Je mehr E-Autos es gibt, desto öfter kommen die auch als Gefährt für den Urlaub in Frage. Ohne Vorbereitung sollte man aber nicht los. Foto: scharfsinn86/Adobe Stock//Evgeniy & Karina Gerasimovi

Sie bieten unter anderem Steuervorteile oder sind leiser und umweltfreundlicher als klassische Verbrennerautos. Aber kann man mit Elektroautos ohne Probleme im Sommer etwa nach Spanien, Italien und Co. fahren? Wir erklären, wie das klappen kann.

Elektroautos liegen im Trend: Laut ADAC gab es alleine im Februar dieses Jahres rund 50 Prozent mehr Neuzulassungen als im Vorjahresmonat. Zwar ist der Marktanteil mit etwas über einem Prozent weiter gering, die Tendenz aber stark steigend. Heißt auch: E-Autos werden zukünftig etwa für die Fahrt in den Urlaub relevanter.

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Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK im Auftrag der Deutschen Automobil Treuhand – einem Unternehmen, das unter anderem Marktforschung im Automobilsektor betreibt– können sich rund 41 Prozent der Deutschen vorstellen, mit einem E-Auto in den Sommerurlaub zu fahren. Über die Landesgrenzen hinweg zu verreisen, trauen sich nur 18 Prozent. Tatsächlich will die erste Reise gut geplant sein, sonst bleibt man vielleicht mit leergefahrenem Akku in einer fremden Gegend stehen.

Welche Reiseländer haben eine gute Ladeinfrastruktur?

Der Schlüssel zu einer entspannten Reise mit dem E-Auto ist das Wissen um die Erreichbarkeit der nächsten Ladestation. Man sollte sich daher vor Abreise anschauen, wie die öffentliche Ladesäulen-Infrastruktur im Zielland aussieht. In Deutschland gibt es knapp 50 000 Ladestationen, jede siebte ist eine Schnellladestation. In den Niederlanden findet man insgesamt mehr als 82 000, in Frankreich rund 45 000 Ladestationen. Gut ausgestattet sind auch Großbritannien mit knapp 35 000 und Norwegen mit rund 20 000. Beliebte Urlaubsziele wie Spanien (8500 Ladestationen) und Italien (6500 Ladestationen) sind weit abgeschlagen.

Wie plant man seine Reiseroute?

Bei der Fahrt mit einem E-Auto empfiehlt es sich, Ladestopps im Vorfeld zu definieren. Hier sollte man sich nicht nur auf das Auto-Navi verlassen, rät Birgit Dreyer von der Ergo Reiseversicherung. „Apps wie ‚A Better Routeplanner‘, ‚Chargemap‘ oder ‚Moovility‘ sind speziell für Elektroautos konzipiert, bieten Routen- und Ladeplanung in einem und kennen häufig weit mehr Ladestationen als die On-Board-Navigation.“ Innerhalb Deutschlands liefert das Standort-Tool der Bundesnetzagentur einen guten Überblick.

Wie viel Ladezeit muss man einplanen?

Der Ladeprozess ist mit die größte Umgewöhnung für neue E-Autofahrer. „Für viele ist es noch schwer vorstellbar, dass es eben nicht mehr die fünf Minuten zum Tanken von Benzin oder Diesel sind, sondern lange Ladepausen von mindestens 30 Minuten“, sagt Klaus Müller vom Verbraucherzentrale-Bundesverband . Wer eine weite Anreise hat, sollte genau prüfen, ob es sich bei den per App ausgewählten Stationen um klassische Ladesäulen oder Schnellladesäulen handelt. Denn die Ladedauer unterscheidet sich stark: Je nach Autotyp dauert die Ladung an einer klassischen Ladesäule rund zwei bis vier Stunden, an einer Schnellladesäule rund 30 Minuten – Letzteres, sofern man den Akku zu 80 Prozent laden will. Zum Vergleich: An der heimischen Steckdose dauert eine volle Ladung zehn Stunden und mehr.

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Sollte man mit der Ladekarte oder der Kreditkarte bezahlen?

Wer bereits mit einem Elektroauto unterwegs war, kennt den undurchsichtigen Ladekarten-Dschungel: Alleine hierzulande gibt es rund 200 Anbieter und damit ebenso viele unterschiedliche Tarifoptionen für die Ladung. Bei der Wahl des Ladekarten-Anbieters lohnt sich ein Blick auf das jeweilige Partnernetzwerk: Mitunter kann eine einzige Karte ausreichen, um Zugang zu fast allen öffentlichen Ladestationen in Europa zu erhalten. „Grundsätzlich ist das Laden im Ausland teils deutlich günstiger als hierzulande“, sagt Reiseexpertin Dreyer. Allerdings müsse man sich im Ausland vor versteckten Gebühren in Acht nehmen: „Einige Ladekartenanbieter berechnen ihren Nutzern sogenannte Roaming-Gebühren, ganz ähnlich wie bis vor einigen Jahren noch im Mobilfunknetz.“ In diesen Fällen sollten E-Autofahrer also lieber zur Kreditkarte greifen.

Darf man das E-Auto an Steckdosen von Campingplätzen oder Ferienhäusern laden?

Was verlockend klingt, kann Unmut bei Platzbetreiber oder Vermieter hervorrufen. Denn die dort üblichen Anschlüsse sind für die Bordversorgung des Campers, Wohnmobils oder Caravans sowie etwa Heckenschere oder den Rasenmäher gedacht, nicht für Autoakkus. Lädt man die trotzdem, verursacht das hohe Stromrechnungenbei Platzbetreiber und Vermieter. Mitunter kann man auch Probleme mit der Stromversorgung in der Umgebung verursachen. Denn vor allem in ländlichen Gebieten in Südeuropa ist das Stromnetz teils älter, kann bei Überlastung zusammenbrechen. Wenn dort ein einzelnes Elektroauto geladen wird, dürfte es nichts ausmachen, kommen aber mehrere gleichzeitig auf die Idee, wird es problematisch.

Pannen mit dem Elektroauto

Einsätze
 Der ADAC verzeichnete 2020 rund 9000 Panneneinsätze bei E-Autos. Im vergangenen Jahr waren es bereits mehr als 25 000. Ein Grund: die stark gestiegene Zahl an E-Auto Neuzulassungen. Zudem kommen die ersten Modelle jetzt in ein Alter, in dem Verschleißerscheinungen und so auch Pannen zunehmen.


Personal
Bleibt das E-Auto liegen, sollte nur Personal, das auch speziell dafür ausgebildet ist, versuchen den Schaden zu reparieren. Wer also etwa in Deutschland als Automobilclub-Mitglied den ADAC zu Hilfe ruft, sollte direkt sagen, dass es sich bei dem defekten Fahrzeug um ein Elektroauto handelt. Im Ausland kann man als ADAC-Mitglied die App des Auto Club Europa nutzen, um einen Pannenhelfer zu organisieren.