Die Asiatische Tigermücke ist gekommen um zu bleiben. Foto: picture alliance/dpa

Die Asiatische Tigermücke kann Krankheiten übertragen. Ein Experte erklärt, warum es trotz der kalten Jahreszeit wichtig ist, Maßnahmen gegen sie zu ergreifen.

Die Asiatische Tigermücke breitet sich in Stuttgart aus. Nachdem sie schon seit einer Weile in Weilimdorf heimisch ist, wurde sie nun erstmals in zwei weiteren Stadtbezirken nachgewiesen. Auch in Mühlhausen und Vaihingen hat sie sich vermehrt. Bedeutet das nun, dass die Maßnahmen der Stadt zur Eindämmung gescheitert sind? Florian Hölzl, der als Leiter der Abteilung Infektionsschutz und Umwelthygiene beim Gesundheitsamt für das Thema zuständig ist, verneint das. „Es stimmt, dass die Tigermücke sich in der Fläche weiter ausbreitet, aber mit den richtigen Gegenmaßnahmen kann die Dichte des Befalls verringert werden.“

Dies sei wichtig, weil die Mücke für die Anwohner dann weniger belastend ist, die Weiterverbreitung verlangsamt wird und auch das Risiko für Übertragungen von Infektionskrankheiten gesenkt wird. In Weilimdorf ist dies laut Hölzl bereits gelungen.

Dort hatten Bewohner und Bewohnerinnen bereits äußerst unangenehme Erfahrungen mit der invasiven Insektenart gemacht. Manche hatten sich in den Sommermonaten nicht mehr in die Gärten getraut. „Die Tigermücke ist tagaktiv und sehr aggressiv – die Lebensqualität leidet natürlich darunter, wenn sie die Gärten und Balkone befallen“, erklärt Hölzl. Darüber hinaus ist das Insekt mit den auffälligen Streifen jedoch auch ein potenzieller Überträger des Dengue- oder Chikungunya-Virus.

Stuttgart kämpft verzweifelt gegen die Tigermücke

Ermutigt von dem Erfolg in Weilimdorf will die Stadt die Maßnahmen fortsetzen – wohl wissend, dass sie dabei auf die Hilfe der Bürger und Bürgerinnen aus ganz Stuttgart angewiesen ist. „Wir müssen davon ausgehen, dass die Tigermücke auch in weiteren Stadtbezirken heimisch wird“, betont Hölzl. Gerade deshalb sei es wichtig, dass die Hinweise zur Brutstättenvermeidung möglichst im ganzen Stadtgebiet umgesetzt werden – und zwar auch in der kalten Jahreszeit. „Die Tigermücke legt im Herbst sogenannte Diapause-Eier ab, die den Winter überstehen können“, erklärt der Experte.

Wenn es dann im Frühjahr wärmer werde, könne daraus die erste Generation Mücken für die nächste Mückensaison schlüpfen. Es gilt: Je mehr Eier den Winter überstehen, desto schneller vermehren sie sich dann und werden zu einer Belastung.

Eine Vogeltränke kann zur Brutstätte für Tigermücken werden. Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa-Zentralb

Experten empfehlen deshalb:

  • Mögliche Brutstätten trockenlegen: Dabei handelt es sich beispielsweise um Putzeimer, Gießkannen, Topfuntersetzer, Vogeltränken, Trinknäpfe, Autoreifen oder Kinderspielzeuge sowie verstopfte Regenrinnen, in denen sich Wasser über mehrere Tage sammelt.
  • Für den Winter geleerte Behältnisse mit einer Bürste kräftig abschrubben, den Innenrand und die Bürste abspülen.
  • Das Wasser mitsamt Abrieb zum Versickern auf Erdreich oder eine Wiese schütten – nicht in einen Abfluss oder Gully gießen.
  • Heißes Wasser tötet die Eier besonders gut ab.

Dass die Tigermücke sich nach Weilimdorf zunächst nicht in den umliegenden Stadtbezirken ausgebreitet, sondern in Vaihingen und Mühlhausen heimisch werden will, liegt daran, dass sie „flugfaul“ ist, wie es Hölzl ausdrückt. Sie fliegt nur 100 bis 200 Meter weit, weil sie in ihrem Verbreitungsgebiet alles vorfindet, was sie braucht. Sie breitet sich dennoch aus, weil sie von Menschen weitertransportiert wird – beispielsweise im Auto. So kam sie wohl aus Weilimdorf oder dem Umland auch nach Vaihingen und Mühlhausen.

Um die Populationen in den betroffenen Stadtbezirken einzudämmen und die restlichen Stadtbezirke so lange wie möglich vor dem Insekt zu schützen, hatte die Stadt die Fachfirma ICYBAC beauftragt, ein Monitoring vor allem, aber nicht ausschließlich in Weilimdorf durchzuführen. Dabei werden in einem Raster sogenannte Eiablage-Fallen aufgestellt. Das sind Eimer mit etwas Wasser und Holzstäbchen darin. Dicht oberhalb der Wasseroberfläche legen die Tigermücken dann ihre Eier ab, wenn sie sich vor Ort vermehren. Die Holzstäbchen werden regelmäßig gesammelt und die Eier dann unter einem Mikroskop nach Spezies unterschieden und ausgezählt. Das gibt wiederum Aufschluss auf die Populationsdichte.

Tigermücke: Stuttgarter sollen helfen

Darüber hinaus setzt die Stadt jedoch auf Aufklärung in der Bevölkerung und ruft zur Mithilfe auf. In Weilimdorf sind die Experten der Firma ICYBAC sogar von Haus zu Haus gegangen, um die Menschen vor Ort zu informieren und auf mögliche Brutstätten aufmerksam zu machen. Mit der Kampagne „EntLARVEnd“ versucht man bei der Stadt durch Rathausbanner, Flyer, Plakate und Postkarten auf das Thema aufmerksam zu machen.

Auf Interesse stießen auch verschiedene Infoveranstaltungen – vor allem bei den bereits betroffenen Bürgern und Bürgerinnen. Die CDU-Fraktion hat für den Doppelhaushalt 2026/2027 beantragt, dass aktive Monitoring und die professionelle Bekämpfung der Tigermücke durch eine Fachfirma auch künftig fortzusetzen. 100 000 Euro pro Jahr sollen dazu verwendet werden.

Hölzl begrüßt das, betont jedoch auch, dass das Monitoring durch die Bevölkerung ebenfalls wichtig sei. Wer eine Tigermücke entdeckt, sollte Fotos aus möglichst mehreren Perspektiven machen und diese beim Gesundheitsamt einschicken. Dass die Bevölkerung in den betroffenen Stadtbezirken aktiv wird, ist zwar erfreulich, doch: „Wir müssen besser werden in den noch nicht betroffenen Stadtbezirken, weil es auf die gesamte Bevölkerung ankommt - und das nicht erst, wenn die Tigermücke schon vor Ort ist“, sagt Hölzl.

Die Veranstaltung läuft auch in Präsenz, und zwar von 17 Uhr bis 18.30 Uhr.