Beim Training mit Gewichten kann man viel falsch machen. Auch da sollten man auf den Rat von Experten wie Juliane Schleh hören. Foto: Ines Rudel

Im sechsten Teil unserer großen Gesundheitsserie „Gesund leben“ beschäftigen wir uns mit der Frage, wie man das Training im Fitnessstudio angehen soll, um seinem Körper wirklich etwas Gutes zu tun.

EZ TALK · Folge 3. Richtig trainieren im Fitnessstudio

Ostfildern - Endlich wieder mal was für den Körper und die Gesundheit tun – wer sich in einem Fitnessstudio anmeldet, hat in der Regel große Ziele. Doch meist sind die zu hoch gesteckt. Lieber mit kleinerer Intensität starten und dann Schritt für Schritt steigern, lautet ein wichtiger Ratschlag von Trainingsexperten. Auch sonst kann man aus falsch verstandenem Ehrgeiz viel falsch machen an Geräten und in Kursen. Wo die Tücken liegen und was man lieber lassen soll, erklären die Fitnesstrainerin Elske Gödicke und Diplom-Sportlehrer Jürgen Saur vom Vitalcenter an der Ruiter Medius Klinik anhand einiger Regeln, die jeder, der sich und seinem Körper etwas Gutes tun will, unbedingt beachten sollte.

Nicht zu schnell zu viel wollen

„Viele starten mit hohen Erwartungen“, weiß Jürgen Saur als Leiter des Vitalcenters Ruit aus langjähriger Erfahrung. Doch sei das falscher Ehrgeiz. „Da müssen wir auch mal bremsen.“ Was über Jahre vernachlässigt worden sei, lasse sich nicht in kurzer Zeit auf Hochleistung trimmen. „Hauruck-Aktionen bringen nichts. Alles, was zu schnell geht, schadet dem Körper nur.“ Deshalb solle man von Zielen wie „Bauch weg in nur vier Wochen“, wie es in der Werbung oftmals marktschreierisch verkauft wird, unbedingt Abstand nehmen, ergänzt Elske Gödicke. Wenn es ums Abnehmen gehe, solle man sich nicht ein Kilo pro Woche, sondern ein Kilo pro Monat als Ziel setzen. Ganzheitliches Fitnesstraining dürfe man sich nicht nur für einen bestimmten Zeitraum vornehmen. „Das sollte für jeden als lebenslange Aufgabe gelten.“

Vor dem Start im Fitnessstudio einen Gesundheitscheck machen

Vor allem älteren Menschen empfiehlt Diplom-Sportlehrer Saur, vor dem Besuch eines Fitnessstudios bei Zweifeln ihren Hausarzt zu konsultieren und die Gesundheitschecks guter Fitness-Einrichtungen zu nutzen. Gibt es Erkrankungen, die im Trainingsplan berücksichtigt werden müssen? Wo sollte man vorsichtig sein? Aber auch bei Jüngeren sei es ratsam, einen Gesundheits- und Leistungscheck zu machen. Wie belastbar bin ich wirklich? Wo liegen meine Defizite? Diese Fragen seien auch mit dem Trainer zu besprechen, bevor man nicht reparierbare Fehler macht und seiner Gesundheit eher schadet.

Training sollte ein konsequent überwachter Prozess sein

„Eine gute Einweisung ist das A und O“, sagt Jürgen Saur. Gemeinsam mit dem Trainer sollte jeder für sich individuelle und auch realistische Ziele definieren. Wichtig sei ein guter Mix aus Übungen und Einheiten für Ausdauer, Beweglichkeit und Kraft. Wo stehe ich gerade? Wo muss ich nachsteuern? Das müsse in regelmäßigen Abständen immer wieder neu beantwortet werden. „Oft ändern sich die Lebensumstände“, weiß Elske Gödicke. „Man hat mal mehr, mal weniger Zeit, oft auch abhängig von der beruflichen Belastung. Das sollte stets berücksichtigt werden.“ Ein Trainer sei auch dazu da, gegenzusteuern, wenn sich beim Training Fehler eingeschlichen haben. Außerdem habe jeder mal eine Durststrecke. Da sei der Trainer als Motivator gefragt.

Regeneration ist eine zentrale Trainingseinheit

„Auf Pausen und auf Ruhetage achten.“ Diese Regel sei elementar im Sport, sagt Jürgen Saur. Regeneration sei eine zentrale Trainingseinheit, bei Älteren noch wichtiger als bei Jüngeren. Aber gerade die Jungen müsse man oft in ihrem Übereifer bremsen, ganz nach dem Motto „Weniger ist oft mehr“. Männer seien da in der Regel anfälliger als Frauen. „Wir übertreiben halt gerne mal.“ Um eine Überbelastung zu verhindern, könne man sich beispielsweise im Training jeden Tag auf einen anderen Körperbereich konzentrieren. Wichtig: Schmerzen seien stets ein Warnsignal. „Da muss man unbedingt auf seinen Körper hören.“

Sich Zeit nehmen

„An oberster Stelle soll immer die Gesundheit stehen“, sagt Elske Gödicke. Deswegen dürfe Fitnesstraining nicht in Stress ausarten. Der Experte kann jedem nur raten, sich bewusst Zeit zu nehmen. Eine Stunde reiche meist aus. „Das ist eine Zeit, in der man sich und seinem Körper etwas Gutes tun will. Das geht nicht nebenher.“

Je konzentrierter man bei der Sache sei und auf die richtige Ausführung der Übung, auf die Haltung und auf die Atmung achte, desto mehr habe man vom Training.

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