Bevor es ans Sparen geht, sollte eine Basis geschaffen werden. Foto: imago/Panthermedia/AndreyPopov

Auch wer am Ende des Monats nur noch wenig Geld übrig hat, kann effektiv sparen. Experten geben Tipps, wie das zum Beispiel mit 25 Euro im Monat klappt.

Stuttgart - Wer sparen will, braucht Geld – allerdings nicht so viel, wie gemeinhin gerne gedacht wird. Bereits mit wenigen Euro im Monat lassen sich auf lange Sicht effektiv Sparziele erreichen. Zwei Experten geben Tipps, wie das auch wirklich funktionieren kann.

Schritt eins: eine Basis schaffen. „Zuallererst hilft eine Gegenüberstellung von Einkommen und Ausgaben, um zu ermitteln, was am Ende des Monats übrig bleibt“, sagt Svenja Balonier vom Deutschen Aktieninstitut. Von diesem Geld sei es ratsam, sich je nach Familienstand und -verhältnissen drei bis sechs Nettogehälter auf dem Tagesgeldkonto zurückzulegen. „Wenn etwa der Kühlschrank kaputt geht, sollte einem das keine schlaflosen Nächte bereiten müssen.“

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In der Ausbildung und für Berufsstarter gebe es zudem Kosten für Versicherungen zu beachten, ergänzt Andreas Oehler, Finanzexperte an der Universität Bamberg. „Am wichtigsten sind eine private Haftpflichtversicherung, so man nicht mehr bei den Eltern mitversichert ist, und eine Berufsunfähigkeitsversicherung.“

Sparen ab einem Euro im Monat?

Bleibt dann noch Geld übrig, geht es ans Sparen. Häufig genannt werden in dem Zusammenhang Summen wie 25 oder 50 Euro im Monat. Aktuell sind diese Zahlen allerdings nicht. „Lange haben Banken bei Wertpapiersparverträgen eine monatliche Mindestsparrate von 25 Euro pro Monat verlangt“, erklärt Balonier. „Mittlerweile gibt es aber auch Sparpläne bereits ab 1 Euro pro Monat.“

Ob es wirklich sinnvoll ist, mit so kleinen Beträgen zu sparen, ist hingegen die Frage, sagt die Expertin. „Gerade bei Sparplänen mit kleiner Sparrate sollte man besonders auf möglicherweise anfallende Mindestkosten achten.“

Beratung ist nicht zwingend nötig

Auch Andreas Oehler pocht nicht auf die 25 Euro im Monat – sinnvoll könnten ebenso 300 Euro im Jahr sein, die Sparer auf Konto oder Depot anlegen. Hohe Gebühren müsse man dabei nicht erwarten, sagt der Experte. Beides lasse sich online kostenlos führen. „Eine Beratung, etwa seitens der Bank, braucht es dann übrigens nicht unbedingt.“

Ein Berater habe oft selbst Interessen und preise vielleicht sogar bevorzugt Produkte aus dem eigenen Haus an, warnt Oehler. Zwar müssen Ratgeber offenlegen, falls sie eine Provision für ihre Empfehlungen erhalten, „diese Info kommt aber oft relativ spät im Gespräch, und man ist schon mitten drin.“ In jedem Fall rate er Sparern, zu checken, ob Angebote nicht auch preiswerter online zu finden sind.

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„Von jeder Krise wieder erholt“

Und worin investiert man nun am besten? „Für Sparpläne ab 25 Euro bieten sich Aktienfonds und die aktienbasierten ETF an“, sagt Balonier. Fonds bestehen aus vielen verschiedenen Aktien. Einige Fonds setzen nur auf Aktien aus einer bestimmten Weltregion oder Branche, andere auf ein Thema wie zum Beispiel erneuerbare Energien. Das Besondere an ETF, sogenannten Exchange Trading Funds, ist, dass es bei ihnen keinen Fondsmanager gibt. Das spart im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds Kosten.

Streuen Sparerinnen und Sparer ihre Aktien breit, wie beispielsweise im Deutschen Aktienindex, haben sie in der Vergangenheit jährliche Erträge von durchschnittlich sechs bis neun Prozent erwirtschaftet, sagt Balonier. „Bei breiter Streuung ist die langfristige Aktienanlage krisenfest, denn der Kapitalmarkt hat sich bisher von jeder Krise wieder erholt.“

Andreas Oehler rät beim Sparen für eine mittlere oder längere Frist zu einer 50:50 (oder je nach Lebensverhältnissen auch 70:30) Aufteilung zwischen weltweit breit streuenden ETF und einem Tages- beziehungsweise Zeitgeldkonto. Letzteres könne in Zeiten, in denen die eigenen ETF an der Börse schlecht gehen, genutzt werden. Um zu wissen, welche ETF derzeit empfehlenswert sind, liefere Stiftung Warentest häufig gute Empfehlungen.

Einzelaktien erst im nächsten Schritt

Wer dagegen auf Einzelaktien setzt, der sollte genügend Zeit mitbringen, sich damit auseinanderzusetzen, sagt Balonier. Geschäftsberichte und Kurse des entsprechenden Unternehmens sollten im Blick behalten werden. „Einzelaktien bergen das Risiko, dass man auf das falsche Pferd setzt und damit das angelegte Geld verliert.“

Experte Oehler stellt klar: „Wenn ich mein Sparziel erfüllt habe und noch immer Geld übrig habe, kann ich darüber nachdenken, in spekulativere Geschäfte, wie Unternehmensanleihen oder Immobilienfonds einzusteigen.“ Eine höhere Rendite sei aber auch mit höheren Risiken verbunden. „Dafür braucht man persönliche Expertise und die Gewissheit, das spekulativer angelegte Geld nicht mehr unbedingt komplett zu brauchen.“

Eine Beispielrechnung

Wie sich eine breit gestreute Anlage konkret auszahlen kann, hat Svenja Balonier für diesen Artikel berechnet. Wer demnach 25 Euro monatlich in einen Fondssparplan angelegt hat, konnte in der Vergangenheit bei langfristiger Anlage beachtliche Gewinne erzielen:

Im Schnitt wurden nach 10 Jahren eingezahlte 3000 Euro zu 4821 Euro.

Nach 20 Jahren wuchsen 6000 Euro zu 15 538 Euro.

Nach 30 Jahren wurden aus 9000 Euro 38 140 Euro.

Die Berechnungen beruhen auf Durchschnittswerten für die jeweiligen Anlagezeiträume in der Vergangenheit. Grundlage ist dabei das Dax-Rendite-Dreieck für die monatliche Geldanlage des Deutschen Aktieninstituts. Gebühren und Steuern sind nicht berücksichtigt.

Gibt es Förderprogramme?

Wer beim Sparen gefördert werden möchte, sollte sich erkundigen, ob das eigene Unternehmen vermögenswirksamen Leistungen zahlt, raten die Experten. Dabei handele es sich um freiwillige Zahlungen des Arbeitgebers von bis zu 40 Euro im Monat, die beim Vermögensaufbau helfen.

Der Betrag kann auf verschiedene Arten angelegt werden, etwa in einem Fonds- oder ETF-Sparplan. Bis zu einer bestimmten Einkommenshöhe legt der Staat über die Arbeitnehmersparzulage noch etwas obendrauf.

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