In Schorndorf stehen bereits Tiny Houses, auf denen sogar Strom produziert wird. Foto: Tiny House Schorndorf/CF Schanze

Der Verein Tiny Houses Region Stuttgart sucht im Kreis Ludwigsburg bislang vergeblich nach Flächen für eine Siedlung – während andernorts schon Aufbruchstimmung herrscht.

Der 4200-Seelen-Ort Burgrieden im Kreis Biberach hat es mit einem einzigen Beschluss kurz vor Weihnachten in die überregionalen Schlagzeilen geschafft. Der Gemeinderat gab grünes Licht für eine Tiny-House-Siedlung – die erste größeren Stils in ganz Baden-Württemberg. Schorndorf hat sich ebenfalls einen Namen in der Szene der Mini-Haus-Liebhaber gemacht. Die Stadt im Rems-Murr-Kreis hat auf einer Grünfläche fünf Bauplätze für die Zwerg-Häuser reserviert. Während andernorts also in der Hinsicht Aufbruchstimmung herrscht, ist der Status quo im Kreis Ludwigsburg ernüchternd: ein vergleichbares Projekt sei hier aktuell leider nicht in Sicht, sagt Angelika Bieber, die Zweite Vorsitzende des Vereins Tiny Houses Region Stuttgart.

Manche Kommunen reagieren überhaupt nicht

Man habe ein Rundschreiben an die Rathäuser versandt und sei mit vielen Verwaltungsstellen auch persönlich in Kontakt getreten, habe dabei abgeklopft, ob die Kommunen eventuell ein Areal für eine Siedlung ausweisen könnten. „Manchmal haben wir auf unsere Anfrage überhaupt keine Rückmeldungen bekommen, manchmal haben die Städte und Gemeinden auch grundsätzliches Interesse bekundet wie Bietigheim-Bissingen oder Besigheim, aber dann darauf hingewiesen, dass in den aktuellen Baugebieten diese Wohnform nicht vorgesehen ist“, berichtet die Steinheimerin, die sich auch in ihrer Heimatgemeinde erkundigt hatte. Deren Bauamtsleiter Frank Fussenegger habe sich sehr aufgeschlossen gezeigt und die Unterstützung der Stadt zugesagt, falls der Verein seine Ziele auf privatem Grund verwirklichen wolle. Es fehlten die personellen Ressourcen, um das Projekt anzugehen.

In einer Sackgasse stecken auch die Bemühungen, in Erdmannhausen Pionierarbeit für die Tiny-House-Sache zu leisten. Auf Initiative der Grünen war dort mit Unterstützung der SPD ein Antrag eingereicht worden, wonach die Gemeinde brach liegende Grundstücke pachten sollte, um die Parzellen interimsweise mit Mini-Häusern beleben zu können. Als Mieter hatte man junge Erdmannhäuser im Sinne, die so im Ort gehalten werden sollten. „Wir haben aber gesehen, dass sich dafür keine Mehrheit im Gemeinderat abzeichnet, und deshalb nicht darauf gepocht, darüber sofort zu entscheiden“, sagt Martina Glees-Brück von den Grünen. Zudem sei kein geeignetes Grundstück in Aussicht. „Vergessen haben wir das Thema aber nicht. Wir halten das auch immer noch für eine gute Sache. Für Baulücken hätte man so eine Zwischenlösung, auch wenn es natürlich nicht die großen Wohnraumprobleme löst“, erklärt sie.

Maues Interesse bei Eigentümern

„Das Projekt ist für den Augenblick gestorben“, ergänzt der Erdmannhäuser Bürgermeister Marcus Kohler. Man habe alle 70 Eigentümer unbebauter Grundstücke angeschrieben und lediglich zwei Rückmeldungen erhalten. Der eine Besitzer hätte sein Areal aber auch nur für fünf statt der angedachten zehn Jahre verpachtet, der andere habe als Bedingung nur mit der Gemeinde als Partner arbeiten wollen. Man werde aber keine 130 000 Euro für ein Kleinhaus ausgegeben, betont Kohler.

All das heißt aber nicht, dass Angelika Bieber und ihre Mitstreiter nun die Flinte ins Korn werfen würden. „Wir hoffen darauf, dass wir von privater Seite ein Angebot bekommen“, sagt die zweite Vorsitzende von Tiny Houses Region Stuttgart, die selbst gerne von ihrer 120-Quadratmeter Wohnung in ein Kleingebäude mit weniger als 50 Quadratmeter ziehen möchte. Und das am liebsten in einer Gemeinschaft mit Gleichgesinnten, die sich in einer Siedlung Werkstatt, Waschmaschine und anderes mehr teilen. „Das ist das Ideal. Dahinter steckt auch der Gedanke der Nachhaltigkeit“, erklärt Bieber.

Zwei Projekte auf einem viel versprechenden Weg

Auf einem guten Weg hin zu einer Tiny-House-Siedlung befinde man sich in Kirchheim/Teck und Murrhardt. Auf großen Grundstücken könnten hier wie da rund zehn Mini-Häuser gebaut werden. In Kirchheim/Teck solle das Vorhaben auf städtischem, in Murrhardt auf privatem Grund verwirklicht werden. „Anfang dieses Jahres sollen die Projekte im Gemeinderat vorgestellt werden“, kündigt Angelika Bieber an. Anschließend müssten die baurechtlichen Fragen geklärt werden.

In Schorndorf sollen weitere Mini-Häuser entstehen

Das ist in Schorndorf längst geschehen, wo fünf Parzellen à 120 bis 150 Quadratmeter für Tiny Houses freigehalten wurden. Auf einer Fläche, die für den konventionellen Wohnungsbau nicht infrage kam. Drei der fünf Grundstücke sind bereits mit den Mini-Häusern bestück, Nummer vier soll im ersten Quartal dieses Jahres folgen, erklärt Svenja Beigl vom Fachbereich Wirtschaftsförderung der Stadt.

Das Zusammenleben, auch mit der Nachbarschaft, funktioniere „sehr gut“, sagt Beigl als positives Zwischenfazit. Die Stadt plane nun, „weitere Grundstücke für den Bau von Tiny-Häusern zur Verfügung zu stellen. Dabei wird es sich um einzelne Restflächen handeln, die sonst nicht oder nur ungünstig konventionell bebaubar wären.“

Kosten und Ziele

Kaum Siedlungen
Unter einem Tiny House versteht man ein Kleinsthaus mit einer Größe von in der Regel nicht mehr als rund 35 Quadratmeter. Die Kosten für so ein Gebäude bewegen sich laut Tiny House Verband zwischen 35 000 und 120 000 Euro. Minihaus-Siedlungen gibt es in Deutschland nur ganz wenige. Die derzeit größte befindet sich im Fichtelgebirge mit Platz für 35 Gebäude.

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Tiny House Region Stuttgart ist eine Plattform für Menschen, die sich für ein Leben in einem Kleinhaus interessieren. Der Verein versucht zudem, Kommunen von der Idee zu begeistern, und sucht Grundstücke, auf denen Tiny Houses gebaut werden könnten. Weitere Infos und Kontaktmöglichkeiten gibt es unter www.tinyhouses-stuttgart.de.