Angelique Kerbers Auftritt in Melbourne war extrem kurz. Foto: dpa/Frank Molter

Wie schon vor einem Jahr scheitert die 34-Jährige bei den Australian Open bereits in der ersten Runde. Auch damals war das Coronapech im Spiel.

Melbourne/Stuttgart - Da hat sich Angelique Kerber aber kein schönes Geburtstagsgeschenk gemacht: In Runde eins der Australian Open sind alle Träume von einem gelungenen Start ins Tennisjahr 2022 für die Deutsche geplatzt. Gegen die immerhin auch schon 36 Jahre alte Estin Kaia Kanepi verlor Kerber mit 4:6, 3:6 und musste sich im Einzelwettbewerb nach ihrem ersten Auftritt auch schon wieder verabschieden. Ausgerechnet an ihrem 34. Geburtstag! Und ausgerechnet wie im letzten Jahr an selber Stelle, wo sie auch schon in der ersten Runde scheiterte. Nun werden in der Tennisszene wieder Stimmen laut: Neigt sich Angelique Kerbers Karriere dem Ende zu?

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Die ehemalige Profispielerin Christina Singer-Bath aus Göppingen glaubt das nicht. „Ihr Abschneiden in Australien sollte man nicht überbewerten. Wenn Angelique Kerber noch Lust hat, und so nehme ich es wahr, bin ich mir sicher, dass sie wiederkommt“, sagt die heutige Landestrainerin, die früher zweimal bei einem Grand-Slam-Turnier in der dritten Runde stand. „Beim ersten Turnier im Jahr weiß man ja auch noch nicht so richtig, wo man steht. Ich glaube also schon, dass da noch was kommt von ihr in diesem Jahr“, sagt Singer-Bath.

Die dreimalige Grand-Slam-Turniersiegern Kerber war nach der Auftaktniederlage gefasst. „Es gibt manchmal Tage wie diese. Sie spielt gut, aber ich habe nicht mein bestes Tennis gespielt“, sagte Kerber, die als letzte Deutsche ausgeschieden war. Sie habe versucht ihren Rhythmus zu finden – „und trotzdem habe ich alles gegeben.“ Gegen die unbequeme Gegnerin Kanepi, die in der Weltrangliste auf Platz 115 rangiert, reichte das für die Nummer 20 der Welt nicht. Aber vor allem fühlte sich Kerber erinnert an die Duplizität der Ereignisse. Im vergangenen Jahr war sie in Melbourne ebenso in der ersten Runde ausgeschieden – auch weil sie wegen mit Covid 19 infizierter Fluggäste zwei Wochen in australische Quarantäne musste.

Fieber und kein Geschmack

Diesmal war sie selbst betroffen. Im Dezember steckte sich Kerber mit dem Coronavirus an. Sie habe Fieber gehabt, auch keinen Geschmack – also mit allem, was dazugehört. Sie bangte sogar um ihren Start in Melbourne, schaffte es aber mit einem Kraftakt, wieder fit zu werden und teilzunehmen an dem Turnier, das sie im Hinblick ihres ersten Major-Sieges im Jahr 2016 so liebt. Auch weil die Australier aufmerksame Gastgeber sind. Beim Warmspielen stimmten Zuschauer das Geburtstagsständchen „Happy Birthday“ an. Kerber war fast zu Tränen gerührt. Und danach kam das Aus.

Lässt sich an dieser Niederlage ablesen, dass eine großartige Karriere bald zu Ende geht? Im Alter von 34 Jahren haut man die Gegnerinnen nicht mehr vom Platz wie mit 25. Doch hat Kerber auch im vergangenen Jahr gezeigt, dass sie wie eine Wundertüte ist. Dem misslungenen Jahres-Auftakt folgten der Turniersieg in Bad Homburg so wie andere starke Platzierungen, so stand sie in Wimbledon und Cincinnati im Halbfinale. „Ich habe mir in der zweiten Jahreshälfte wieder den Respekt der Spielerinnen zurückgeholt“, zog sie zufrieden Bilanz.

Missglückter Auftritt

Diesen missglückten Australian-Open-Auftakt kann sich die gebürtige Bremerin im Hinblick auf eine erst kürzlich überstandene Infektion mit gesundheitlichen Problemen nicht übel nehmen. Und so scheint es, dass diese Karriere erst zu Ende ist, sobald es die Spielerin auch kundtut. Denn wenn jemand im Tenniszirkus das Zeug hat, sich zurückzukämpfen, dann Angelique Kerber. Sie muss es im Laufe des Jahres nur noch zeigen.