Geordnetes Durcheinander nennt die Esslingerin das Nebeneinander von Gemüse-, Kräuter- und Zierpflanzen, die im Gewann „Paradies“ wachsen. Foto: Gaby Weiß

Mitesser in Grenzen zu halten, Nützlinge fördern und standortgerechte Pflanzen kultivieren – und das ohne chemischen Dünger. Seit mehr als 30 Jahren bewirtschaftet Irmgard Denneler ihren Garten rein ökologisch.

Esslingen - Der Auftakt zu einem neuen Gartenjahr ist sicher eine gute Gelegenheit, um das Gärtnern ohne Gift zu beginnen. Wer auf Pestizide, Kunstdünger und andere chemische Mittel verzichten möchte, dem oder der sei ein Blick in „Frau Dennelers Garten“ empfohlen. Die Rede ist von Irmgard Dennelers 2015 erschienen Gartenbuch, in dem die Esslingerin über gut 30 Jahre Erfahrung in ihrem Paradiesgarten berichtet.

Geduld sei wichtig, berichtet die inzwischen 84-Jährige in ihrem 136 Seiten umfassenden Buch. Im Mittelpunkt steht der Selbstversorgergarten, den Denneler nach den Prinzipien des ökologischen Landbaus bewirtschaftet. Und das so erfolgreich und nachhaltig, dass dieser Garten in Esslingen längst zu einem Treffpunkt für Gartenfreunde, Landbau-Aktivisten und Wissbegierige geworden ist.

Boden ist die Basis für alles andere

Naturgemäß gärtnern, darunter versteht Denneler den Weg zum natürlichen Gleichgewicht der Pflanzen, denn dann fühlten sich auch Insekten wohl. Die Aufgabe sei, „Nützlinge zu fördern und Mitesser in Grenzen zu halten, standortgerechte Pflanzen zu kultivieren und dabei zu beobachten, was von alleine wächst und ohne chemischen Dünger den Garten fruchtbar zu machen“. Dem Boden widmet Denneler besonderes Augenmerk, denn er ist die Basis für alles andere. Um beispielsweise einen für hiesige Gefilde typisch schweren und lehmigen Boden mit mehr Humus zu versehen, bietet sich die Gabe von Kompost und die Bodenverbesserung mit Wildlupinen an, ist in dem Band zu lesen. Lupinen geben an ihren Wurzelknöllchen Stickstoff ab, die der Boden als Nährstoff aufnehmen kann – wer sie später unterpflügt, trägt zur Humusbildung im Boden bei, erklärt die langjährige ehemalige Lehrerin für Gartenbau.

Quelle der Bodenfruchtbarkeit

Der Kompost ist bei Denneler die Quelle der Bodenfruchtbarkeit. Er dient als Nährstoffquelle. Eine gute Belüftung und feuchte Führung durch das Begießen mit Kräuterbrühe, wie zum Beispiel aus Schachtelhalm, sind wichtig, außerdem streut die Autorin Gesteinsmehl darüber. Übrigens: „Ein gut geführter Kompost stinkt nicht, seine Verrottung verläuft wie bei feuchtem Laub am Waldboden“, stellt die Esslingerin klar. Der Wald, in dem es auch keinen „nackten“ Boden gibt, dient Denneler als Vorbild, und so setzt sie auf Mulch und Gründüngung. Allerdings eigne sich der beliebte Rindenmulch wegen seiner Gerbsäure eher nicht dafür. So wirbt die Autorin stattdessen für gehäckselte Gartenabfälle, die sich als regelrechtes Regenwurmfutter erwiesen haben. Für den Herbst empfiehlt Denneler außerdem Vogelmiere, die auch den Salat bereichern kann, aber vor dem Aussamen ausgerissen werden sollte.

Denneler wirbt auch für die Fruchtfolge, also den Wechsel der Gemüsearten in jedem Jahr, damit „der Boden an einer Stelle nicht immer dieselben Nährstoffe hergeben muss und dass eine Pflanze nicht über Jahre dieselben Bodenlebewesen wie Nematoden (Fadenwürmer beispielsweise) oder Pilze anzieht“.

Geordnetes Durcheinander gegen Schnecken

Deshalb wechselt die Esslingerin in ihrem Garten Stark- und Schwachzehrer ab. Auf Gemüse mit viel Kraut folgen beispielsweise Bohnen, die den Boden bereichern. Abwechseln können sich auch Früchte über und unter der Erde wie Erdbeeren und Zwiebeln. Damit Licht und Schatten gut verteilt sind, stehen hohe und niedere Pflanzen nebeneinander, und zur Abwehr von Fadenwürmern empfiehlt Denneler, Kapuzinerkresse, Tagetes und Ringelblumen als „Heilpflanzen für die Erde“ zwischen das Gemüse zu setzen.

Auf diese richtige Nachbarschaft legt die Gärtnerin großen Wert, denn „gute Nachbarn halten sich gegenseitig Fressfeinde vom Leib und fördern einander sogar im Wachstum“. So halten Calendula den Erdbeeren die Schnecken fern.

Ja,ja, die Schnecken: Denneler setzt auf geordnetes Durcheinander in ihrem Garten statt auf sortenreine Reihen in Monokultur, die den Schnecken das Durchfressen erleichtern. „Stehen aber die Salate mal hier, mal dazwischen Ringelblumen (die die Schnecken nicht mögen) oder Zwiebeln, ist das Mitessen für die Gartentiere deutlich umständlicher.“ Und empfindliche Pflanzen zieht die Esslingerin sowieso in Töpfen vor, damit sie später robuster ins Beet kommen.

Irmgard Denneler/Edith Berner: Frau Dennelers Garten. Ostfildern, 2015. 136 Seiten, 19,90 Euro.