An Timo Baumgartl (links) und Benjamin Pavard (rechts) kommt keiner so leicht vorbei. Foto: dpa - dpa

Stuttgart 21 auf dem Platz: Mit den 21-jährigen Baumgartl und Pavard im Abwehrzentrum ist der VfB seit 336 Minuten ohne Gegentor

Stuttgart Es hat beim VfB Stuttgart Zeiten gegeben, da ist auf das Duo Timo Baumgartl und Benjamin Pavard in der Abwehrzentrale nur bedingt Verlass gewesen. Am 15. Oktober 2016 war das, als der Trainer Hannes Wolf in seinem dritten Pflichtspiel Mut bewies – und das Tandem beim Fußball-Zweitligagastspiel in Dresden gemeinsam im Zentrum einer Viererkette auflaufen ließ. Das Ergebnis ist hinlänglich bekannt: Die Stuttgarter bekamen beim 0:5 an der Elbe das Fell über die Ohren gezogen – und das Gespann Baumgartl/Pavard durfte danach höchstens unter Geleitschutz in einer Dreierkette zusammen ran.

Seit Tayfun Korkut beim VfB das Ruder übernommen hat, sieht es anders aus: Seit inzwischen 336 Bundesliga-Minuten ist der Aufsteiger ohne Gegentor – und rund um die Mercedes-Benz-Arena feiert man längst unter dem Titel „Stuttgart 21 mal anders“ (Bild-Zeitung) den Umstand, dass die beiden 21 Jahre alten Innenverteidiger Pavard und Baumgartl den Laden in der Zentrale der Stuttgarter Defensivkette zusammenhalten. Inzwischen räumen die beiden konstant die Bestnoten bei der Bewertung der VfB-Profis ab.

Zweikampfquote von 100 Prozent

Pavard etwa glänzte gegen Eintracht Frankfurt mit einer Zweikampfquote von 100 Prozent, was allein dadurch relativiert wird, dass der Lockenkopf aus Maubeuge in Nordostfrankreich lediglich 31 Ballkontakte hatte. Dies aber täuscht nicht über die Tatsache hinweg, dass der Jungnationalspieler der Équipe tricolore und sein schwäbischer Partner, der Sohn der ehemaligen Handball-Nationalspielerin Manuela Baumgartl aus Maichingen, immer besser harmonieren.

„Sie machen ihre Sache sehr gut. Beide finden von Spiel zu Spiel besser zusammen. Gegen Frankfurt haben die zwei praktisch jedes wichtige Duell gegen robuste Gegenspieler für sich entschieden“, lobte Korkut: „In dieser Kombination haben beide ihr bestes Spiel beim VfB gemacht. Sie standen sehr stabil.“

Also wird der vormalige Platzhirsch im Abwehrverbund, der allein mit sechs deutschen Meistertiteln sowie Platz drei bei der WM 2010 hochdekorierte Holger Badstuber, wohl auch beim Gastspiel am Sonntag (15.30 Uhr) beim 1. FC Köln auf die Sechserposition ausweichen müssen. Denn Korkut dürfte das Pärchen kaum auseinanderreißen, das auch der Nebenmann Andreas Beck lobt. „Die beiden Jungs bringen viel mit: Grund-Speed, ein gutes Auge sowie ein sicheres Passspiel“, sagte der blonde Rechtsverteidiger. „Auch ihnen haben wir es zu verdanken, dass wir den Gegner weit vom Tor ferngehalten haben. Wenn wir mal überspielt werden, sind sie immer noch da.“

Mit ihren 21 Jahren sind die beiden Innenverteidiger zwar noch jung, aber nicht mehr grün hinter den Ohren: Baumgartl debütierte im November 2014 unter Armin Veh, hat inzwischen 96 Pflichtspielen für den VfB absolviert – und in dieser Zeit bereits acht Cheftrainer am Wasen erlebt. Pavard hingegen ging mit neun Jahren ins Fußballinternat des OSC Lille und wohnte in dieser Zeit bei einer Gastfamilie.

Dennoch hat der Lockenkopf eine ganz enge Bindung zu seinen Eltern, die zu jedem Heimspiel nach Stuttgart reisen. „Mein Vater ist mein bester Freund und mein schärfster Kritiker“, sagt Pavard, der es ebenfalls auf bereits 75 Einsätze als Profi bringt. Im August 2016 zum VfB gewechselt, avancierte der Franzose in den vergangenen anderthalb Jahren zum größten Aufsteiger im Stuttgarter Kader. Als einziger Feldspieler hat Pavard in dieser Saison keine einzige Bundesliga-Minute verpasst.

„Beide waren überragend – und für ihr Alter herausragend“, sagte der VfB-Manager Michael Reschke nach dem Frankfurt-Spiel – und Korkut ergänzte: „Wir können durch ihre Grundschnelligkeit höher stehen.“ Der „Baumi“, wie die Kollegen den blonden Baumgartl nennen, ist also auf dem besten Weg, ein standfester Baum zu werden. „Nationalmannschaftsreif“ nannte Reschke jüngst die Leistungen des Eigengewächses.

Während es Baumgartl in die U 21 gebracht hat, ist Pavard einen Schritt weiter. „Wenn ich zur WM dürfte, wäre das das Sahnehäubchen“, sagte der Franzose, der unter Nationalcoach Didier Deschamps im Vorjahr im A-Team debütierte.

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