Energie, Lebensmittel, Materialien: Alles wird zurzeit teurer. Eine Studentin aus Ludwigsburg und zwei Stuttgarter, die den Zweiten Weltkrieg miterlebt haben, geben Tipps, wie man Geld spart.
Die Preise für Energie, Lebensmittel, Baumaterialien und vieles mehr steigen zurzeit rasant an. Auch wegen des Ukraine-Kriegs liegt die Inflationsrate in Deutschland im April um 7,4 Prozent höher als noch im März, wie das Statistische Bundesamt jüngst anhand vorläufiger Berechnungen mitteilte. Das ist der höchste Stand seit 1981. Immer mehr Menschen überlegen sich daher, wie sie ein wenig Geld einsparen können, um bei weiter steigenden Kosten ihren Lebensstandard zu halten. Drei Menschen aus der Region Stuttgart, die wissen, wie es ist, wenig Geld zu haben, geben Spartipps – und sagen, was man einfach selbst machen oder worauf man verzichten kann.
Die Studentin lebt von 800 Euro pro Monat
Ein „guilty pleasure“, ein „schuldiges Vergnügen“ hat Hau Le: „Ich gehe viel zu oft Kaffee trinken“, sagt sie. „Und wenn man dann noch den Freund oder die Freundin einlädt und beide zwei Getränke bestellen, ist man schnell mal 15 bis 17 Euro los.“ Dieses Geld könne man leicht sparen, gibt sie zu.
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Hau Le muss genau auf ihr Geld schauen. Die 20-Jährige ist Studentin und wohnt in einer Wohngemeinschaft (WG) in Ludwigsburg. Mit ihrem dualen Studiengang Food Management hat sie noch Glück: Für den praktischen Teil, den sie bei der Bäckerei Luckscheiter absolviert, verdient sie 800 Euro im Monat – viel Geld für eine Studentin.
Doch von diesen 800 Euro muss sie alles bezahlen: Der größte Posten ist mit 420 Euro die Monatsmiete für ihr WG-Zimmer. Dazu kommen Lebensmittel, Drogerieartikel, Bücher fürs Studium, Klamotten sowie einige monatliche Posten. „Ich achte darauf, dass die Fixkosten fürs Handy, für meinen Spotify-Vertrag und fürs Fitnessstudio immer gedeckt sind. Darauf will ich nicht verzichten.“
Dafür geht sie selten essen und so gut wie nie feiern. Kleidung kauft sie meist gebraucht: auf Flohmärkten, über die App Vinted oder in Läden für Gebrauchtwaren. „Ich kaufe aber auch weniger Klamotten als früher, weil ich die Fast-Fashion-Industrie nicht mehr unterstützen will.“ Im Urlaub war sie in den vergangenen Jahren nicht.
Und auf große Investitionen spart sie mehrere Monate – kürzlich hat sie etwa ein iPad gekauft, dafür hat sie jeden Monat 70 bis 80 Euro zur Seite gelegt. „Ich versuche Ratenzahlungen zu vermeiden“, sagt sie. Für Studierende oder Menschen mit wenig Geld seien Ratenzahlungen gefährlich. „Mein Bruder sagt immer: Es gibt einen Unterschied zwischen sich etwas kaufen können und sich etwas leisten können.“
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Die Inflation spürt Hau Le vor allem im Supermarkt: „Ich kaufe nicht mehr als früher, aber bezahle mehr dafür.“ Schon deshalb gehe sie oft im Discounter einkaufen. Wenn es hart auf hart kommen würde, hat Hau Le aber einen entscheidenden Vorteil: Im Notfall könnte sie ihre Eltern um Geld bitten. Doch zuerst würde sie an ihr finanzielles Polster gehen: „Vor meinem Studium hatte ich zwei Nebenjobs: in der Gastronomie und in der Bäckerei.“ Von diesem Ersparten zehrt sie noch. Doch allzu viel will sie davon nicht verbrauchen: „Mein Ziel ist es, immer fünf Monatsmieten auf dem Konto zu haben.“
Aus Bucheckern Öl pressen
Brot war „richtig kostbar“, frisches Gemüse gab es selten, Kleider nur dann, wenn die ältere Schwester aus ihnen herausgewachsen war. Inga Haufler weiß, was hartes Sparen bedeutet. Sie ist 1930 geboren als eine von fünf Geschwistern, den Zweiten Weltkrieg hat sie als Mädchen miterlebt. Heute lebt sie im Augustinum in Stuttgart-Sillenbuch.
