Kreisgärtnermeister Hansjörg Schmauk und seine Frau, die Floristin Iris Schmauk, überwintern im Gewächshaus kleine gelbe Paprika, die sich prima als Nasch-Gemüse auf dem Balkon pflanzen lassen. Foto: Gaby Weiß

Wer selbst Obst und Gemüse anbauen möchte braucht nicht unbedingt einen großen Garten, denn sie gedeihen auch in Pflanzkübel, Blumenampel oder Mini-Hochbeet.

Kreis Esslingen - Auch Zeitgenossen, die keinen eigenen Garten haben, können Salat, Gemüse, Obst und aromatische Kräuter ernten. Denn selbst auf kleinstem Raum – zum Beispiel in Balkonkasten, Pflanzkübel, Blumenampel oder Mini-Hochbeet – gedeihen Tomaten, Gurken & Co. Selbst gezogenes frisches Mini-Gemüse ist eine leckere Alternative zu Geranie und Petunie, und der Anbau von Balkongemüse und -obst liegt im Trend. Mit dem nötigen Know-how können auch Hobby-Gärtnerinnen und -Gärtner beachtliche gärtnerische Erfolge erzielen.

Selbstversorger-Balkon

Solch ein Selbstversorger-Balkon bietet zahlreiche Vorteile: Er lässt sich ohne Bücken pflegen und abernten, er sorgt für Obst und Gemüse in Bio-Qualität, sieht hübsch aus, ist bienen- und insektenfreundlich und weniger anfällig für gefräßige Schnecken als das Auspflanzen ins Freiland. Kreisgärtnermeister Hansjörg Schmauk weiß, was zu beachten ist: Er rät dazu, Balkonkästen und Pflanzkübel unbedingt jedes Jahr mit frischer Pflanzerde zu befüllen: „Die alte Erde gehört auf den Kompost, sie ist fest, verwurzelt und ausgelaugt. Da kann nichts richtig wachsen.“ Gerade für Pflanzen, die nicht ins Freiland gepflanzt werden, sei es wichtig, dass sie ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden – nur dann können sie optimal gedeihen: „Die Erde in den Kübeln sollte man am besten schon im März füttern: mit Pferdeäpfeln, Kompost, einem mineralisch-organischen oder einem organischen Dünger.“ Pflanzen brauchen, so Schmauk, gerade jetzt im ersten Wachstumsprozess bei höheren Tagestemperaturen und mehr Licht viel Wasser und Nährstoffe.

Kopf-, Eichblatt- oder Schnittsalate eignen sich, so der Fachmann, gut zum frühen Anbau auf dem Balkon. Allerdings müsse man sie zum Schutz vor drohendem Nachtfrost am besten mit einem Vlies oder einem Stofftuch abdecken. „Bitte keine Folie verwenden. Wenn Folie an der Pflanze anliegt, leitet sie die Kälte direkt auf die Blätter, was sie erfrieren lässt“, warnt Hansjörg Schmauk. Je nach Witterungsverhältnissen kann es sich aber auch lohnen, mit dem Auspflanzen noch ein wenig zu warten, gibt Floristin Iris Schmauk zu bedenken: „Salat, der schon im März draußen eingepflanzt wird, braucht länger zum Wachsen. Er hat fast den gleichen Erntezeitpunkt wie der Salat, den man erst Anfang April einpflanzt.“

Setzlinge vorziehen

Bei noch niedrigen Frühjahrstemperaturen rät Hansjörg Schmauk dazu, die Setzlinge für Salat oder Radieschen aus Samen selbst im Haus vorzuziehen: „Im Kleingewächshaus, in speziellen Anzuchtboxen oder in den kleinen Plastik-Gemüseschalen aus dem Supermarkt. Wichtig ist es, einige Löcher in den Boden zu bohren, damit sich keine Staunässe bildet.“ Und Iris Schmauk schätzt zu jeder Jahreszeit, ob drinnen auf der Fensterbank oder draußen im Balkonkasten, die Aussaat von Kresse-Samen: „Da hat man schon nach 14 Tagen frisches Grün, das man pur, auf dem Butterbrot oder im Salat genießen kann.“

Ab Mitte April bis Anfang Mai lassen sich dann weitere Salate und Kohlrabi als Setzlinge pflanzen, nach den Eisheiligen Mitte Mai können Rote Bete, Sommerkohl, Sellerie, Lauch, Chili und Mini-Paprika folgen. Besonders gut für den Anbau auf dem Balkon geeignet und mit ihrem leuchtenden Rot ein echter Hingucker sind Tomaten. Vor allem die speziell gezüchteten kleineren Snack- oder Nasch-Tomaten eignen sich für den Anbau auf dem Balkon. „Wer lieber normalgroße Tomaten will, wählt einen großen Blumentopf von im Minimum 30 oder 40 Zentimeter Durchmesser“, weiß Hansjörg Schmauk. „Wichtig ist, die Pflanze an einem Stab oder an einer gespannten Schnur anzubinden, an der sie in die Höhe wachsen kann. Aber Achtung: Tomatenpflanzen mögen keinen Luftzug. Platzieren Sie sie also besser geschützt in der Nähe der Hauswand, wo es auch wärmer ist.“ Der Kreisgärtnermeister rät, Sorten mit kompaktem Wuchs zu wählen: „Es gibt Buschtomaten, die sehr in die Breite wachsen, da kann es auf einem kleinen Balkon schnell eng werden.“ Iris Schmauk empfiehlt dem Hobby-Balkon-Gemüsegärtner den Anbau von Gurken: „Die funktionieren auf kleinem Raum sehr gut, und man hat Vesper, eine dekorative Pflanze und gleichzeitig einen rankenden Sichtschutz.“ Während natürlich auch Kräuter aller Art in Kästen und Kübeln gut gedeihen, rät Iris Schmauk vom Kartoffelanbau auf dem Balkon ab: „Kartoffeln brauchen extrem viel Wasser, und sie sind sehr lange im Boden. Aber gerade auf dem Balkon will man doch schnell einen Ertrag ernten können und dann die nächste Sorte pflanzen.“

Auch auf kleinem Raum möglich

Wer statt Gemüse lieber Obst auf kleinem Raum anbauen möchte, dem empfiehlt Hansjörg Schmauk Heidelbeeren oder Stachelbeeren, die sich problemlos in größeren Kübeln kultivieren lassen: „Wir selbst haben seit einigen Jahren Heidelbeeren in einem großen Topf auf dem Balkon. Die treiben nach einem kleinen Formschnitt jedes Jahr neu und tragen Früchte. Allerdings brauchen diese Obstgehölze viel Wasser.“