Gartenliebhaber Michael Eppinger aus Esslingen zeigt in der EZ-Serie „Gartenzeit“, wie man dem Boden auf natürliche Weise zu Vitalität verhelfen kann.
Esslingen - Aus den Böden herausholen, was nur geht. So hat man über Generationen die Natur ausgebeutet. Das Bewusstsein, dass der Mensch damit seine eigenen Lebensgrundlagen zerstört, ist ohne Zweifel gewachsen. Doch noch immer wird vielerorts Intensivlandwirtschaft betrieben, die auf maximalen Ertrag aus ist. Mit ungezügeltem Einsatz von Kunstdüngern und Pestiziden. Aber es geht auch anders. Mit schonenderen Methoden und Mitteln. Im eigenen Garten kann jeder ausprobieren, wie man den Böden auch auf natürliche Weise zu Kraft verhilft. Beispielsweise mit selbst gemachten Kompost. Michael Eppinger hat damit beste Erfahrungen gemacht.
Der Gartenliebhaber aus Esslingen beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Frage, wie man das Nahrungsnetz im Boden fördert, ohne dafür künstliche und wegen der Salze schädliche Dünger einsetzen zu müssen. Eppinger weiß um die wichtige Funktion von Klein- und Kleinstlebewesen wie Bakterien, Protozoen, Nematoden, Anthropoden und wie sie alle heißen. Und er weiß um die Bedeutung von Pilzen, die sich mit ihren langen Fäden über weite Strecken zu Nährstoffen hin bewegen können. Fäden, die durch Bodenbearbeitung zerstört werden. Viel Wissen hat sich der Maschinenbau-Ingenieur im Laufe der Jahre angeeignet, aus Fachliteratur, aus Kursen, aus Gesprächen mit Experten, aber vor allem aus eigenem Tun. Sein Garten in Rüdern ist auch so etwas wie eine Versuchsfläche.
Eigenen Bio-Dünger entwickelt
Eppinger hat einen aufreibenden Beruf. Wann immer er daneben Zeit findet, ist er zwischen Stauden. Beeten und Obstbäumen zu finden. „Das ist für mich die beste Entspannung“, sagt der 60-Jährige. Seine Interessen waren schon immer vielfältig. Eine Zeit lang hat er sich intensiv mit Orchideen und fleischfressenden Pflanzen beschäftigt, was ihm aber letztlich zu zeitaufwendig wurde. Dann begeisterte er sich lange für alte Rosenarten. Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde er als Initiator der jährliche Aktion „Offene Gärten in Esslingen und im Mittleren Neckarraum“. Den Namen Eppinger verbindet man aber auch mit einem Bio-Dünger, den er vertreibt und den er vor zehn Jahren zusammen mit der Universität Gießen entwickelt hat. Reich werde er damit nicht, wie er betont. Doch spiegelt es sein Bestreben, selbst etwas auf die Beine zu stellen, um die Gartenkultur, wie er sie versteht, zu fördern.
Auf die Geduld kommt es an
Wie bekomme ich auf möglichst natürliche Weise einen fruchtbaren Boden, auf dem Pflanzen gut gedeihen? Eppinger empfiehlt als erstes Mittel einen klassischen Kompost. Dazu eignen sich beispielsweise Gartenabfälle, die man am besten gleich häckselt, um sich ein späteres Umsetzen zu sparen, und zum anderen Küchenabfälle von Gemüse oder Obst. „Da sollten keine Gifte reinkommen“, sagt der Gartenfachmann. Das sei oft das Problem an Schalen von Südfrüchten. Wer einen Kompost ansetzt, braucht nach seinen Worten allerdings Geduld. Eineinhalb Jahre müsse man rechnen, bis ein gutes Produkt entstanden sei. Eppinger rät dazu, Urgesteinsmehl einzustreuen, „denn da sind sämtliche Elemente drin“. Vielleicht auch Algenkalk zusetzen und Bentonit, „damit das Ganze ein bisschen mehr erdige Substanz bekommt“. Nach dem Sieben könne der Kompost dann im Frühjahr über die Beete, in die Saatrille oder ins Pflanzloch gestreut werden. Außerdem empfiehlt Eppinger, auf offenen Bodenflächen Mulch aufzubringen, sprich, eine Schicht von organischen Abfällen wie Gras, Blätter oder gehäckselte Äste und Stauden. „Das hilft, um den Boden vital zu halten.“ Bei Sträuchern, Stauden und Bäumen sollte man Asthäcksel verwenden, sogenannte braune Materialien, bei Gemüsekulturen und einjährigen Pflanzen grünes Häckselmaterial aus Gras, grünen Blättern oder Bioabfällen. Zusätzlich unterstützt werden kann das Pflanzenwachstum durch Mykorrhiza, eine Symbiose zwischen Pilz und Pflanze. Durchaus empfehlenswert ist laut Eppinger die Zugabe von organischem Dünger wie Hornmehl oder Pferdemist. „Von Kunstdünger sollte man dagegen die Finger lassen. Denn die darin enthaltenen Salze sind gefährlich. Damit macht man das ganze Bodenleben wieder kaputt.“
„Salze machen Bodenleben kaputt“
Einen wirklich guten Boden aufzubauen, dauere oft einige Jahre, erklärt Eppinger. Ein gutes Indiz dafür seien Wurmhäufchen. „Das spricht für eine gute Bodenqualität.“ Zusätzlich zum normalen Kompost könne man außerdem Komposttee verwenden. „Der Vorteil ist: Da dringen die Wirkstoffe tiefer in die Erde ein.“ Doch müsse man darauf achten, dass keine Fäule entsteht.