Um die Zukunft von TK Elevator ging es bei einer Kundgebung vor dem Werk in der Esslinger Zeppelinstraße. Foto: Roberto Bulgrin

Im September wurde das neue Zentrum von TK Elevator in der Zeppelinstraße in Esslingen eingeweiht. Mitarbeitende gingen nun für ihre Arbeitsplätze auf die Straße.

Mit harten Rockklängen demonstriert es sich noch besser. „Hells Bells“ von AC/DC dröhnt aus den Lautsprechern. Eine passende Musikauswahl. Denn die Protestierenden vor dem Werk des Aufzugherstellers TK Elevator in Esslingen wollen Himmel und Hölle für Arbeitsplatzgarantien und eine Standortsicherung in Bewegung setzen. Zum Unterstreichen ihrer Forderungen war die Kundgebung, die „aktive Mittagspause“, an diesem Donnerstagmittag gedacht. TKE reagiert auf die Aktion mit einem eher allgemein gehaltenen Statement.

Che Guevara muss auch wieder ran. Das Konterfeit des ewigen Revolutionärs prangt auf einer der Fahnen, die vor dem Werk des Aufzugherstellers in der Zeppelinstraße in Esslingen geschwungen werden. Auf den anderen Flaggen steht einfach nur „IG Metall“. Die Gewerkschaft hatte mit den Betriebsräten zu der Auftaktaktion unter dem Titel „Tarifvertrag Zukunft Elevator 2.0“ während der Mittagspause aufgerufen.

Im September wurde das neue Zentrum von TK Elevator in der Zeppelinstraße in Esslingen eingeweiht. Foto: Roberto Bulgrin

TK Elevator: Um was geht es beim Protest?

Um mehr Lohn geht es nicht. Als TK Elevator 2020 aus dem Thyssen-Krupp-Konzern hervorgegangen war, sei ein Zukunftstarifvertrag abgeschlossen worden, informiert Max Czipf, der zweite Bevollmächtigte der IG Metall Esslingen. Dieses Abkommen sichere bundesweit Beschäftigung und Standorte, bewahre die Tarifbindung, stärke die Mitbestimmungsstrukturen und garantiere Investitionen in Technologie und Menschen. Im März 2027 laufe die Vereinbarung aus. Es gehe darum, rechtzeitig Flagge zu zeigen und eine Nachfolgeregelung auch mit einer Beschäftigungsgarantie bis 2037 festzuzurren.

Die Protestierenden vor dem TKE-Werk sind seiner Meinung. „Zukunft braucht Menschen – Menschen brauchen Zukunft“, steht auf einem ihrer Transparente. Etwa 150 Beschäftigte sind nach Angaben des Veranstalters zur Kundgebung gekommen. Oben im Gebäude in der Zeppelinstraße finde gerade parallel eine Aufsichtsratssitzung statt, sagt Georgios Triantafillidis als Europa-Betriebsratsvorsitzender. Der Eigentümer wolle TKE veräußern. Das sei sicher. Nur der Weg, ob dies nun durch einen Börsengang oder einen Verkauf geschehe, sei noch unklar: „Aber ohne uns gehen die nirgendwohin.“ Gehe das Unternehmen nicht auf die Forderungen von Gewerkschaft und Betriebsrat ein, werde man vor der Zentrale in Frankfurt am Main aufschlagen.

Roter Dampf steigt auf. Der Rauch der Bengalos taucht die Szenerie in ein verschwommenes Licht. Die Redner geben sich arbeitskampfbereit. „Der Unternehmenssitz muss in Deutschland bleiben“, fordert Yusuf Tüfekci als Vorsitzender des Konzernbetriebsrats. Ein Verbleib am Standort erleichtere die Mitbestimmung: „Es geht um die Menschen.“ Für die Durchsetzung der Forderung stünden die Chancen gut: „Keiner legt sich mit Aufzugsmonteuren an.“ Denn sie würden das Geld erwirtschaften. Mit Reparaturen und Wartung werde Gewinn erzielt.

Etwa 150 Teilnehmende kamen zur Kundgebung vor dem TKE-Werk in Esslingen. Foto: Roberto Bulgrin

TK Elevator äußert sich zum Protest

Verschiedene Redner treten ans Mikrofon. Ihre Referate werden von Parolen der Zuhörer begleitet: „Elevator Zukunft“, skandieren sie. Der Geräuschpegel ist hoch. Der Arbeitgeber gibt sich dagegen ruhig-verhalten. Auf Nachfrage unserer Zeitung nach der Zukunft des Zukunftstarifvertrags und einem möglichen Eingehen auf die Forderungen der Gewerkschaft teilt TKE-Unternehmenssprecher Jan-Philipp Eschenbach lediglich mit: „Bezüglich des Tarifvertrags Zukunft Elevator 2.0 nehmen wir die Maßnahme – in diesem Fall eine aktive Mittagspause zur Kenntnis und respektieren das Recht der Mitarbeitenden, daran teilzunehmen“.

Mit Blick auf das im September eingeweihte neue Zentrum in der Esslinger Zeppelinstraße ist das Unternehmen gesprächiger. Man sei gut angekommen, sagt Eschenbach, und freue sich über die modernen Arbeitsbedingungen, die nun zur Verfügung stünden: „Wie nach jedem Umzug gibt es eine Phase des Einlebens, in der wir Abläufe und Strukturen optimieren. Dazu gehört auch die Parkplatzsituation, die wir kontinuierlich im Blick haben, um unseren Mitarbeitenden eine bestmögliche Lösung zu bieten.“

Auch Che-Guevara-Fahnen wurden vor dem TKE-Werk in Esslingen geschwungen. Foto: Roberto Bulgrin

Nach bestmöglichen Lösungen suchen auch die Teilnehmenden an der Kundgebung vor dem TKE-Werk. Teil des neuen Zukunftstarifvertrags, erklärt Max Czipf, soll neben der Beschäftigungsgarantie bis 2037 eine Erhöhung der Ausbildungsquote sein. Bisher liege sie bei fünf Prozent der Beschäftigten pro Standort. Das aber sei auch angesichts der Altersstruktur der Mitarbeitenden zu wenig. Noch einmal dröhnt kurz „Hells Bells“ aus den Lautsprechern. Dann zerstreuen sich die Beschäftigten. Die aktive Mittagspause ist zu Ende.

TKE in Esslingen

TK Elevator
TKE ist nach eigenen Angaben für Planung, Herstellung, Installation und Wartung von Aufzügen, Fahrtreppen, Fahrsteigen, Fluggastbrücken, Treppenliften oder Plattformliften zuständig. Im Geschäftsjahr 2023/2024 sei ein Umsatz von rund 9,3 Milliarden Euro erzielt worden. Mit etwa 50 000 Mitarbeitenden, 25 000 Servicetechnikern und über 1000 Standorten sei TKE fast auf dem gesamten Globus vertreten.

Neues Werk
Das im September eingeweihte TKE-Zentrum in der Esslinger Zeppelinstraße vereint Forschung, Entwicklung und Produktion unter einem Dach. Es ersetzt das Werk in Neuhausen. Die Hälfte der etwa 1000 Arbeitsplätze ging dort nach Gewerkschaftsangaben verloren.