Ein tödlicher Unfall – und die Enkelin soll ins Gefängnis? Das kann eine Oma erschüttern. Mit so einer Geschichte haben Betrüger eine Frau in Stuttgart hereingelegt.
Großeltern geht der Schutz ihrer Enkelkinder über alles. Auch dann noch, wenn die Kinder längst erwachsen sind und Auto fahren – das nützen Betrüger immer wieder auf perfide Art und Weise aus. So ist es einer Seniorin am Freitag im Stadtteil Hausen ergangen, die zum Opfer eines betrügerischen Schockanrufes wurde. Eine Anruferin rief aufgewühlt und schluchzend an. Sie machte die Frau glauben, sie sei ihre Enkelin. Dann erzählte sie, sie habe einen schweren Verkehrsunfall verursacht und müsse in Untersuchungshaft, wenn sie keine Kaution bezahlen würde. Um die junge Frau, die sie für die Enkelin hielt, vor der angeblich dräuenden Untersuchungshaft zu bewahren, bezahlte die Seniorin für die geforderte Kaution.
Die Frau aus Hausen suchte Schmuck und Bargeld im Wert von insgesamt rund 20 000 Euro zusammen. Das Geld und die Wertsachen übergab sie gegen 23 Uhr am Heimerdinger Weg an einen Boten der Betrüger. Der Abholer soll etwa 20 Jahre alt sein, 1, 90 Meter groß und kurze blonde Haare haben. Zeuginnen und Zeugen, die den Mann in der Gegend gesehen haben, werden gebeten, sich unter Telefon 0711/8990 5778 bei der Kriminalpolizei zu melden.
Es kommt immer wieder zu wahren Wellen solcher Betrugsanrufe, wenn die Tätergruppen sich auf eine Stadt konzentrieren. Eine solche sehe man aktuell nicht, sagte ein Sprecher der Stuttgarter Polizei auf Nachfrage. „Aber es kann auch sein, dass wir nicht von allen Versuchen etwas wissen“, fügt er hinzu. Man gehe von einer hohen Dunkelziffer aus. Zum einen würden Seniorinnen und Senioren, die die Masche durchschauen und so nicht zu Opfern werden, oft keine Anzeige erstatten. Zum anderen würden sich bedauerlicherweise auch Opfer manchmal nicht melden: Aus Scham, auf den Betrug hereingefallen zu sein.
Betrugswelle im Rems-Murr-Kreis: Zehn Anrufe an einem Tag
Was für Stuttgart noch nicht gilt, ist aber in der Region um die Landeshauptstadt herum aktuell ein Problem: Im Rems-Murr-Kreis wurden vergangene Woche an einem Tag zehn Anrufe gemeldet, bei denen sich die Tatpersonen als Polizeibeamte ausgegeben haben sollen. In Waldenbuch (Landkreis Böblingen) ist eine Frau vergangene Woche ebenfalls Opfer eines Schockanrufes geworden. Die Geschichte mit dem tödlichen Verkehrsunfall ähnelte dabei stark dem Fall aus Hausen.
Die Polizei rät: Bei Anrufen, die derart schockierende Nachrichten überbringen, auf jeden Fall erst andere Verwandte anrufen und sich vergewissern, ob wirklich etwas vorgefallen sei. Ein gesundes Misstrauen sei keine Unhöflichkeit.
Auf keinen Fall solle man sich unter Druck setzen lassen – das kommt nicht nur bei den Schockanrufen mit angeblich an Unfällen beteiligten Verwandten vor. Auch, wenn die Anrufer behaupten, es sei in der Nachbarschaft eingebrochen worden, wird Druck aufgebaut. Auch hier solle man auflegen und bei der Polizei anrufen – keinesfalls aber die Rückruftaste drücken, die zurück zu den Betrügern führt. Rückfragen kann man unter der Notrufnummer 110 stellen. Dort soll man auch verdächtige Anrufe melden.