Klein, aber nicht harmlos: In Fellbach wurden zwei Asiatische Tigermücken nachgewiesen – winzige Insekten mit potenziell gefährlicher Fracht. Die Stadt ruft zur Wachsamkeit auf.
Sie ist winzig, gestreift und gefährlich: Die Asiatische Tigermücke wurde erneut in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) nachgewiesen. Zwei Exemplare hat das Gesundheitsamt Rems-Murr bestätigt. Zuletzt tauchte sie 2021 auf. Jetzt ist sie wieder da – und mit ihr die Sorge vor tropischen Viren mitten in Baden-Württemberg.
Aedes albopictus kann Dengue, Zika und Chikungunya übertragen, Virusinfektionen, die normalerweise hauptsächlich in tropischen und subtropischen Regionen auftreten. Zwar ist das Risiko bislang gering, aber nicht null. Wenn eine Person gestochen wird, können lokale Infektionsketten entstehen. Das zunehmend milde Klima begünstigt die Ausbreitung. Die Eier überdauern sogar den Winter – solange irgendwo Wasser steht. Bereits kleinste Mengen genügen, um als Brutstätte zu dienen.
Tigermücken erkennen und bekämpfen: Das rät Fellbach
Die Stadt Fellbach ruft deshalb zur Mithilfe auf: Jeder Haushalt kann Brutstätten beseitigen – oder neue schaffen. Blumentopfuntersetzer, Vogeltränken, Dachrinnen, alte Reifen: das alles sind Kinderstuben für Tigermücken. „Früherkennung ist entscheidend“, so das Gesundheitsamt.
Für dauerhaft wassergefüllte Gefäße empfiehlt die Stadt sogenannte Bti-Tabletten. Das biologisch abbaubare Larvengift wirkt gezielt – sollte aber nur bei festgestelltem Befall eingesetzt werden. Sichtungen können über das Meldeportal der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage e.V. (kurz: KABS) erfolgen. Dort gibt es auch Informationen zur sicheren Anwendung von Bti sowie Hinweise zur Mückenbiologie.
Kernen im Remstal setzt auf Aufklärung und Nachbarschaft
Wie organisierte Gegenwehr aussieht, zeigt Kernen im Remstal. Bereits im April startete dort ein Aktionsprogramm mit Infoveranstaltung und dem Projekt „Straßenpaten“. Ziel: Brutstätten erkennen, beseitigen, Nachbarn sensibilisieren.
Kernens Bürgermeister Benedikt Paulowitsch: „Die Tigermücke ist mitten unter uns.“ Beim Auftakt sprach Mückenexperte Prof. Dr. Norbert Becker, tags darauf zogen engagierte Bürger mit Gießkannen durch ihre Viertel. Sie suchten gezielt nach Wasseransammlungen und klärten in Gesprächen auf.
Tigermücke: Verhalten, Gefahr und Verbreitung
Gefährlich ist nicht nur das Viruspotenzial. Es ist das Verhalten des Insekts: Tagaktiv, ausdauernd, aggressiv. Die Asiatische Tigermücke lebt in direkter Menschennähe und sticht mehrfach, oft unbemerkt. Ihre Eier überstehen Trockenzeiten monatelang. Sobald Wasser nachläuft, beginnt das Schlüpfen. Laut KABS entstehen über 80 Prozent der Brutstätten auf Privatgrundstücken.
Hinzu kommt: Die Mücke ist äußerst anpassungsfähig. Ursprünglich in Südostasien beheimatet, hat sie sich durch den globalen Warenverkehr inzwischen weltweit verbreitet – auch in südlichen Regionen Deutschlands. Besonders in dicht besiedelten Gebieten kann sie sich dauerhaft etablieren.
Modellprojekt zur Tigermücke Kernen: Vorbild für die Region
Während andernorts Bti per Helikopter verteilt wird, setzt Kernen auf Nachbarschaftshilfe. Die „Straßenpaten“ suchen gezielt nach versteckten Brutstätten in privaten Gärten, an Regenrinnen, unter Terrassen. Das Modellprojekt zeigt: Aufklärung wirkt.
„Wenn wir bestehen wollen, brauchen wir viele Mitstreiter“, sagt Benedikt Paulowitsch. Die Kombination aus Information, lokaler Aktion und freiwilligem Engagement gilt als vielversprechend. Erste positive Effekte zeigen sich bereits: Weniger Mücken, mehr Aufmerksamkeit.
Ausbreitung der Tigermücke im Rems-Murr-Kreis: Kein Einzelfall mehr
Kernen und Fellbach sind mit dem Problem nicht allein. Auch Waiblingen und Weinstadt haben schon Funde gemeldet. Der gesamte Kreis gilt als Gebiet mit potenzieller Etablierung. Das Landesgesundheitsamt beobachtet die Region genau. 2024 meldete Kornwestheim flächendeckenden Befall. Die Stadt investierte in Bti-Tabletten und Aufklärungskampagnen. In Stuttgart-Weilimdorf wurde die „Mähdachwiese“ zum Symbol für die Ausbreitung. Inzwischen breitet sich die Tigermücke weiter ins Stadtgebiet aus. Der Trend ist eindeutig.
Was Fellbachs Bürger jetzt gegen die Tigermücke tun sollten
Fellbach steht am Kipppunkt. Noch sind es nur zwei Funde – doch wer jetzt abwartet, riskiert eine Mückensaison mit Folgen. Die Stadt ruft zur aktiven Beteiligung auf:
- Stehendes Wasser vermeiden
- Regentonnen abdecken
- Vogeltränken regelmäßig leeren
- Sichtungen melden
Funde können direkt dem KABS e.V. gemeldet werden – mit Foto. Die Daten fließen ins bundesweite Monitoring ein. Je schneller reagiert wird, desto effektiver lässt sich eine flächendeckende Ausbreitung verhindern.
Die Tigermücke im Steckbrief – klein, lästig, gefährlich
- Art: Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus)
- Größe: 3–8 mm, schwarz-weiß gestreift
- Lebensweise: Tagaktiv, aggressiv, urban
- Vermehrung: Eier überleben Trockenzeiten, schlüpfen bei Wasserzugabe
- Brutstätten: Blumentöpfe, Dachrinnen, Gießkannen, Autoreifen
- Viren: Dengue, Zika, Chikungunya (bisher keine lokalen Fälle)
- Bekämpfung: Bti-Tabletten (gezielt), wichtigstes Mittel: stehendes Wasser vermeiden
Die Asiatische Tigermücke ist kein Sommergast, sie will bleiben. Der Kampf beginnt im Hinterhof, im Balkonkasten, am Boden der Vogeltränke.