Thomas Ebinger freut sich auf seine neue Kirchengemeinde. Foto: Rapp-Hirrlinger - Rapp-Hirrlinger

Vom Internet-Blog bis zur Konfi-App: Thomas Ebinger kommt als neuer Pfarrer in Kemnat auf die Menschen zu – und das auch digital.

OstfildernPfarrer ist ein genialer Beruf, er ist abwechslungsreich, bietet viele Gestaltungsmöglichkeiten und man kann selbstbestimmt arbeiten“, sagt Thomas Ebinger. Der 47-Jährige ist seit Anfang Februar Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Kemnat. Zuvor war der gebürtige Esslinger, der aus einer christlich geprägten Familie stammt, Pfarrer in Remseck-Hochdorf und hatte danach sechs Jahre lang eine Sonderpfarrstelle als Dozent für Konfirmandenarbeit am Pädagogisch-Theologischen Zentrum (PTZ) der Evangelischen Landeskirche in Stuttgart. Wie er tickt, kann man in seinem Internet-Blog nachlesen.

Alte Sprachen und Theologie hätten ihn schon interessiert, als er in Esslingen aufs Georgii-Gymnasium ging, erzählt Ebinger. Auch für die Kirchenmusik begeistertr er sich früh. Er spielte als Jugendlicher in Esslingen die Orgel in vielen Gottesdiensten. Kirchenmusik wäre für ihn eine Alternative zum Theologiestudium gewesen. Ebinger spielt auch Saxofon, Posaune und Gitarre. „Ich bin ein Verfechter neuer Musik im Gottesdienst, etwa von Bands oder Lobpreis. Es ist mir wichtig, die Singkultur in der Kirche zu erhalten.“ Der verheiratete Vater zweier Söhne im Alter von elf und 14 Jahren hat die Neuauflage des „Liederbuchs für die Jugend“ mit herausgegeben. Er geht er gerne zu Konzerten und in die Oper. An Kemnat schätzt er , dass es das „ländliche Feeling“ mit der Nähe zu Stuttgart verbinde.

Am Theologie-Studium reizte Thomas Ebinger die wissenschaftliche Vertiefung von Glaubensthemen. „Das Studium ist geisteswissenschaftlich sehr breit angelegt von Geschichte über Philosophie bis zur Soziologie.“ Inzwischen ist der promovierte Theologe jedoch gerne „Dorfpfarrer“, wie er sagt. In Kemnat hat ihn die „aktive, fromm geprägte Gemeinde“ mit rund 1800 evangelischen Christen und einer großen Zahl an ehrenamtlich Engagierten gleich angesprochen. Ebinger begeistert sich für die Gemeindearbeit. „Man kann Menschen über eine längere Zeit begleiten und Dinge gestalten.“ Ein Pfarrer müsse Zeit für die Gemeinde haben und für alle ansprechbar sein. Was gut laufe, solle er aber laufen lassen: „Der Pfarrer muss sich nicht überall einmischen.“

Für diejenigen, die in der Gemeinde wenig vorkommen, will er Formate finden, die sie ansprechen. Kemnat habe viele Neuzugezogene. Diesen vor allem jungen Familien eine kirchliche Heimat zu geben, ist dem Pfarrer wichtig. Jüngere Menschen und Familien für die Gemeinde zu gewinnen, ist sein Anliegen. Dazu gehöre, Gottesdienste modern und vielfältig zu gestalten. „In meiner Zeit am PTZ habe ich gelernt, Gottesdienste viel stärker aus der Perspektive von Konfirmanden zu betrachten.“ Ein Gottesdienst müsse für alle etwas bieten. Er lässt sich dabei von der Überzeugung leiten, „dass die Grundfragen von Menschsein und vom Christsein alle betreffen“.

„Auch mal politisch unkorrekt sein“

Die Konfirmandenarbeit wird ein Schwerpunkt. Am PTZ hat Ebinger die „Konfi-App“ entwickelt, die junge Menschen für den Glauben begeistern soll. Derzeit tüftelt er an Konzepten für „Escape-Rooms“ für Konfirmanden. Den Zylinder, der den Schlüssel enthält, hat Ebinger selbst auf seinem 3-D-Drucker ausgedruckt. Ebinger gerne digital unterwegs. Auf seinem Blog und auf Twitter äußert er sich vorwiegend zu kirchlich-theologischen Themen – durchaus kritisch: „Es darf auch mal politisch unkorrekt sein“. Dass dies nicht nur bei jüngeren Kollegen gut ankommt, sondern er auch positive Rückmeldungen von älteren Menschen bekommt, freut den Pfarrer. Die Kirche müsse offen und zugänglich sein, aber auch klar Position beziehen und dorthin gehen, wo die Menschen sind. „Wir können nicht erwarten, dass alle zu uns kommen.“ Social Media seien ein wichtiger Weg, um Zugang zu Menschen zu bekommen.

Doch auch andere Fragen beschäftigen den Pfarrer: Für den evangelischen Kirchenbezirk Bernhausen ist er für die Asylarbeit zuständig. „Da hat die Kirche eine unglaubliche gesellschaftliche Aufgabe.“ Für Ebinger steht der diakonische Ansatz von Hilfe und Nächstenliebe im Vordergrund. „Aber natürlich müssen wir auch sagen, aus welchem Grund wir dies tun.“

Thomas Ebingers Blog findet sich unter: https://thomas-ebinger.de

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