In ihrer Kindheit war das Geld knapp, dennoch sagt Inga Haufler: „Wir hatten ein schönes Familienleben.“ Weniger Geld zur Verfügung bedeutet also nicht unbedingt, dass man unglücklich ist. Weil Lebensmittel während des Kriegs rar und teuer waren, gab es in ihrer Familie mittags meist zunächst eine Suppe aus Resten, oft mit trockenem, altem Brot. „Und Kartoffeln und Kraut hatten wir oft“, erinnert sie sich. Ein warmes Essen wurde über mehrere Tage hinweg immer wieder gestreckt, mit einer neuen Zutat variiert. Freitags wurden oftmals Nudeln mit Zucker serviert, weil Fleisch tabu war. Außerdem wurde alles an Fallobst verwendet – also Zwetschgen, Kirschen und Co. – und weiter verarbeitet. Und die Kinder waren dazu angehalten, Bucheckern zu sammeln. Die waren während dem Krieg als Notessen beliebt: Bucheckern kann man zu Mehl schroten und daraus etwas backen. Und Bucheckern lassen sich zu Öl pressen – wo doch in vielen Supermärkten das Speiseöl fehlt.
Geld sparte ihre Familie auch dadurch, dass viel selbst genäht und repariert wurde: „Wenn meine Schwester mir ein Kleid vermachte, machten wir den Kragen neu oder nähten es ein wenig um, damit es passte. Ich fand mich immer schick“, sagt sie. Bei den Schuhen war es etwas schwieriger, weil die oft schon ausgetragen waren – doch Inga Hauflers Vater war handwerklich begabt und konnte Sohlen und Spitzen erneuern. Und man lieh sich Dinge aus, anstatt sie neu zu kaufen: „Zur Tanzstunde erhielt ich ein Kleid von der Amtssekretärin. Sie hatte dies Jahre zuvor zur Tanzstunde getragen.“ Nach dem Krieg nähte Inga Haufler Röcke aus alten Fahnen und bestickte sie. Darin wurde sie so geschickt, dass die benachbarte Nähfabrik ihre Kleider als Vorlage nutzte.
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Einen Besuch beim Friseur „konnte man sich überhaupt nicht leisten“, Haare wurden zu Hause geschnitten. Und um von einem Ort zum nächsten zu kommen, ist Inga Haufler als Jugendliche stets zu Fuß gegangen, „der Bus ist nur einmal pro Tag gefahren“.
Und was war der größte Luxus? „Ich erinnere mich daran, dass ich zum Geburtstag von meiner Tante 30 Pfennig geschenkt bekommen habe. Damit habe ich mir beim Kolonialhändler Brausepulver gekauft.“ Wenn Inga Haufler den Geschmack von Brause auf ihrer Zunge beschreibt, gerät sie heute noch ins Schwärmen.
Auch Dieter Woiwode weiß, was es bedeutet, wenig Geld zur Verfügung zu haben. Als Bewohner des Augustinum am Stuttgarter Killesberg muss er heute nicht mehr sparen, doch das war früher anders. Der 1933 in Kassel geborene Bub ging 1943 mit seiner ganzen Schule in eine Kinderlandverschickung. Als er zwei Jahre später wiederkam, mit zwölf Jahren, war nichts mehr wie zuvor. Das Haus seiner Eltern war ausgebombt, von nun an lebten sie in einer beengten Wohnung. Zuvor war die fünfköpfige Familie hin und wieder im Urlaub an der Ostsee oder am Rhein gewesen, nach dem Krieg war Urlaub undenkbar, das Geld viel zu knapp. „Nach dem Abitur absolvierte ich eine Banklehre. Mit dem ersten Gehalt ging ich Skilaufen in Österreich – der erste Urlaub nach vielen Jahren.“
Durch die momentane Inflation seien auch in Deutschland viele Existenzen bedroht, sagt Dieter Woiwode. Und wer wenig verdiene, könne auch kein Geld sparen, das weiß er aus eigener früherer Erfahrung. „Der Lebensstandard wird sich verschlechtern, solange Putin nicht mit seinem Krieg aufhört.“ Dennoch hat er eine Hoffnung spendende Botschaft: „Die Nachkriegszeit war immer eine Aufschwungzeit.“ Hoffentlich ist es bald so weit.
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