27.01.2019 Einweihung Tierhaus - Tierheim Esslingen

 Foto: Hauenschild

Mit großem Aufwand wurde das neue Tierhaus im Tierheim auf der Esslinger Neckarinsel gebaut. Am Sonntag feierten zahlreiche Tierfreunde dort die Einweihung.

EsslingenEs staut sich auf der Quarantäne-Station. Neugierige Gesichter wagen dort einen Blick in die Räume. Nebenan auf der Krankenstation ist der Besucherandrang ebenso groß. Zahlreiche Tierfreunde nutzten am Sonntag die Chance, das neue Tierhaus im Tierheim auf der Esslinger Neckarinsel zu besichtigen und Einblicke zu erhalten, die man sonst nicht alle Tage bekommt. Denn diese beiden Bereiche werden später nicht mehr für die Allgemeinheit zugänglich sein. Deshalb lautete die Devise: Schnell nochmal reingucken. Entsprechend groß war der Andrang.

Im ersten Stock des neuen Tierhauses bieten 21 Zimmer Platz für Vierbeiner. Acht Quadratmeter, jeweils innen und außen, lassen die Hunde komfortabel unterkommen. Zwei Räume bieten sogar zehn Quadratmeter. „Zimmer statt Zwinger“, heißt das Motto im frisch eingeweihten Tierhaus, wie Ute Handke verrät. Sie ist stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Tierschutzvereins Esslingen. Zusammen mit dem Vorsitzenden David Koch schüttelt sie am Sonntagmittag zahlreiche Hände. Die beiden hören sich Fragen, Lob und Anmerkungen der Besucherinnen und Besucher an und freuen sich über die große Resonanz, die das Tierheim auch über Esslingen hinaus findet.

Die ältesten Gebäudeteile hatten nach 65 Jahren die Bezeichnung „baufällig“ redlich verdient. Für David Koch, Ute Handke und ihre rund 120 aktiven ehrenamtlichen Mitstreiter stellte sich daher die Frage: Sanieren oder etwas Neues bauen? Letzteres wurde zur Vision, dann zum Plan und mittlerweile zu einem doppelstöckigen Haus mit Garten – Hundedusche inklusive.

Viel Geld musste fließen, um das Projekt zu realisieren. 2,2 Millionen Euro waren nötig – der größte Batzen kam von einer Stiftung, nach deren Namensgeberin das neue Heim benannt wurde: der Margarete-Müller-Bull-Stiftung, die 700 000 Euro beisteuerte. Auch das Land Baden-Württemberg und die Stadt Esslingen förderten den Bau. Was die Tierheim-Leitung besonders freut: Mehr als 300 000 Euro an Spendengeldern wurden schließlich gesammelt.

Wer das bunte Treiben am Sonntag auf der Neckarinsel erlebt hat, dürfte kaum geahnt haben, wie viel Arbeit in dem ambitionierten Projekt steckt. Der Architekt Ulrich de Pay nahm das Heft in die Hand. Er habe schon Autohäuser geplant und Häuser für Menschen gebaut, meinte er augenzwinkernd. Warum solle er dann nicht auch welche für Tiere bauen? Nach dem Spatenstich Mitte 2018 ging alles recht schnell: Der Fertigbau stand innerhalb von etwa zwei Wochen. Der zeitintensive Teil war dann der Ausbau. Besonderen Wert legte man laut de Pay auf die Energieeffizienz: „Unser Energie-Ausweis kann sich sehen lassen.“ Photovoltaik auf dem Dach, Wärmedämmung in der Bodenplatte – nichts war dem Zufall überlassen.

„Mit viel Geld bauen kann jeder“

Wegen der eingeschränkten finanziellen Mittel musste man intelligent vorgehen. „Mit viel Geld bauen kann jeder“, sagt de Pay. Tatsächlich war das neue Tierhaus auch eine Notwendigkeit. Laut Ute Handke ist die Zahl der Tiere im Heim über die Jahre immer weiter gestiegen. Über die Gründe dafür lasse sich nur spekulieren. Hunde, Katzen, Wellensittiche, Igel, aber auch Schildkröten, Kornnattern und Strauchratten gibt es in den älteren Bauten. Im neuen Tierhaus finden in insgesamt 39 Zimmern Vierbeiner und Samtpfötchen Unterschlupf – und vielleicht bald auch ein neues Herrchen. Begeistern konnte die Besucherinnen und Besucher ohne Zweifel die Hündin Nele, die öffentlichkeitswirksam in einer symbolischen Geste den Schlüssel zum neuen Tierhaus übergab. Für Ute Handke ist der neue Bau auch eine Rückbesinnung auf das Wesentliche: „Tieren muss man helfen. Darüber gibt’s keine Diskussion.“

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