ungefähr auf Höhe von Tunesien und Marokko liegt, waren für Tobias und seinen 27-jährigen Bruder Fabian von Beginn an eine Herausforderung. „In Gwangju sind die Sommer nicht übermäßig heiß. Die Durchschnittstemperatur liegt bei 26 Grad. Allerdings ist es unglaublich schwül. Die Luftfeuchtigkeit im August liegt bei nahezu 100 Prozent“, weiß Tobias. Nach ihrem Elf-Stunden-Flug von Frankfurt nach Seoul und einer vierstündigen Weiterfahrt in das rund 330 Kilometer südlich gelegene Gwangju mit einem Hochgeschwindigkeitszug inklusive dreimaligem Umsteigen kamen sie sowieso schon ausgelaugt und mit Jetlag im Fernen Osten an – an erholsamen Schlaf war da kaum zu denken. Und wenn, dann nur mit Klimaanlage.

Die Raumlufttechnikgeräte gaben vielen der rund 4000 WM-Schwimmer aus 86 Nationen dann den Rest. Viele Athleten konnten krankheitsbedingt erst gar nicht antreten, andere konnten mit Husten und Erkältung ihre Leistung nicht abrufen. Tobias Bader, der erst an Tag vier seinen ersten Auftritt hatte, blieb von alledem verschont. Fabian jedoch, der bereits am zweiten Tag zum ersten Male ins Wettkampfbecken springen musste, musste den Reisestrapazen und dem Klima anfänglich Tribut zollen.

Über 100 Meter Brust blieb er auf der Außenbahn 1 in 1:20,65 Minuten hinter seinen Möglichkeiten zurück. Platz 30 stellte ihn ganz und gar nicht zufrieden. „Die Zeit schwimme ich normalerweise aus dem Training heraus“, haderte er. Aber schon zwei Tage später bei seinem zweiten Start zeigte die Leistungskurve steil nach oben: Platz 14 in seiner Altersklasse über 200 Meter Brust. Seine 2:49,13 Minuten waren für ihn eine tolle Zeit – das Top 25-Soll mehr als übererfüllt.

„Es war eine einzigartige Erfahrung, die wir nicht mehr missen möchten“, ziehen die Brüder nach Ihrer Landung in der Heimat ein positives Fazit ihrer Reise. Sich mit Athleten zu treffen, die beispielsweise bereits 1976 bei den Olympischen Spielen in Montreal am Start waren und die fünf Olympischen Ringe noch heute auf der Haut tragen, und sich mit Konkurrenten zu messen, die teilweise im Nationalkader ihres Landes gestanden haben, hat sie menschlich und sportlich weiter gebracht. „Im Athletendorf herrschte ein fantastischer Spirit“, sagt Fabian, „und sportlich haben wir unsere eigenen Ziele übertroffen. Was will man mehr?“

Wie wäre es mit einem weiteren Start, die nächsten Weltmeisterschaften der Masters finden 2021 im japanischen Fukuoka statt? „Mal schauen“, sagt Fabian und schmunzelt. „Im Hochgefühl spielt man bereits mit dem Gedanken, aber das muss gut überlegt sein“, so der Trainee eines großen mittelständischen Unternehmens. Auch Tobias hat WM-Blut geleckt – und springt bereits einen Tag nach seiner Rückkehr ins vereinseigene Becken seines Heimatvereins SSV Esslingen. „Ausschwimmen“, nennt er das. Oder doch der Startschuss zu einer neuerlichen WM-Vorbereitung? Im Herbst führt der Bachelor sein BWL-Studium ausgerechnet in England fort, das seit den Olympischen Spielen 2012 in London zur großen Schwimm-Nation aufgestiegen ist. Das Aufbaustudium „Masters“ hat für Tobias Bader jetzt eine ganze neue, doppeldeutige Bedeutung.

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